Fern der vielen Enttäuschen, die ich erleben “durfte”, mal wieder ein Film, der “überraschenderweise” ganz anders war.
Humbert Humbert liebt Lolita seit der ersten Sekunde, in der sie sich im Garten von der Mutter CHarlotte Haze erblickt habe. Humbert mietet ein Zimmer bei Charlotte, schreibt ein fieses Tagebuch und ist in Gedanken mehr bei Lolita als bei Charlotte, die jedoch einige Anstrengungen unternimmt.
Hochzeit: Humbert und Charlotte, wobei Humbert wohl eher die Nähe von Lolita sucht. Lolita wird ins Ferienlager geschickt, Charlotte stirbt bei einem Autounfall, Humbert und Lolita sind jetzt “auf sich gestellt” und sich näher als sonst. Als Problem stellt sich seine Eifersucht heraus, er lässt ihr kaum Freiheiten, observiert fast jeden Atemzug und möchte einiges verhindern.
Sie wird krank, kommt ins Krankenhaus, verschwindet – wird gefunden, es wird erzählt warum, wieso und wegen wem. Der Anfang des Films hat jetzt einen richtigen Sinn und passt in den Handlungsablauf, mit einem Blick auf das angeschossene Bild endet der Film.
Hohe Erwartungen, viel hatte ich mir versprochen und sehr viel wurde erfüllt. Der Film war komisch, in vielen schrägen Situationen einfach nur komisch, zum Lachen, zum Wegrollen und ab und zu zum heimlichen Grinsen. Ob es jetzt der perfekte Mord war, von dem Humbert “laut denkt”, die Szene mit der Diskussion, welche dank dem Hitlergruß schlagartig beendet ist, die Sache mit der Badewanne und der Beerdigung, der Autounfall, Doktor Zempf(Peter Sellers!!!!) – Pingpong, was man auch nimmt, herrlich zum Abrollen.
Und doch erzählt Lolita keine platte lustige Geschichte wie es andere tun, die Thematik, heute umstritten und provozierend wie eh und je, die stimmigen Dialoge, die Verknüpfung der verschiedenen Beziehungen untereinander und die Gestaltung der Frauenrolle. Mal empfinden wir Humbert als Ekelpaket, dann wieder als verständnisvollen oder überforderten Vater, dann wieder als Ekelpaket, dann haben wir auf einmal Mitleid. Lolita, ihrer Wirkung mit Sicherheit sehr bewusst, spielt ihre Spielchen, auch wenn ihre 14 Jahre ihr wegen der Schauspielerin niemand abgekauft hat, so war durch die Darstellung immer bewusst: sie ist noch ein Kind und muss erst noch erwachsen werden. Oh, und natürlich das Schachbrett, welches diesmal erkannt wurde und noch an der einen oder anderen Tapete gesehen wurde, was mit Sicherheit Interpretations- und Ansichtssache ist und bleibt.
Ich weiß noch nicht, wo ich Lolita in der Kubrick-Reihe sehen werde, dafür müssten erst mal “alle” gesehen werden. Leihe ich mir The Killing aus oder übergehe ich ihn einfach, weil er eh zu blutig sein könnte? Fragen, die noch geklärt werden müssen.
Auf jeden Fall ein Kubrick, wie man ihn vielleicht nicht erwarten würde, der jedoch auf ganzer Linie mit Detail, Humor und Sinn überzeugt.
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