You’re all gonna die. The only question is how you check out. Do you want it on your feet? Or on your fuckin’ knees… begging? I ain’t much for begging! Nobody ever gave me nothing! So I say *fuck* that thing! Let’s fight it!
Zur Erinnerung: Teil 1 legte den Grundstein und ließ ein einzelnes, mehr oder weniger entdecktes Alien wüten und dezimierte so nach und nach eine Mannschaft, die sich sowieso nicht wirklich einig war. Teil 2 führte die Geschichte fort, die gelungene Flucht wird zur Rückkehr, um wieder dem altbekannten Alienproblem gegenüberzustehen. Diesmal mit einer unmerklich gestiegenen Anzahl – Aliens eben – hinzu kommt die Komponente eines aufzuarbeitenden Verlustkomplexes einer verzweifelten Mutter und dem Versuch einer Alienkönigin, ihre Brut zu hüten. Konflikt, Showdown, Flucht und ein tiefer Schlaf, in welchem man sich in Sicherheit wiegen sollte.
Sollte. Alien³ beginnt damit, dass auf dem Raumschiff, in dem sich Ripley, Newt, Bishop und Hicks befinden, ein Feuer ausbricht. Dank modernster Technik alles kein Problem, Sicherheitsmechanismen werden ausgelöst, die schlafenden Gestalten werden mit einer Rettungskapsel hinausbefördert und vollziehen eine Bruchlandung. Ripley überlebt als einzige den schweren Unfall und erwacht auf dem Planeten Fury 161 – eine Art Gefängnis für den Abschaum der Gesellschaft.
Die uns gut bekannte Company schickt einen Trupp los, um Ripley einzusammeln; Ripley versucht sich daran, im von Männern bewohnten und geleiteten Gefängnis Fuß zu fassen. Fuß gefasst hat auch ein kleiner Facehugger, der einen Hund als Wirt benutzt hat (das Vieh befand sich in Raumschiff und Kapsel) und schon recht bald ausgewachsen ist und damit anfängt, unter den Gefangenen für mehr als nur Unruhe zu sorgen.
Die Lage ist verzwickt, das Gefängnis kommt ohne Waffen aus und mehr als ein paar explosive Fässer, Messer und Feueräxte scheint es nicht zu geben; ein Versorgungsschiff kommt nur alle 6 Monate und auch der Rettungstrupp lässt auf sich warten. Obendrein muss Ripley erkennen, dass sie ein Alien in sich trägt – auf der einen Seite von Vorteil, da sie so unbehelligt bleibt und nur den Mundgeruch des Aliens ertragen muss, auf der anderen Seite steht das zwigespaltene Event “Geburt” an, das für das Alien Leben und für Ripley den sicheren Tod bedeutet. Die Zeit ist also mehr als knapp, die Verbündeten allesamt zwielichtige Gestalten und das Waffenarsenal zur Selbstverteidigung ist mit dürftig noch sehr nett umschrieben.
Alien³ macht es einem nicht wirklich leicht, da Fincher sich nicht wirklich auf ein Teilgebiet konzentriert und so viele Bereiche mehr schlecht als recht abdeckt. Nehmen wir doch mal die grandiosen Spannungskurven aus Teil 1, das Atmen, der Puls und das monotone Piepen des Bewegungssensors, das alles verschmolz zu einer Einheit, die man aufgrund der konsequenten Präsenz schon eher unbewusst wahrnahm – hinzu kam die Ungewissheit in jeglicher Hinsicht, Motive, genaues Aussehen und der Standort machten das einzelne Alien zu einem Schrecken ohne Namen, Gesicht und nur kurzen Auftritten, die erst im späteren Verlauf mehr und mehr weggelassen wurden. Alien³ will auch schockieren, schockiert aber eher durch bloßes Abspulen altbekannter Situationen; dass man nicht in dunkle Ecken schaut, wenn man nach seinem Hund sucht, dürfte irgendwann auch mal klar sein.
Die ganze Perspektive ist auch nicht mehr auf die engen Gänge fixiert, es ist kein Labyrinth wo hinter jeder Ecke die Gefahr lauern könnte, es sind keine Wände, die einen zu erdrücken scheinen, die schlechte Einsicht der Decke oder die mangelnde Bewegungsfreiheit; alles ist ein bisschen größer und eher zum schreienden Wegrennen – sofern man sich noch in der Lage sieht – gedacht.
Die Überlegenheit des Aliens wird übertrieben dargestellt – ein weiterer Versuch, die aussichtslose Lage zu zeichnen. Wo doch nur Feuer in Massen oder Selbstschussanlagen einigermaßen geholfen haben, was soll ein Haufen unvorbereiteter Schwerverbrecher gegen den bösartigen Jäger ausrichten? An dieser Stelle kann man David Fincher ausgiebig loben, exzellente Kamerafahrten aus der Sicht des Aliens, eine kippende Perspektive und eine Hetzjagd respektive Mensch und Alien Spiel, die von der Decke aus gesehen wird – das ist Atmosphäre pur, sieht unheimlich elegant und dennoch animalisch aus; eigentlich der Grund schlechthin, bei den Computerspielen das Alien zu spielen, weil diese Perspektive interessant ist, völlig neue Wege ermöglicht und einfach nur Spaß macht. Wobei Killerspiele ja nicht das Thema sein sollten (auch wenn auf der DVD ein Trailer zum wohl ersten Spiel der Art vorhanden war; für Playstation und Windows 95. Kein Vergleich zu heutigen Endzeit-Szenarien mit realistischer Grafik aber hey, was waren das doch damals noch für Zeiten)
Ob man die von Fincher gezeigte Umgebung mag, hängt zu stark vom Gusto ab; das bisschen, was man von der Außenwelt wahrnehmen konnte, war nicht der Rede wert und bei den Innenaufnahmen war es eine Anleihe einer poliert dreckigen Gefängnisumgebung.
Weniger zu verzeihen ist das, was zwischen den Wänden hin und her irrt, öfters mal einen Schrei entlässt und sich immer wieder neue Führungskräfte und Strategien erdenken muss: die Gattung Mensch.
Natürlich ist es Quark bei einem Film des Sci-Fi Genres von Logik, Realismus und Konsorten zu sprechen aber warum in Gottes Namen, um es gleich in die passende Richtung zu kenken, muss eine angespielte Trinität voll ausgespielt werden, eine ganze Religion, die irgendwo zwischen Christentum und anderen Anleihen schwirrt zum Hierarchie-Instrument befördert werden, das gänzlich ohne Waffengewalt auskommt und die wirklich übelsten Gestalten friedlich auf engstem Raume miteinander leben lässt? Diese Menschen haben nichts, nur ihren Glauben und das hält sie natürlich von allen bösen Dingen ab, lässt sie sowas wie notgedrungenen Respekt gegenüber dem Gefängnisleiter erfahren und.. ja.
Some sort of apocalyptic, millenarian, Christian fundamentalist, uh…
Mal wieder ist es das Eindringen von “Unbekanntem”; die Insassen haben schon lange kein weibliches Wesen mehr gesehen und bei einigen brennen gleich die Sicherungen durch. Ein anderer wiederum, dem man aufgrund seiner dunklen Vergangenheit wohl am ehesten die Schandtat anhängen würde, entscheidet sich spontan zu einer “Umerziehung” seiner Mitbrüder und rettet Ripley vor einer Vergewaltigung. Irgendwie passt es, der gänzlich unantastbaren Ripley eine schwächliche und angreifbare Seite zu verpassen, irgendwie passt es aber nicht, das in solchen Charakterentwicklungen zu verpacken.
Über alles und jedem schwebt eine Wolke der Hoffnungslosigkeit. Wohin sollen die Gefangenen schon fliehen? Würde eine Flucht überhaupt etwas bringen und wenn selbst ein degradierter Arzt sich dazu entschließt, auf einem Gefängnisplaneten, sein Dasein zu fristen; ja, was bleibt da noch an Hoffnung, wenn zu allem Überfluss ein blutrotgetränktes Alien umher flitzt?
Was der Mensch nicht in der Gemeinschaft regeln kann; fehlende Kommunikationstechnologie lässt das alte Lied der defizitären Verständigung untereinander laut auf den Tisch knallen; das muss er eben mit sich selbst ausmachen. Das wiederum gelingt gut. Mal wieder auf Basis der Mutter-Kind-Alien-Dreiecks-Konflikt-Beziehung-Mir-fallen-keine-Wörter-mehr-ein.
Quasi die Mutter in der Mutter – eine Abwägung, ob es wert ist, einen Menschen am Leben zu lassen, und damit die Gefahr auf 1000 weitere Sprösslinge einzugehen. Für Ripley keine Frage. Tot ist sie so oder so – Endzeitstimmung und Hoffnungslosigkeit und fehlender Glaube lässt grüßen – jetzt kommt es nur noch auf das “Wie” und “Wodurch” an. Kämpfen heißt die Devise, sich den inneren Dämonen stellen und die Queen im eigenen Körper zur Strecke bringen, bevor sie erfolgreich den Wirt zur Strecke bringt – Tod für Tod für Leben, die Frauenrolle kommt mal wieder zur vollen Geltung.
Warum sich der Showdown dann, gänzlich ohne ballernde Waffengewalt, so ekelig religiös mit Läuterung, Fegefeuer und spiritueller Reinigung in Verbindung bringen lässt, warum die Endsequenz an eine fast liebliche Zurückhaltung des gerade schlüpfenden Aliens erinnert.. das lässt man wohl besser unbeantwortet und schiebt es auf das fundamentale Grundgerüst, auf das Alien³ baut. Somit bleibt auch noch genügend Freiraum nach unten offen, schließlich soll es sowas wie eine Wiedergeburt geben, oder nennen wir es eben christlich, ein Leben nach dem Tod und eine Auferstehung von den Toten. Amen?
Aber man kann ja auch versuchen, Finchers Alien-Beitrag etwas separater zu betrachten; losgelöst von 2 großartigen Vorgängern, damit es nicht so vorkommt, als ob man sich bei jenen bedient und es nicht überzeugend genug umgesetzt hat. Dann wirkt die ganze Religionskiste auch nicht wie ein verzweifelter Versuch, ein neues Grundmotiv einzubauen, sondern wie eine plausible Erklärung für die wilde Hetzjagd, deren visuelle Aspekte man jedoch nimmer mehr schlecht reden kann. Viel zu groß ist jetzt das Verlangen, einen Slalom um geworfene Leuchtfeuer zu rennen und sich auf schreiende Marines zu stürzen. Natürlich nur virtuell und im Computerspiel, wer glaubt denn schon an Alien….s?
Die – vielleicht bald obligatorische – Liste an Dingen, die man von Alien³ lernt
- Don’t forget about your fans. (Schön mehrdeutig oder schön mehrdeutig?
- Nicht in die Dunkelheit gucken, die Dunkelheit guckt böse zurück.
- Wenn man schon “glaubt”, sollte man auch verrückt klingende Geschichten von Ripley glauben
- Kitty Kitty Kitty gehört zum Weltraum-Jargon dazu
- Eine Rettungskapsel muss nicht zwingend eine Rettung darstellen
- Feuer zerstört und läutert, Wasser reinigt
- Blei macht Aliens platzbereit
- Company-Mitglieder in weißen Klamotten sind engelsgleich amüsant und müssten jetzt noch als Avantgarde Matrix-Moves benutzen
- Auf Sigourney Weaver ist auch nach 3 Teilen noch immer Verlass: überzeugend und vielschichtig wie immer
- Die Alien-Reihe wird erst dann ein Ende finden, wenn alle kreativ-schöpferischen Möglichkeiten ausgereizt sind, um die Zahl anzubringen. Vorschläge?
Don’t be afraid, I’m part of the family.
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