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The Shining (Shining)

Little pigs, little pigs, let me come in. Not by the hair of your chiny-chin-chin? Well then I’ll huff and I’ll puff, and I’ll blow your house in.

Mal davon abgesehen, dass Jack Torrance (Jack Nicholson, Einer flog übers Kuckucksnest) ein Alkoholproblem hatte, als Lehrer gescheitert ist und seine Frau Weny von Shelley Duvall verkörpert wird, sein Sohn Danny “Das Shining” hat, mit/über seinen Daumen redet.. ist doch wirklich alles normal. Eine kleine, heimische Familie, ohne nennenswerte Höhen und Tiefen. Aber die Tiefen, die zeigt Stanley Kubrick uns trotzdem. Nicht nur am Hotel “Overlook”, das entlegen in den Bergen in Colorado steht und von Torrance über den Winter bewacht werden soll, auch an den Menschen selbst.

Das Hotel ist “böse”, erbaut auf einem Indianerfriedhof und die Vorlage stammt ja auch von Stephen King, der wohl dafür bekannt sein dürfte, dass er alltägliche Dinge wie Hunde, Autos, Häuser oder Mädchen zum nicht ganz alltäglichen Horror umfunktioniert. Ob das Hotel jetzt grundlegend für den Sinneswandel Jacks verantwortlich ist, dürfte man doch eher anzweifeln, denn die Ausgangsbasis ist doch schon recht wackelig; Alkoholiker auf Entzug, im eigentlichen Traumberuf gescheitert und jetzt auch noch die dünne Luft hoch oben in den Bergen, mit einer ordentlichen Mischung Einsamkeit und dem Teufel als Barkeeper schlechthin.
“The Shining” kann man sehr schön dahingehend verstehen, wie der Mensch einen Schritt zuviel macht. Ob er jetzt über sein eigenes Leben hinauswächst, zur Kampfmaschine erzogen wird oder als problematisches Versuchskaninchen bis zur Schmerzgrenze und weiter konditioniert wird – Kubricks “The Shining” macht da keine Ausnahme und nimmt das Genre Horror eigentlich soweit auseinander, was schon alleinstehend als Horroreffekt bezeichnet werden könnte.

Vergleicht man “The Shining” mit anderen Horrorfilmen fällt auf jeden Fall der spartanische Einsatz der Effekte ein, die einen normalerweise im Stuhl hochschrecken lassen, die einem ein “AH!” entlocken wollen. Dabei bedient sich Kubrick doch einer Reihe von Sachen, die mehr Schrecken erzeugen werden, als jeder noch so dämlich animierte Haufen an Schleim, Blut und Verunstaltung. Im Interview und beim Ausharren, ob Jack den Job bekommen wird, wird dezent auf die Figuren verwiesen – wirklich nur dezent, aber ausreichend. Wenn sich dann das Auto, begleitet von Wendy Carlos, die sich mit dem Synthesizer am “Dies irae” austobt, seinen Weg durch die Landschaft (die nicht aus dem englischen Studio entstammt und dementsprechend schön aussieht) bahnt dämmert es mehr und mehr; irgendwer ist hier auf dem Weg zu seinem Begräbnis, auf jeden Fall zu seinem Ende.
Bis es aber soweit ist, und das vielschichtige Wort “Redrum Redrum Redrum Redrum” ertönt, uns auf den inneren Wandel Jacks im “roten Raum” (“Red Room”), auf sein Vorhaben, das Töten (“Murder”) und sein vielleicht wieder aufkeimendes Alkoholproblem (red “Rum”) hinweisen soll – fast schon ironisch, dass “rum” dann auch noch eigenartig bis gefährlich bedeuten kann.

Vermutlich ist nicht alles Realität, immerhin sind wir im Horrorfilm. Es tauchen Leute auf, die schon immer da gewesen sind, und eigentlich soll auch Jack Torrance schon immer der Hausmeister gewesen sein. Ein plötzlich auftauchender Barkeeper namens Lloyd (ein eiskalt-sympathischer Joe Turkel, Blade Runner), der dem Teufel nicht ähnlicher sein könnte und dem armen Jack seine Seele abnimmt für ein bisschen Alkohol. (“God, I’d give anything for a drink. I’d give my god-damned soul for just a glass of beer.”)
Da scheint die Fähigkeit des Sohnemanns fast nur Ausstaffierung, denn eigentlich geht es nicht wirklich um “Das Shining”, es geht nicht um die Fähigkeit per se sondern um eine Familie, die unter erschwerten Bedingungen in einer nicht ganz friedlichen Gegend in einen Konflikt mit sich selbst gerät und die Rollenverteilung über Bord wirft, um weiter bestehen zu können.
Jack spricht von Verantwortung gegenüber seiner Familie, wieviel er auf sich nimmt, mit was für einer gewaltigen Bürde er zu kämpfen hat und wie oft Frau Wendy ihn schon daran gehindert hat, glücklich zu sein. Fucked Up, um es mal mit seinen Worten zu sagen. Da kommen wir ganz schnell wieder an den Punkt, wo der menschliche Charakter mehr ist, als eine glatte Oberfläche, wo der Alkohol spurlos dran runterperlen kann. Ecken und Kanten sind es, die alles nicht ganz so reibungslos ablaufen lassen, der Neid des Vaters auf den Sohn, der von der Mutter mehr beachtet wird, obendrein ist die Frau eine Nervensäge, hat ihn zu einem “Pakt” verleitet, in dem er versprach, trocken zu bleiben und und und.

Familie Torrance ist also nicht wirklich die Art von Familie, die mit diesen Strukturen klar kommt. Richtig klar wird das erst nach Monaten gezeigt. Je weiter sich die Lage zuspitzt, umso feiner werden die Zeiteinteilungen. Und am Ende ist es die Mutter, die unbeholfen mit dem Baseballschläger wirbelt, mit dem größten Messer im ganzen Hotel nicht mal Butter ankratzen könnte. Und es ist der Sohn, der – wie ironisch kann es eigentlich noch werden? – mit einem Trick der Indianer den Vater im Labyrinth erfrieren lässt, der schließlich erfriert und – schon wieder so ironisch? – in Schlussbild wie ein glückseliges Totem erscheint.
So gruselig die 2 Mädchen auch waren, so ekelhaft die Wasserleiche auch war, wieviele Liter Blut auch immer um die Ecke schwappten, egal wie gut die Axt geschwungen wurde und wie oft diese Szene gedreht wurde – “The Shining” ist mehr als nur ein Horrorfilm und entlässt uns gnädigerweise mit der Gewissheit, dass Jack T. tief tief tief in seinem verzweigten, verzweifeltem Ich sowas wie “Frieden” gefunden hat. Wäre ja auch echt zu einfach gewesen, wenn der Herr von Anfang an bekloppt gewesen wäre, der Film bezieht seine ganze Spannung aus dem kontinuierlichen Aufbau einer Krise, die Stück für Stück, in kleinen Schritten voranschreitet und am Ende einen Höhepunkt respektive Katastrophe und eine Erlösung “vom Fluch” beinhaltet. Bis das Overlook mal wieder jemandem zum “overlooken” braucht.

Was mir diesmal, so beim gefühlt 5. Mal schauen aufgefallen ist. Die Verfolgungsjagden wirken sehr an das angeschnittene Thema Fernsehen “angelehnt”. Der arme Jack wirkt wie die Zeichentrickfigur Wile E. Coyote, der dem blöden, verfluchten ich könnte ihn erwürgen Road Runner (Meep Meep) erfolglos hinterherjagt. Wie immer endet es damit, dass der Coyote dem blöden Vogel keinen Schaden zufügen kann. Und nur die äußeren Einflüsse können dem Coyote schaden. Tada. Alle Disziplinen1 eingehalten. Wenn schon das Fernsehen parodiert wird, dann natürlich auch richtig (“Wendy, I’m home”) böse (“Little pigs, little pigs, let me come in. Not by the hair of your chiny-chin-chin? Well then I’ll huff and I’ll puff, and I’ll blow your house in.”) und so genial, dass es Wert ist, von den Simpsons aufgenommen zu werden. (“HERE’S JOHNNY!)

Und bloß nicht vergessen. Es ist zwar Kubrick, aber es ist eine King-Verfilmung. Will schon was heißen.

The Shining (Shining) – IMDB

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Road_Runner_und_Wile_E._Coyote#Konzept []

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2 Reaktionen

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  1. GIGI DAG sagte

    Stimme dir vollkommen überein. Ich mag solchen Horror auch am Liebsten. Aber warum heißt Johnny in der deutschen Fassung eigentlich Jack? ^^

  2. Uwe sagte

    Die haben den nicht wirklich übersetzt?

    Der arme Johnny Carson :(



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