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Spartacus (1960)

When a free man dies, he loses the pleasure of life. A slave loses his pain. Death is the only freedom a slave knows. That’s why he’s not afraid of it. That’s why we’ll win.

Kein Bild und der Ton läuft dennoch; eine Ouvertüre erklingt und lässt viele Minuten auf sich warten, bevor “Spartacus” und das Umspringen mit den römischen Sklaven aus allen Ecken der Welt im Bild erscheint. Der Sklave Spartacus (Kirk Douglas, Paths of Glory) bei der Zwangsarbeit; ein anderer Sklave bricht unter der Last, der Sonne und der körperlichen Erschöpfung zusammen; Spartacus eilt ihm zu Hilfe und wird zum Dank mit Füßen getreten. Der aufmüpfige Thraker lässt das nicht auf sich sitzen und beißt zu. Eigentlich zum Tode verurteilt, kommt Sir(!) Peter Ustinov (Quo vadis?) in Gestalt des Gladiatorenschulenbesitzers Gaius Cornelius Lentulus Batiatus vorbei und kauft ihn. Das alltägliche Leben eines “Auszubildenden”, Erniedrigung an jeder Ecke, unmenschliche Umgangsformen, immer gleiche monotone Schemata, nach denen das Leben gestrickt ist und bloß kein Ausbruch an eigenen Gedanken und Wünschen, dafür wird das Schwert und die Peitsche schon sorgen. Einschneidende Erlebnisse in Capua: er verweigert sich der Sklavin Varinia (Jean Simmons, The Thorn Birds) mit dem Ausruf “I’m not an animal!” und wird durch den Besuch des angesehenen Marcus Licinius Crassus zum Kampf auf Leben und Tod gezwungen – sein Kontrahent Draba verschont ihn, versucht die Unterjocher zu “assassinieren” und scheitert. Bis jetzt blieb Spartacus zurückhaltend, ließ viel über sich ergehen, doch als seine Liebe Varinia an Crassus verkauft werden soll, kommt es zum Aufstand: der verhasste Hauptmann wird eigenhändig in Suppe(?!) ertränkt, die Rebellen proben den Aufstand und ehe man sich versieht ist die Gladiatorenschule gefallen. Die Sklaven sehnen sich nach Freiheit; das große Problem stellt Rom da und in Rom beschließt der Senat schon, sich dem Problem anzunehmen. Jetzt wird es verwirrend. Konsul Gracchus beauftragt den verhassten Crassus damit, dass dieser Marcus Publius Glabrus (John Dall, Deadly Is The Female) losschickt und den Aufstand zerschlägt.

Nebenbei veranlasst Gracchus, dass Gaius Julius Caesar Glabrus’ Job in der Zwischenzeit übernimmt also die Kontrolle über die römische Garde erhält. Da werden schon 2 Richtungen deutlich; ein “Menschenfreund” und einer, der Diktator werden möchte.
In der Zwischenzeit walzen die Sklaven übers Land, befreien immer mehr Leidensgenossen, selbst Crassus’ “body servant” Antoninus der “Sänger” und Poet schließt sich ihnen an, Varinia erwartet ein Kind von Spartacus, dieser träumt von Freiheit und möchte nach Brundusium. 600 Schiffe sollen eine Flucht in die Freiheit ermöglichen, auf dem Weg dorthin werden Legionen besiegt, der gedemütigte Glabrus muss sich vor dem Senat verantworten, Crassus jedoch besticht die Piraten, die Schiffe stehen nicht zur Verfügung, eine Armee befindet sich in Regium und auch in Brundusium wird eine Armee unter der Führung Lucullus erwartet. Scheren-Prinzip; die einzige Möglichkeit: “Flucht nach Rom”. Zumindest denken die Herren in Weiß und Rüstung, dass dies die einzige Möglichkeit ist. Spartacus stellt sich der einkesselnden Situation und seine Armee wird vernichtend von den anderen “3 Armeen” (Crassus, Antonius und Lucullus) geschlagen. Crassus, “ganz großzügig” verspricht den Sklaven das Leben, sofern sie ihm Spartacus (es scheint schon sehr lange eine persönliche Sache zu sein) ausliefern.

Ergreifend; alle Sklaven verbünden sich (I am Spartacus!) und machen eine Identifikation – vorerst – unmöglich.
Massenkreuzigung am Rande der Via Appia für die Überlebenden, Spartacus und Antoninus sollen gegeneinander kämpfen. Bis zum Tode, der “Sieger” wird gekreuzigt. Auch wenn Antoninus Spartacus durch einen schnellen Tod “erretten” will, tötet Spartacus Antoninus, um ihm diesen langwierigen und qualvollen Tod zu ersparen.
Nebenbei versucht Crassus bei Varinia mit Baby zu landen, welche er zu sich ins Haus geholt hat. Doch mehr als lobende Worte für Spartacus und seine Ideale bekommt er nicht, da Varinia noch immer zu ihrem Geliebten hält.
Gracchus unternimmt einen letzten Schachzug (ja, Schach!); falsche Papiere für Varinia und Batiatus, Freitod um der Terrorherrschaft zu entgehen für ihn selbst. Als die beiden Rom verlassen, passieren sie das Kreuz von Spartacus; eine herzergreifende Szene wird gemacht und auch wenn Spartacus für seine Ziele sterben musste: sein Sohn wird in Freiheit leben und man wird von ihm erzählen, man wird sich an ihn erinnern.

1960 ist ja auch schon wieder eine ganz schöne Ecke weit entfernt. Keine computeranimierten und kopierten Armeen, die man mal so eben auf großen Feldern gegeneinander antreten lassen kann: alles echt!
Zwar ist nicht alles Kubrick, was man so sieht, aber wenn z.B die Maschinerie der Gladiatorenschule zu Capua gezeigt wird, könnte man dem folgenden “Full Metal Jacket” (1987) eine Inspirationsquelle nachsagen. Gebrüll, immer wieder gleiche Tagesverläufe und eine menschliche Würde, die bespuckt, getreten und ermordet wird.
“I am not an animal!” brüllt Spartacus, als er durch oberflächlichen Sex mit der Sklavin (die später seine Frau wird) stillgehalten werden soll – obendrein noch beobachtet von den in jeder Hinsicht perversen Aufsehern. Gitterstäbe und ein Auswahlverfahren wie in der Tierhandlung, als der hohe Besuch “ein wenig Unterhaltung” auf Kosten anderer Menschen Leben haben möchte. So prunkvoll und edel Rom, die Stadt sein will, so dekadent und abartig sind die selbsternannten Herrscher, Patrizier wollen ihre “noble Linie” verteidigen, Sklavenhandel ist ein Millionengeschäft und wenn das Wohl der Stadt offiziell erwähnt wird, scheinen inoffiziell eigene Beweggründe und Ziele durch, denn im Prinzip ist jeder gegen jeden, “Freundschaften” im Senat sind Kooperationsgesellschaften, um sich gegen verhasste Gegenspieler besser durchsetzen zu können, demokratische Abstimmungen unter dem Deckmantel “Für die Sicherheit vom Rom” werden selbstgemachte Gesetze kurzerhand ausgehebelt.
Soviel zu den edlen Menschen, deren Reichtum nur dazu ist, um sich in diese hohen Positionen einzukaufen, sich Sklaven zu halten und den schnöden Schein zu wahren. Auf der anderen Seite die Sklaven, pro forma Menschen, denen man das Menschsein untersagt, denen man jegliches Recht nimmt und sie sich schließlich unter der Leitung von Spartacus aufbäumen.

Ideale en mass; Freiheit, Gleichheit – mehr verlangen sie doch nicht und was schickt man ihnen entgegen? Hochgerüstete Soldaten, die sie abschlachten sollen. Wäre ja auch zu schön, wenn die anderen Sklaven (die in Rom in der Mehrheit vertreten sind) davon Wind bekämen, dann wäre das arme Italien bald ohne “qualifizierte Arbeitskräfte”.
Ideale gegen Prinzipien. Ein steiniger Weg und am Ende die Gewissheit, dass man sterben wird. Hier wird der Bogen gespannt, dass es wehtut; Sterben für einen Sklaven ist der Weg in die Freiheit, “life for a slave is pain” und dementsprechend kann man ja nur gewinnen, wenn man Sklave ist. Auf der anderen Seite, die Römer die sterben, die würden ihre “pleasures of life” einbüßen. Ist dem so? Was ist dieses Leben denn? Wohl nicht gefüllt mit sinnigen Inhalten? Völlerei, oberflächliche Liebschaften in alle Richtungen (bisexuelle Austern und Schnecken inklusive) und das, was man gerechtes Regieren nennt, ist ein Verbrechen. Besonders eindringlich wirken da Gracchus’ Worte, die sinngemäß aussagen, dass man auch mit einem Verbrecher Geschäfte macht, sofern dieser besitzt, was man benötigt.

Man merkt; auch wenn es ein “historischer” (man sagte, mit vielen Modifikationen, Verfälschungen und Abänderungen) Monumentalfilm ist; die menschlichen Abgründe sind auch hier mehr als deutlich vorhanden und am Ende kann man sich Gedanken machen, ob die menschliche Vernunft jetzt gesiegt hat oder nicht. Ist es damit getan, dass Spartacus Ideen weiterleben? Schließlich wird schon am Anfang verraten, dass erst 2000 Jahre später der Tod der Sklaverei eintreten soll. Wäre alles anders gekommen, wenn Spartacus nicht für seinen Traum gekreuzigt wäre (wie auch immer er das hätte anstellen sollen?)
So oder so, das, was wir als Vernunft bezeichnen würden, versagt. Zumindest versagt sie im ersten Anlauf, dafür ist ein Grundstein gelegt und man wird sich an diesen Menschen erinnern, der anfangs alleine war und dem sich immer mehr Mitstreiter anschlossen.

Großes Manko: Kirk Douglas und seine Mimik. Erzählt mir Geschichten aber ich fand dieses Gesicht unerträglich, mindestens so unerträglich wie manche Dialoge hinter quitschgrüner Kulisse. Laurence Olivier als Crassus überzeugt mehr; Arschloch-Rolle in jeglicher Form, überzeugend, Charles Laughton als Gracchus ebenfalls wundervoll; schon beachtlich, mit welcher schnippischen Überheblichkeit er halbwegs menschliche Züge repräsentiert und wie stilvoll er nachher von seiner Weltenbühne abtritt und den Vorhang zuzieht.
Auch keine Frage, dass die Schlachten ihre Wirkung erzielen. Rollende Feuerwalzen, schwankende Pferde und klirrendes Metall, Menschenmassen und nochmals Menschenmassen, Gebrüll und Blutdurst liegen in der Luft – am Ende ein Schlachtfeld überzogen von Leichen und das Geschrei eines Babys (welches könnte das wohl sein?).

Insofern kann man die noblen Ansichten von Spartacus schon als “erfolgreich” ansehen, “And maybe there’s no peace in this world, for us or for anyone else, I don’t know. But I do know that, as long as we live, we must remain true to ourselves.” – und ich würde mal in den Raum fragen, wer, außer ihm, blieb sich so konsequent treu in diesem Film? Tjaja, edle Herren, die Diktatoren werden wollen, andere edle Herren, die leichtfüßig ihre edlen Freunde betrügen, Korruption an allen Ecken, eine Armee, die ursprünglich mal dazu gedacht war, Rom zu verteidigen wird für alles entfremdet und irgendwie.. wer, außer den kleinen Leuten, die nichts außer ihrer Freiheit erlangen möchten, kann sich schon Mensch schimpfen?

Würde man zum Verrecken die Ideale auf die Spitze treiben, wäre eine Einblendung eines “Quo vadis, mankind?” (Würde ich wissen, was Menschheit auf Latein heißt, dann würde es da jetzt stehen. Wirklich. Ehrlich!) schon sehr passend; was hat sich heute geändert, außer dass es keine Schwerter mehr sind und man im Normalfall keine Toga und Tunika mehr trägt? Vielleicht wird die Zukunft mit 2001 ein bisschen mehr Licht in die Dunkelheit der Menschheit bringen – vielleicht auch nicht.

Spartacus – IMDB

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