Cows! I hate cows worse than coppers!
Die lassen wirklich Kühe anschießen. Und verbannen jegliches Grün aus der dargestellten Welt. Und können grob, sehr grob und sehr frei interpretiert Homers Odyssee in eine andere Zeit transportieren, ohne, dass man es ihnen verübeln könnte, denn dafür macht das Coen-Filmchen “O Brother, Where Art Thou?” viel zu viel Vergnügen, spielt viel zu viel mit dem unerwarteten Wechsel zwischen boshaft zynischer Symbolik und dem, was nicht direkt das Gegenteil aber auch nicht wirklich etwas Vergleichbares ist. Zwischen Komik und Anprangerung, irgendwo dazwischen ist ein bisschen Freiraum. Für die Geschichte von 3 flüchtigen Gefangenen, ein jeder hat seine Geschichte, eigentlich verbindet sie die Suche nach einem Schatz, aber nach einer reichlich turbulenten Irrfahrt stellt sich das vermeintlich gemeinsame Ziel als persönliche Angelegenheit heraus.
Bis die Herren Everett (George Clooney), Pete (John Turturro) und Delmar (Tim Blake Nelson) und später auch Thommy (Chris Thomas King) aber trotz aller Unannehmlichkeiten wie Verfolgungsjagden durch die leicht skrupellose Polizei, Anhänger des Ku-Klux-Klan die auch gerne mal völlig andere Wertevorstellungen im Wahlkampf durch kleine singende Mädchen vermitteln wollen, schon wieder fiese Polizisten[...] bleibt den Dreien respektive Vieren “genügend” Zeit, eine Platte aufzunehmen, um etwas Cash auf die Kralle zu erhalten. Hätte jemand geahnt, dass diese Platte ein Hit wird, die Gruppe “Soggy Bottom Boys” von allen geliebt, von Labels und Politikern gleichermaßen begehrt ist (solche Sympathieträger lassen sich ja bekanntlich sehr gut für irgendwelche Nachrichten instrumentalisieren.) und am Ende eine Art “Freispruch von allen Sünden” bedeutet?
Klingt sehr dramatisch, ist aber erstaunlich ruhig und verfällt sogar am Ende ein wenig der Trägheit. Was die Menschen an Schmutz durch ihre Dialoge und ihre hinterhältigen Dialoge so produzieren wird spielend von schönsten Landschaften aufgesogen. Schwamm drüber. Oder auch Kreuz drüber, wenn die Einsicht zur Toleranz mal nicht sofort in den hohlen Schädel möchte. Musik an jeder Ecke. Musik, die das Leben bestimmt. Keine Musik, die im Hintergrund irgendwo im Kopf Prozesse in Gang bringen soll, nur damit wir uns wohl fühlen oder Spannung verspüren. Sekundär. Total sekundär, die Musik ist Handlung pur. Ist Werkzeug, ist Geschäft, Zeitvertreib oder durch endlose Felder fahrende Propagandamaschinen-Untermauerung.
Mindestens so großartig ist das Trio. George Clooney mimt einen hervorragenden Schleimbeutel, der “Recht ohne Lizenz ausübte”, der mehr Wert auf eine gute Haarpomade und akkurat gekämmte Frisur legt – der “Odysseus” des Films. Die anderen beiden sind.. leicht bescheuert aber nett.. oder leicht bescheuert und weniger nett. Aber bescheuert. Aber irgendwie ergänzt sich das Trio so wunderbar, dass es aus fast jeder misslichen Lage entkommen kann. Auch wenn da mal hübsche Sirenen im Wasser die Kleider über ihren Köpfen auswringen, man schon wieder gefährlich nahe an den Galgen kommt oder von einem modernen Zyklopen – der fürs Christentum einspringt bzw. dieses als Geldquelle nutzt – verprügelt werden.
Das Ding funktioniert. Funktioniert wunderbar als seichte Abendunterhaltung mit leicht gefühlten Durststrecken, funktioniert bildlich sehr hübsch, funktioniert musikalisch und funktioniert in Stücken als Epos-Adaption. An dieser Stelle kann ich es mir nicht verkneifen; auf das LTB1 zu verweisen. Dort wird in einem Band die Odyssee auch nacherzählt. Stilecht mit “Windbeutel”, Schweinen und Sirenen mit E-Gitarren. Und am Ende, da kommt der böse Freier in Form von Gustav Gans natürlich wieder mit dem Glück davon, weil Odysseus alle Freier in die Luft schlägt. Als was stellt sich die hübsche Penelope heraus? Als “wahre Xanthippe” – ha. Auch hier ist diese holde Maid etwas sehr eigen und auf ihren eigenen Willen fixiert. Und wenn sie donnert, spendet die auch Regen. (Ich bin mal so frei und reiße das aus dem Kontext) In Form einer “göttlichen” Flutwelle, für die es aber natürlich auch eine wissenschaftlich logische Erklärung gibt. Muss ja vielschichtig bleiben. Und Wasser reinigt. Reinigt sauber, reinigt nicht wie Feuer, zerstört aber irgendwo auch.
O Brother, Where Art Thou? (Eine Mississippi-Odyssee) – IMDB
- Das Lustige Taschenbuch natürlich! [↩]
Für mich war der Film nettes Popcornkino.
Und der einzige, in dem ich den Kluuni Schorsch halbwegs fesch fand.
Aber die Musik!!!!
Die Musik!
Ich hab mal ein bisschen gestöbert … also das hier ist einer der Filme, die ich mir immer wieder anschauen kann