Dr. Sanada: Martyrdom is out of style.
“Drunken Angel”, eine vielleicht nicht ganz schmeichelhafte Bezeichnung, doch es passt auf den Doktor Sanada, der sich mit einer oberflächlich schroffen Art rührend um seine Patienten kümmert und trotz guter und weiser Ratschläge selbst den Alkohol für eigene Gelüste verschwendet. Ein betrunkener Engel für die Kranken, der seine Sache gut macht und geschätzt wird.
Auf der anderen Seite Matsunaga, der irgendwo zwischen Kriminalität und Bandenwesen hängt, der ihn aufsucht. Angeblich wegen einer Verletzung, die durch einen Nagel verursacht wurde, fischt Sanada eine Kugel aus dem Fleisch. Die ersten ungehaltenen Wortwechsel beginnen. Denn eigentlich können die beiden absolut nicht miteinander auskommen, sie passen nicht zusammen und jeder Satz könnte den anderen wieder zum Explodieren bringen.
Es prallen Welten aufeinander, wenn der alte, erfahrene Doktor, dem jungen Ganoven Vorschriften machen will und ihm seine Uneinsichtigkeit vor die Füße wirft, schnell verlieren beide immer wieder die Fassung und gehen “im Streit” auseinander, doch irgendwie finden sie immer wieder Gründe, zusammen zu kommen.
Denn Sanada scheint auf den ersten Blick recht hart, doch in Wirklichkeit sorgt er sich mehr um die anderen als um sich selbst. Er ist besorgt um ihn, zu allem Überfluss wird TBC1 diagnostiziert. Das ist weiter Zündstoff, denn Matsunaga will Stärke und Mut beweisen, muss seine “hohe Stellung” etablieren und verteidigen und jegliches Eingeständnis einer Krankheit wäre für ihn bloße Schwäche.
Für Sanada ist es dagegen blanke Idiotie, und genau das lässt er ihn spüren, wieder haben sich die beiden in den Haaren, Matsunaga rauscht ab, Sanada wirft wieder sein Inventar hinterher.
So lustig das anfangs noch erscheint, wenn die beiden sich streiten, in Wirklichkeit ist “Yoidore tenshi” ein Film, der über Selbstaufgabe, falsche Mitmenschen, Verzweiflung und Wille sinniert.
Die falschen Mitmenschen sind nicht nur da, sie sind auch dafür verantwortlich, dass Matsunaga sich miserabel fühlt, TBC ist da nur der Anfang. Doch wenn die Geliebte, Spielgefährtin oder Frau oder wie man dieses Miststück an deiner Seite bezeichnen soll, das Weite sucht, wenn sie ein Angebot bekommt, vom kranken Matsunaga abzuhauen, dann ist ihre Ehrlichkeit in Frage zu stellen, so wie die Ehrfurcht der anderen Einwohner in Frage zu stellen ist, die sich vor lauter Angst in die Hosen machen und ihm ausweichen, ihm alles durchgehen lassen, weil er eben “der Boss im Viertel ist”.
Sanada warnt ihn nicht nur vor der hemmungslosen Säuferei (offiziell immer nur 1 Glas, inoffiziell nicht mehr auf den Beinen), obwohl er ja selbst “Der trunkene Engel” ist, auch vor diesem Gesindel warnt er ihn.
Dass die beiden so unterschiedlich sind, ist die eine Sache, dass Matsunaga schon verloren ist, die andere. Viel zu tief in der Bande verankert, viel zu abhängig und viel zu stolz, um auf den Rat zu hören. Dass es zum bitteren Ende kommt, ist unvermeidlich, wie, das soll mal eine Überraschung bleiben.
Jedoch entlässt Akira Kurosawa uns nicht mit einem bitteren Ende, viel mehr mit einem bitterem, das einen süßen Nachgeschmack beinhaltet.
Disziplin, Gehorsam.. nein, diese Begriffe passen nicht, es ist der menschliche Wille und die Vernunft, das Vertrauen in den Doktor, welches ein Mädchen besitzt, ebenfalls an TBC leidend, und dass schließlich den süßen Nachgeschmack liefern wird. Also Leute, vertraut dem Doktor. Auch wenn er betrunken ist!
Yoidore tenshi bzw Drunken Angel – IMDB
Achja. Ich würde ja mal sagen.. Tenshi heißt Engel. Ich hab ein Wort gelernt, wooho!
Achja. Da waren zwar ganz kurz Untertitel, wo es ins Japanische umsprang aber.. in den 2 Sätzen hab ich schon nen Fehler entdeckt. Und in den Diskussionen stand, dass es bei den englischen Untertiteln auch nicht besser sei. Ausnahmsweise mal auf Deutsch geguckt, mein Japanisch ist nicht so flüssig.
- Tuberkulose [↩]
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