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Dead Man

Do you know my poetry?

Dabei wollte er doch nur einen Job als Buchhalter haben. Zu schade, dass William Blake nicht auf den Mann hört, der ihm im Zug anspricht – uns das Ende vorweg nimmt – und darauf hinweist, dass ein geschriebenes Wort nicht immer viel bedeuten muss.
So kommt es also, dass Blake sich Richtung Endstation begibt – die Endstation seines Lebens. Vorher wird er, fast schon prophezeit, nicht angenommen, versucht sich irgendwie im wilden Westen zurechtzufinden, lernt eine Frau kennen – verstrickt sich in heikle Angelegenheiten und findet sich wenig später auf der Flucht wieder, an seinen Fersen diverse Killer, Gesetzeshüter und andere.

Eine Zugfahrt die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön, denn da kann man buchstäblich Büffel schießen gehn oder zumindest diesem Schauspiel beiwohnen. Ein zivilisierter und blasser Johnny Depp (Nicht Fluch der Karibik!) mittendrin, der sich erheblich vom schmutzigen Umfeld abhebt und immer fabelhaft geistig abwesend und deplatziert. Schon die Ablehnung des Jobs, nicht wirklich seine Welt das ganze. In Cleveland (da wo auch Heulberry aka Catwoman herkommt) war es mit Sicherheit etwas anders, da hat der Chef nicht die Flinte gezückt, mit einem großen Bären gesprochen und wahrscheinlich wurde man auch von den restlichen Menschen nicht verhöhnt.
Pech im Job, Glück in der Liebe könnte man meinen. Meint man aber auch nur, ein kurzes Gespräch auf der Straße, kurzum in ihrem Zimmer über das Hobby der Rosenfalterei (ist das eigentlich schon Origami oder ist das was anderes?) sprechend.. schwups, im Bett und voilà der Ex taucht auf. Eine komische Gestalt. Mit Geschenk und Einsicht gesegnet. An diese Stelle sollten alle Moralapostel und Verfechter der Wahrheit wegschauen und weghören, denn Wahrheit und wahre Gefühle auszusprechen scheint nicht immer der goldene Weg zu sein; eher der bleigefüllte Weg.
Pech mitm Job, Pech in der Liebe – da zücken wir als Blake doch erstmal die Knarre, schießen ein bisschen daneben und treffen dann noch den Ex. Pech mitm Job, Pech in der Liebe und das Pech, dem einflussreichen Chef der Fabrik von vorhin seinen Sohn wegzuschießen.

Da bleibt nicht viel, außer der Flucht. Aber eine Flucht im Westen, im unbekannten Gebiet, angeschossen und ohne Mittel, Vitamin B etc pp.. gut, dass wenigstens ein Indianer vorbeischaut – “Nobody” – seines Zeichens ausgestoßen vom eigenen Stamm, von Weißhäutigen verschleppt und als Zirkusattraktion vorgeführt hält ihn für _den_ William Blake.1
Und so gehen die beiden auf Wanderschaft – oder Blake geht auf eine begleitete Flucht, wie man es sehen möchte. Eine wirkliche Basis scheint nicht vorhanden, Nobody redet viel und gerne, oft auch in Weisheiten, die man angeschossen, erschöpft und hungrig noch weniger als im Normalzustand verstehen dürfte – im Nacken 3 Killer und viele Steckbriefe mit der schönen Überschrift “Wanted” – wie soll da auch Verständnis herrschen?
Wenn es eben nicht klappt, trennt man sich. Wenn sich die Wege wieder kreuzen, fängt man von vorne an. So lasch wie “Dead Man” das bekannte Ende Blakes umspielt, wirken auch die Verbindungen der Einzelnen.
Killer, eigentlich Einzelgänger, arbeiten mehr oder weniger freiwillig zusammen, müssen mit dem Typus Mensch, der ihnen da am Feuer gegenüber sitzt klarkommen und noch eine Spur verfolgen. 3 Zeitbomben, wobei nur noch abzuwarten bleibt, wer wann wie hochgeht und wen in den Tod reißt.

Während Blake so vor sich hin flüchtet, macht er eine grundlegende Veränderung im Innersten durch. Wo schon in El Topo der Weg durch die Wüste klar auf innere Prozesse abzielte, ist es hier eben der Westen. Der WILDE Westen. Zaghaftes Nuckeln am Alkohol, Zusammenkommen mit einer (Ex)Prostituierten, das zaghafte und unbeholfene Erschießen des Dickinson Sohnes – langsam aber sicher bekommt man ein anderes Bild von der vorhin noch so zivilisiert wirkenden Person im Anzug mit Brille und Brief. Der Poet mit der Waffe, der jeglichen Skrupel ablegt, treffsicherer wird und mehr und mehr mit seiner Umwelt fusioniert. Im Hinterkopf sollte man behalten, dass Blake kein großes Ziel vor Augen hat, eigentlich nur quer durch die Hölle reist, um seine ganz persönliche Endstation zu erreichen.

Trotz abgehackter, gar diffuser Verläufe und vieler sinnfreier Momente, die die ernsten Hintergründe immer meisterlich zurückdrängen, bleiben doch einige Kontrastprogramme deutlich stehen. “Machine”, der angestrebte Ort Blakes, “Hochburg” von Maschinen, Industrialisierung und Fortschritt – was für ein Jammer, dass der Anzugträger dort nicht sein Paradies, sondern nur einen Vorort der Hölle antrifft und sich schnell verziehen muss. Ein noch größerer Jammer, dass nun die Verkörperung des Anstandes und der Zivilisation in die Wildnis flüchten muss, mit einem Indianer reist und seine Kultur peu à peu kennenlernt – im weitesten Sinne sogar schätzen und verstehen lernt.
Unterlegt wird dieser “Roadtrip” gen Westen mit Improvisationen von Neil Young, schönsten s/w Bildern der Umgebung und aufgelockert wird die Handlung durch gut akzentuierte Witze. Ja, wirklich. Witze. Alleine die Frage nach dem Tabak ist Gold wert (oder ist schon Tabak Gold wert?), eine trashige Szene darf natürlich auch nicht fehlen sowie zynische Seitenhiebe in Richtung der Indianer (Glasperlen und Decken, wie wärs?)

Eigentlich passt alles, eigentlich passt auch wieder nichts. Für einen Western viel zu fern der Realität, zu surreal wirkend und zu symbolisch. Eine Mixtur der Genres, eine totale Missachtung von Grenzen und roten Fäden. Eine vorbestimmte Reise des Protagonisten, der sich gegen altbekannte Figuren des Westerns durchsetzt und sich mit der Tatsache abfindet, dass er ein toter Mann ist. Ob “Dead Man” jetzt spannend ist, darf – Achtung Achtung, platte Aussage voraus – jeder für sich selbst entscheiden. Ein vorgefertigtes Ende, arge “Kapitel” und immer wieder das Springen der Perspektive vom Verfolgten zu den Verfolgern und wieder zurück – gefüllt mit Indianerweisheiten, Riten der Selbsterkennung und anderen abgefahrenen Dingen. Geprägt durch Verwirrung und Orientierungslosigkeit nimmt man die musikalischen Improvisationen, die jene Unsicherheit widerspiegeln, gerne in sich auf und begibt sich mit dem toten Mann auf seine letzte Reise.

Dead Man – IMDB

PS: Kein Bambi wurde im Film verletzt. Gott sei Dank!

  1. Ein Dichter, Erfinder, Mystiker und noch viel mehr. Ihr könnt euch denken, wo es Infos gibt. IM INTERNET! []

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  1. Uwe » Demnächst: Rückblick auf die Reihe verrückte Weihnachten am GGM vom 19.12 bis zum 20.12.2007 mit Home Alone, Bad Santa, Silent Night Deadly Night, Out for justice und Ong Bak linked to this post on Do, 20. Dezember 2007

    [...] wurde böse. Richtig fies böse, exzellent verkörpert durch Billy Bob Thornton (Dead Man) macht der Film rundum Spaß, empört und leidet in meinen Augen nur durch das eher [...]



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