The greatest trick the devil ever pulled was convincing the world he did not exist.
Das alte Lied vom scheinbar Unschuldigen, der sich im Endeffekt doch als teuflischer, als angenommen entpuppt – “The Usual Suspects” steht vor dem Grundproblem: 1x gucken und der mühsam aufgebaute Bogen, hin zum “Oha, ahhhh”-Effekt bricht gnadenlos weg. Aber Bryan Singer wäre nicht Bryan Singer, wenn er sich da was einfallen lassen würde; so wie er die Charaktere in Kings schnödem “Der Musterschüler” mit filmischen Finelinern zeichnete, wo er mit X-Men 1-2 (mich) begeisterte[...]
Am Anfang eine Schlüsselszene, deren Bedeutung und Zusammenhang sich erst später erschließen wird, zwischendurch immer wieder ein verkrüppelter Ganove namens Roger ‘Verbal’ Kint (Kevin Spacey, L.A. Confidential) im Kreuzverhör, der uns die “Zusammenarbeit” von 5 Kriminellen schildert, wie es zum Zusammenkommen kam und was das alles mit einem explodierenden Schiff und 27 Toten zu tun hat.
Ein Name fällt und wird relevant sein: Keyser Söze. Wer ist Keyser Söze? Eine Legende, ein Mysterium und “the devil himself”. Söze weiß alles über jene 5 Männchen, die ihn in der Vergangenheit alle mal beklaut haben, ohne es jedoch zu wissen (ansonsten wären sie schon längst nicht mehr am Leben) – somit sind sie ihm, einmal zusammengekommen, erstmal ausgeliefert – eine Flucht vor dem Teufel? Das ist wie Selbstmord, um direkt zur Hölle zu gelangen. Sinn- und zwecklos.
Wo beim 1. Schauen natürlich eindeutig die “Jagd” nach der Identität des Teufels im Vordergrund steht, muss man sich beim 2. Schauen andere Schwerpunkte suchen.
Die Charaktere und ihre Hintergründe fallen dafür weg, die Hülle und Fülle an “Mittelpunkten” erschwert es irgendwie, sich auf eine Person zu konzentrieren, vermeintliche Mittelpunkte wie zum Beispiel Zwielichtgestalt Dean Keaton (Gabriel Byrne, Dead Man) kommen nicht zu der Vielschichtigkeit und Tiefe, wie man sie sich für sie wünschen würde und auch mein persönlicher Favorit Pete Postlethwaite kommt viel zu kurz.
Es bleibt nicht übermäßig viel, aber auch nicht wenig, denn immerhin versteht “The Usual Suspects”, wie man sich trotz alledem gut verkauft, ohne viel Schnickschnack.
Eine emporsteigende Flamme in der rabenschwarzen Nacht, Fegefeuer der ganz einfachen und dennoch überzeugenden Art. Ein startendes Flugzeug, Musik von John Ottman und 2 oder 3 schnelle Bilder – perfekt.
Auch die Atmosphäre auf dem Schiff, die eine Spur an die Angst vorm Unbekannten à la Alien erinnert, wundervoll umgesetzt. Und dennoch fügt sich das Ganze nicht zu dem Film zusammen, wie ich ihn damals in Erinnerung hatte. Man könnte das jetzt auf den Effekt des belastenden Vorwissens abschieben. Könnte. Muss aber nicht. Schließlich ist dadurch die oben erwähnte Chance gewährt, nach etwas Neuem zu suchen.
Ja, das “Neue” ist der Teufel und die ganze Thematik rund um diese Frage, was man uns erzählt, was wir glauben und inwiefern Manipulation und gelenktes Handeln eine Rolle spielen.
Denn am Ende darf man sich ruhig fragen – ist es nötig gewesen, das noch zu erfahren? Hätte nicht alles so gut eine große Lügengeschichte sein können, oder eine geschickt eingefädelte Geschichte des Teufels, die wir glauben möchten – oder die er uns glauben lassen möchte?
Bis man sich diese Frage stellen darf, kann man Schießereien genießen, sich in der Spannung verlieren und Ehrfurcht vorm Untergrund-Phantom erlangen, bis schließlich in altbekannten Dramatisierungsverfahren das Ganze ein Stück, wenn auch nicht ganz, (auf)gelöst wird.
Wieder sehr schön zusammengefasst
Aber sÖze?
Ich frage mich gerade, ob ich den Film tatsächlich schon 2x gesehen habe, oder doch nur 1x. Vielleicht aber auch schon öfter?!?
Naja, prinzipiell finde ich Filme gut, die man öfter gucken kann und trotzdem immer wieder was Neues entdeckt (The Sting ist auch nach mehr als 10x noch nicht langweilig).
Also ich persönlich finde die “Auflösung” am Ende sehr wichtig, um vom Vermuten zum Wissen zu kommen. So hat die Spekulation ein Ende, und wir müssen uns mit der Frage nach Sein und Schein stärker auseinandersetzen. Außerdem fand ich den Übergang von der einen Person zur anderen auch filmisch gut gelöst, eben nur die Füße zu zeigen, die ihren Tritt ändern. Aus Herrn Verbal (dem Schwätzer) wird der Teufel, der im Luxuswagen davonfährt. Und wer weiß, was er heute tut?!
Noch ein Hinweis: In Berlin Mitte gibt es dieses Restaurant: http://www.keyser-soze.de/
Julia, sÖze! Ich habe Zeugen, viele Zeugen
(Und danke für das kontinuierliche Lob, wer auch immer dich eingestellt hat :zwinker:)
Ja, den Clou muss ich mir wirklich mal reinpfeiffen, ich merke doch, wie oft du den hier erwähnst, das hat doch was zu bedeuten!
Herr Verspohl,
scheint sehr verschieden zu wirken, eigentlich könnte es auch total irrelevant sein, ob es jetzt aufgelöst wird oder nicht, wenn man soweit geht und sich denkt “Naja.. wenn schon die Geschichte nicht stimmt, wieso soll die Auflösung dann nicht auch ein Konstrukt sein?”
Die Auseinandersetzung ist auf jeden Fall gegeben, da stimme ich zu (beim öfteren Schauen sicher auch immer aus anderen Blickwinkeln, weil wie gesagt, am Anfang möchte man doch gerne das Unbekannte einfangen und entmystifizieren)
Auch bei der filmischen Umsetzung doch eher Zustimmung, Singer kann schön darstellen, ich erinnere an des Teufels Anwesenheit und die Szene mit dem Bullauge – wunderschön.
Was der Teufel heute tut?
In codierter Sprache
Auf Blumenwiesen Napoleon unterrichten und sich im Kreis drehen und sich argen Problemen gegenüberstehend
Offiziell.. wer weiß, vielleicht arbeiten die Lehrer für ihn?
Nettes Restaurant
Das Zitat am Anfang kenne ich aus einem anderen Film..wie hieß der noch gleich…mit Keanu Reeves und Satan persönlich….aber es ist genial, einfach nur genial, weil es einfach so wahr ist!
The Devil’s Advocate etwa?
http://uwe.vg/2007/01/02/the-devils-advocate/