Civic TV. The one you take to bed with you.
Dieser Film ist älter als ich. Und was noch viel schockierende ist; 3 Minuten ein bisschen die Gedanken schweifen lassen und man kommt zu einem Fazit. Einem erschreckenden Fazit, denn irgendwie hat “Videodrome”, immerhin von 1983, wenig von seiner Brisanz verloren.
Aber von Anfang an, ein bisschen Inhalt.
Ein kleiner Fernsehsender, der sich mit 2 Urgelüsten über Wasser hält: Sex und Gewalt. Max Renn betreibt diesen Sender. Und dieser ist auf der Suche nach neuen Schockern, um die Leute weiterhin zu begeistern. Mehr Sex, mehr Gewalt, nicht so blumige, japanische Softcoresachen, er sucht Sachen die einschlagen und die Quote förmlich durchs Dach schießen lassen.
Über nicht ganz legale Methoden entdeckt er etwas: Videodrome. Videodrome ist “torture and murder” – keine Handlung, keine Helden und keine Charakter, nur Folter und Mord. Eigentlich genau das, was er gesucht hat. Jedoch hat Videodrome Auswirkungen. Und diese Auswirkungen muss Max Renn am eigenen Leib erfahren, während er Nachforschungen anstellt, auf Professor Brian O’Blivion “stößt” und sich wenig später als Marionette zwischen den Fronten befindet.
Videodrome is something for you to leave alone.
Ein Filmformat im Film. Oft kriegen wir die Fernseher zu sehen. Oft werden wir Zuschauer des Programms. Eine wirkliche Distanz ist unmöglich aufzubauen und macht die spätere Differenzierung zwischen Realität und Halluzination schier unmöglich.
Böse Medien. Anders kann man das schon nicht sagen. Was haben wir denn heute? Etwa auch Fernsehsender, die mit mehr Gewalt, mehr Action und mehr Porn die Leute locken wollen? NIE IM LEBEN! Selbstverständlich, das verkauft sich.
Und irgendwie erzählt “Videodrome” von der menschlichen Wahrnehmung, vom Geist und Verstand, den sich manche Menschen zurechtbiegen wollen. Teuflischer Einfall, dass hinter Videodrome “Spectacular Optical” steckt, die auch noch Brillen herstellen – was sonst, außer eine weitere Schicht vor dem Auge könnte das Sehen und Verstehen der Welt sonst beeinflussen?
Im Film haben wir immer Renns Brille auf, alles geschieht aus seiner Sicht und manche Stelle kann sehr gut Einbildung, Realität oder TV sein – wer weiß das schon so genau, wenn Fernsehen und Realität verschmelzen und Realität weniger als Fernsehen ist.
Genauso verschwommen sind die Seiten “Gut” und “Böse”, Oblivion, ein Name der schon symbolisch fast explodiert. Das Vergessen, der vergessene Professor, der sich durch unzählige Videoaufnahmen verewigt hat und mit der Tochter gegen die “Umprogrammierung” ankämpft – jedoch ebenfalls mit Fernsehen und dazu ein Glas Orangensaft.
Neben dieser konfusen und doch recht ansprechenden Erzählstruktur gibt es auch etwas fürs Auge. Zumindest für das Auge, was Splatter mag. Renn mutiert zum lebenden VHS-Abspieler und muss unweigerlich die Botschaften in sich aufnehmen, seine Umgebung beginnt lebendig zu werden, atmet und pulsiert und blutet.. und zwischendurch immer ein bisschen Snuff, ein bisschen Masochismus und Bluuuut Bluuuuut Bluuuut.
Wegschauen? Ist nicht, viel zu packend. Genauso wie M.R nicht von Videodrome lösen kann.
Nebenbei wird heftige Kritik geübt. Immer höher, schneller, perverser – das Motto der Medien. So hätte man M.R im Nachhinein für naiv erklärt, wenn er den naiven, netten Porno abgelehnt hätte, denn er wollte fesselndere, perversere Sachen. Hinzu kommt ja auch, dass diese Art von Betrachtung dazu beigetragen hat, dass sich das Videodrome-Signal im Hirn einnisten konnte. Und wieder die Kritik, der vermeintliche böse stellt ihm die Frage, warum man sich so etwas anschauen würde. Die Antwort war “business”.
Was war denn da noch? Etwa diese Aussage, dass Gewalt besser im Fernsehen gezeigt werden soll, anstatt auf den Straßen ausgelebt werden soll? Oder die ganze Masche rund um die Medien, die wie eine verfälschende Brille unsere Wahrnehmung beeinflussen und den Menschen an sich verändern?
Apr. Veränderungen, der Mensch, der sich zwar auch innerlich verändert, verändert sich auch äußerlich – auf unschöne Art und Weise.
Harte Bilder mit harten Ansprachen. Cronenberg verschenkt kein Potential, in keiner Minute. Als Belohnung gibt es eine Atmosphäre inklusive Nachwirkung, die ebenbürtige Konkurrenten sucht. Intelligent grausam und durchdacht – 3 Wörter und 1 Videodrome. Fast schon nebensächlich, dass Howard Shore für die Musik verantwortlich war.
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