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Adams Äpfel

Sowas von genau mein Geschmack, das gibt es schon gar nicht mehr!
Adams Äpfel – komischer Name, Adam, der 1. Mensch, im Paradies lebend und die Äpfel, verbotene Frucht und Weg zur Erkenntnis. Quark. Adams Äpfel sind Äpfel an einem Apfelbaum. Adam ist Neonazi und Verbrecher auf Bewährung, wird zu dem Pfarrer Ivan geschickt, welcher eine etwas andere Besserungsanstalt auf dem Land betreibt.
Schon die 1. Begegnung verläuft sehr einseitig, Adam ist angenervt und spricht wenig, Ivan lässt sich jedoch nicht beirren und ist freundlich, geschwätzig und voller guter Taten. Doch Adam gefällt es nicht, der Pfarrer war ihm zwar anfangs schon suspekt, aber mit der Zeit sieht er, wie arg es doch zugeht.
Ivan leugnet das Böse, seine Güte ist schier unendlich und das schlimmste, was passieren könnte ist, dass er etwas als eine Unverschämtheit bezeichnet.
Adam findet noch weitere Leidensgenossen vor, Khalid, Bankräuber und Gunnar, Kleptomane, Alkoholiker und damals Tennisprofi. Alles scheint perfekt, denn Ivan ist davon überzeugt, dass die beiden sich gebessert haben, deutlich gebessert haben – die Realität sieht anders aus.
Jetzt geht es erst richtig los, denn Adam verschwendet keinen Gedanken daran, sich zu unterwerfen, er sagt Ivan den Kampf an, auch wenn dieser es fast nicht wahrhaben will – „Gib auf Adam, Gott ist auf meiner Seite.“ Der Krieg hat also begonnen: Gut gegen Böse, Gott gegen Satan, Pfarrer gegen Neonazi.
Klingt fast schon langweilig, ist aber unterhaltsam in vielerlei Hinsicht und hält sogar einige gut gelungene Überraschungen parat.

Güte mag etwas sein, was es zu wenig auf dieser Welt gibt. Doch die Güte, die Pfarrer Ivan an den Tag legt, grenzt an die Grausamkeit, die wir von Schwester Ratched aus „Einer flog über das Kuckucksnest“ kennen. Mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit hält er daran fest, dass es keine schlechten Menschen gibt, dass Gott auf seiner Seite ist und er die Bösewichte zum Guten bekehrt hat und dies weiterhin erfolgreich durchziehen kann.
Adam, der immer wieder versucht, ihn mit der Realität zu konfrontieren, scheitert immer wieder – Ivans Glauben ist eine Mauer, die er nicht zu überwinden scheint. Dass sein krankhaftes Verhalten auch einen Grund, eigentlich mehrere Gründe hat, erfährt Adam erst später, jedoch ist es genug, um eine minimale Chance auf einen Schwachpunkt in diesem Bollwerk von Gottesglauben zu entdecken.
Am Anfang findet ein Gespräch zwischen Adam und Ivan statt, man gestattet ihm so ziemlich alle Freiheiten, nur ein Ziel, das solle er vor Augen haben und verfolgen. Es kommt dazu, dass Adam einen Apfelkuchen backen soll, mit den Äpfeln vom Apfelbaum.
Leichter gesagt als getan, der Apfelbaum wird von Plagen heimgesucht, mal sind es Vögel, mal Würmer.. und dann noch eine Spur härter. Wo Adam anfangs jämmerliche Zufälle sieht, ist für Ivan nur der Teufel, Satan im Spiel, der sie auf die Probe stellt und Adam an seinem Ziel hindern möchte.

Geniale Symbolik, das Bild von Hitler, welches Adam in seinem Zimmer aufhängt, jedoch immer wieder durch Glockengeläute oder zufallende Türen herunterfällt, als Inbegriff der Wankelmütigkeit für seinen Glauben an den Führer. Der Apfelbaum, in der Bibel trägt er die verbotene Frucht, hier ist er Ziel Adams, Hoffnung Ivans und Schießplatz für Khalid.
Geht es dem Baum bzw vielmehr den Äpfeln schlecht, herrscht reges Chaos, mehr oder weniger gemeinsam wird versucht, die Prüfung Satans zu bestehen.
Genialer Humor, bitter böse, grotesk und dann noch so verdammt tiefsinnig. Auch ein bisschen Slapstick ist zu genießen.
Sehr schön ist auch die Distanz, die erreicht wird. So wirklich einfühlen mag man sich in keine der Personen, Mitleid mit einem Neonazi? Bei Gott nicht. Aber hoffen, dass dieser verrückte Pfarrer seine Methoden weiterhin ungestraft durchziehen kann? Bei Gott nicht! Alkoholabhängiger Kleptomane, der sich alles über sich ergehen lässt? Schießwütiger Tankstellenräuber, der aus Rachegedanken immer wieder die gleiche Tankstelle ausraubt? Bei Gott nicht!
Da es so unmöglich ist, Empathie und Sympathie aufzubauen, kann man sich wirklich entspannt zurücklehnen und den Spannungsverlauf über sich ergehen lassen, mir war nie klar, was jetzt kommen könnte, immer war alles nebulös und schwups, kam es wieder anders – ein Spiel mit den Seiten und dem Zuschauer.

Und JETZT fällt mir auch ein, woher ich das Gesicht von Ivan kannte! Klar, bei meiner Fähigkeit, Namen und Gesichter zu zuordnen kein Wunder, dass ich Mads Mikkelsen nicht benennen konnte, jetzt aber weiß, dass es eben dieser Mads Mikkelsen aus Casino Royale ist!
Paprika Steen, „Das Fest“, aber natürlich! Egal was ich jetzt noch aufzählen würde, alle spielen genial überzeugend. Am Besten fand ich Ole Thestrup als Doktor Kolberg, ein fast schon fragwürdiger Arzt, der gerne eine Wahrheit mehr sagt, leicht schräge Moralvorstellungen und einen bitteren Humor besitzt.

Aehm ja, genial ist kein Ausdruck, 6 von 5 Sternen würde ich sagen. Nicht mal über das Ende mag ich streiten, das passt wirklich zu gut und lässt einen doch fast wahnsinnig werden, wunderbar integriert also.
Nur ob ich je wieder einen Apfelkuchen essen werde.. das weiß nur Gott, an den ich übrigens auch nach diesem Streifen immer noch nicht glaube.
Jetzt würde ich nur zu gerne ein Zitat hier einfügen..doch das wäre zu spoilerverdächtig. Aber die Links kommen ja eh in der nächsten Zeile, wer sich traut oder den Film gesehen hat, kann ja mal schauen, this sentence made my day!

Adams Äpfel – IMDB

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Abgelegt in Achtung Unterhaltung.

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6 Reaktionen

Es gilt die Netiquette.

  1. Anonym sagte

    Einer der besten Filme, den ich je gesehen habe. Unfassbar toller Humor mit Tiefgang.

    Aber hättest du den Skinhead nicht Adam nennen können?!?

  2. Uwe sagte

    Ich Blödmann, irgendein Teil meines Hirns war wohl auf Urlaub.
    Danke für die Info, ich hoffe ich hab keine Stelle übersehen!

  3. mat sagte

    Einverstanden. Aber: Das mit dem herunterfallenden Hitlerbild ist falsch interpretiert – Ich meine: Hitler symbolisiert in diesem Fall das schlechthin Böse, dem sich Adam »verschrieben« hat. Und? Dieses Böse fällt immer wieder herunter, hat keinen Bestand … Das entspricht ja Ivans »Botschaft«, der nur an das Gute glauben will. Adam will Ivans Fehlsicht brechen – wie er ja selber sagt, indem er ihn zwingt, die Dinge zu sehen wie sie sind. Und es scheint ihm zu gelingen. Und in dem Moment, wo er sozusagen den Kampf gewonnen hat, kehrt sich seine Sicht um. Nur ein einziges Mal fährt nämlich Adam den völlig erledigten Ivan vom Doktor heim … und was macht er? Er probiert es mit Musik »How deep is your love«. So richtig scheint er sich an seinem »Erfolg« nicht freuen zu können …

  4. Uwe sagte

    Ach Gottchen ist das lange her und ach Gottchen ist mein Text..doof. Aus dem Hinterkopf würde ich dir sofort Recht geben wollen.. aber der muss sowieso noch mal geguckt werden; danke für den Denkanstoß!

  5. Motte sagte

    Der Film ist wirklich Weltklasse, die Dänen habens echt drauf. Zu empfehlen ist auch “Dänische Delikatessen”, ich mag diese Art von Humor extrem gerne.

  6. Uwe sagte

    Dito!
    In China essen sie Hunde, nach der Hochzeit, Idioten[...] und und und – die haben schon alle was!



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