The German people are happy in the knowledge that a constantly changing vision has been replaced by a steadfast pole!
Die Anzahl der Kontroversen mag zahlreich sein, doch auch unbestreitbare Tatsachen sollte man niemals vergessen. So kann man schon am Anfang die Hoffnung laut aussprechen, dass die Menschen nie wieder vor so eine Entscheidung gestellt werden und sich nie wieder von so einem charismatischem, rumschreienden Schauspielerarschloch und seinen Handlangern um den kleinen Finger wickeln lassen.
“Triumph des Willens”, “Dokumentation” und Propagandafilm der Leni Riefenstahl, fast 2 Stunden härtester Tobak, wie einschlägige Geschichtslehrer schon ganz andere Sachen betitelten. Ein Gehangel von Rede zu Rede, von Aufmarsch zu Aufmarsch, von feierlichen Präsentationen und immer lauter werdenden Reden.
Dabei wird verdammt dick aufgetragen. Für die technischen Mittel, die um ‘35 verfügbar waren, muss man neidlos und ohne Vorbehalt eingestehen, dass die Bilder eine Faszination ausüben, auch wenn der tragische Verlauf fast jedem bekannt sein dürfte und was sich aus dieser freundlich und bestimmten “Wir sind ein Volk” Atmosphäre entwickelte.
Riefenstahl lässt die Grenzen förmlich verschwimmen; die objektive, nüchterne Haltung, die der Doku nahe, sehr nahe kommt kann im nächsten Moment schon das lächelnde Gesicht eines Soldaten, einer Frau oder eines Kindes einfangen, um die “Flamme der Hoffnung”, die nach Himmler niemals erlöschen dürfe, in diesen aufblickenden Augen lodern zu lassen.
Nicht nur am Einzelnen wird Hoffnung festgemacht; pompöse Aufnahmen, wo 3 wichtige Herren durch eine großzügige Schneise von Tausenden marschieren, wo Fahne an Fahne marschiert und der Typ vorne mit dem Stab die enthusiastischsten Manöver vollzieht, als ob es seine letzte Chance wäre. Die – für damalige Verhältnisse – fantastischen Dinge wie eine mitlaufende Kamera, Aufnahmen aus der Luft oder von hoch gelegenen, variablen Standpunkten aus tragen sehr zur Bildgewalt bei, die anrückenden Hakenkreuze scheinen den Zuschauer zu überrollen, auch wenn die “Arbeit” der Kamera, der erzielte “Effekt” marginal erscheint.
Und das ist nur eine Sache von vielen. Hitlers Flug über Nürnberg, kunstvoll mit Wagner unterlegt und dennoch einen Schatten auf die Stadt werfend – was damals wohl keine oder eine positive Bedeutung besaß, kann man heute, an leidigen Erfahrungen und Erzählungen “reicher” wiederum in einen pseudoprophetischen Schatten, der über Nürnberg und bald über ganz Deutschland liegt, umfunktionieren.
Riefenstahl beruft sich auf die Werte, die auch in den Reden immer wieder hervorgedonnert werden. Stärke. Willensstärke durch Zusammenhalt, Stärke durch gestählte Soldaten, bei denen auch Zeit für Späße bleibt. Überglückliche Landwirte, die dem Führer die Ernte präsentieren und aufgrund seiner Erscheinung (oder seines festen Händedrucks?) fast vergessen, Luft zu holen. Scharen von Reitern und die Jugend, die gewürdigt und auf ihre Zukunft hin vorbereitet wird, natürlich mit den glorreichen Worten des Führers, der oft, sehr oft einfach nur schauspielerte, gekonnt die Reaktionen der Masse abwartete und steuerte sowie aufgrund viel zu zahlreicher, teils pfiffiger und großteils geschmackloser Videos, die sich auf bekannten Videoportalen finden lassen, zur Witzfigur verkam, die trotzdem fleißig weiter gestikulierte und ins Mikro spuckte.
Jene Werte, die propagiert werden, werden kunstvoll propagiert was wiederum das Element der Dokumentation weiter verschwinden lässt. Eine hochstilisierte Scheinwelt aus positiven Werten, wo alle fröhlich den rechten Arm heben und “Sieg Heil” schreien, lauter und lauter, wo das eine Volk geführt von dem einen nicht mehr aufzuhalten sein wird – so denkt und so wettert man der Jugend, dem Volk, der Allgemeinheit ins Gesicht ohne mit der Wimper zu zucken.
Vorwürfe in Richtung Doku sind nicht zu machen. Eindeutige Propaganda, die stur und gekonnt auf Verherrlichung und Ästhetisierung abzielt. Schon alleine wegen dem abrupten Ende, wo der Parteitag zum Ende kommt und man uns mit dem Horst-Wessel-Lied alleine lässt.
Keine Frage: schlimme Menschen, schlimme Zeiten und höchste Zeit, dass alle Anhänger jeglicher Form vom Blitz getroffen werden oder vom Friseur wegen mangelnder Arbeitsfläche ausgelacht werden. “Triumph des Willens” kann man nicht gut heißen, nicht nachvollziehen – keine Frage. Aber mit Verlaub laut gedacht, diese ~2 Stunden Film haben mehr Atmosphäre, mehr Einblicke und trotz enormer zeitlicher Distanz mehr Verständnis (natürlich für die geblendete Masse..) ermöglicht, als es jede Sekundärquelle, pardon, Sekundärtext über Wochen hin hätte erreichen können.
Verbleibt man mit der Hoffnung, dass die Menschen nie wieder vor so eine Entscheidung gestellt werden und sich nie wieder von so einem charismatischem, rumschreienden Schauspielerarschloch und seinen Handlangern um den kleinen Finger wickeln lassen, wie ich anfangs auch gesagt habe.
Verbleibt man vielleicht auch mit einem komischen Gefühl im Magen, dass soviel Grausamkeit in so ansprechende Filmbilder passt. Kann (sollte?) man gesehen haben, muss man nicht unbedingt im Regal stehen haben und warum werde ich wohl die total persönliche 5-Sterne-Uwe-Bewertung diesmal außer Acht lassen..? Ich schließe mit den kontroversen Worten von Susan Montag von 1974:”Faszinierender Faschismus”.
Es folgt Lesestoff. Zumindest eine Anlaufstelle für Lesestoff.
Triumph des Willens – IMDB
Hintergrundinfos zum Film aus der Wikpipedia
Informationen über Leni Riefenstahl
Viel viel Text über das Horst-Wessel-Lied am Ende des Films
Filmkritik in der Filmzentrale
Englischer Artikel von Wikipedia

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