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Alien: Resurrection (Die Wiedergeburt)

You’re programmed to be an asshole? You’re the new asshole model they’re putting out?

Wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören. Ein Ratschlag, den man vielleicht trotz Geld und anderen Gründen hätte befolgen sollen; denn wenn sich am Ende alles gegen einen kehrt, muss man es auf sehr unfeine Umstände oder ganz arges eigenes Verschulden zurückführen.
Die Einführung des einzelnen Wesens, der Sprung in die Baller-Orgie, der Abstecher in eine Perspektivenverschiebung mit pseudo-religiösem Ansatz mündet nach einem vermeintlichen Tod in der genetischen Wiedergeburt: willkommen in der Anhäufung von coolen Sprüchen und anderen Beweggründen, warum das Kunstblut literweise Stockwerke verätzt, auch unter dem Kampfnamen Alien: Resurrection bekannt.

Ein Name soll an dieser Stelle genannt werden. Jean-Pierre Jeunet. Der Mann, der 4 Jahre später für den entweder verhassten oder (zu recht) hoch gelobten “Le Fabuleux destin d’Amélie Poulain” verantwortlich war. Und eben dieser Herr Jeunet, der hat eben auch Teil 4 der Alien-Reihe versucht umzusetzen.
Der Hang, seinen Charakteren eine eigene Note zu verpassen, liegt schwer im Magen, da “Alien: Resurrection” im Kern selbst keinen passenden Platz für eine charakterliche Evaluierung bietet; am Ende sind es Figuren mit einem aufgesetztem Repertoire an flachen, mal komischen, mal richtig blöden und insgesamt nur nichtigen Reißern, die jede Raffinesse vermissen lassen. Die “problems in the mess hall” gehören da noch zu den goldigeren Vertretern; die total deplatzierten Paraphrasen über Sein und Schein, Menschlichkeit und der Sinn der eigenen Existenz lassen diesen kurzweiligen Goldmoment aber sehr schnell zu hässlichstem Silber anlaufen.

Nach dem Tod kommt nichts, sagen die einen. Nach dem Tod geht das Leben erst richtig los, sagen die anderen. Das Leben nach dem Tod, ein Thema, dass die Menschheit schon längere Zeit beschäftigt, ganze Religionen dazu bemächtigt, den Gläubigen das Geld aus der Tasche zu ziehen oder falsche Hoffnungen unter Lebenden zu streuen. Von Lebenden, deren Einblicke in ein Leben nach dem Tod natürlich so dürftig sind, wie die Grundlage jener roten Fäden des Lebens selbst. Da die Thematik “Religion und ihre ätzenden Folgen (im wahrsten Sinne des Wortes)” aber schon in Teil 3 abgehandelt wurde, musste man sich eben einen neuen Sündenbock suchen. Was könnte da näher liegen, als die gute alte Company und ihre kühle wissenschaftlichen Zielsetzungen wieder in den Fokus zu schubsen? Jetzt setzt man ja nicht nur das Leben von Menschen aufs Spiel, um irgendwelche militärischen Waffensysteme zu entwickeln; jetzt spielt man ein bisschen genetischer Gott und klont. Ripley, die sich noch mütterlich und entschlossen in heißes Blei warf, wird wiedergeboren. Von Blutresten der abgestürzten Rettungskapsel zusammengesetzt, geboren und von allen Seiten angegafft kommt die verblendete Faszination wieder hervor: “She’s perfect” – erst war die Technik vermeintlich perfekt, dann kam ein organisches Ding was eben ein bisschen perfekter wenn auch gefährlicher war und jetzt ist es der Mensch in Verbindung mit dem Organismus, der “perfekt” ist. Der thematische Trampelpfad ist damit gelegt und kann in Ruhe abgetrampelt werden; trampeln trifft es hier so gut weil.. man trampelt sich eben durch ein Konstrukt, das irgendein Witzbold Rahmenhandlung nennt.

Kaum geboren und ausgewachsen, entnimmt man Ripley auch schon ihr “Baby”, die Alienqueen, die man praktischerweise gleich mit geklont hat und auf die man ja eigentlich aus ist. Dass Ripley den operativen Eingriff überlebte.. ein positiver Nebeneffekt, vielleicht noch zu weiteren Studien zu gebrauchen aber Mensch und Menschlichkeit sind Wörter, die in der lauten Kulisse von Maschinengeräuschen überhört werden.
Komme, wie es kommen muss; die Alienqueen wird aufgezogen und brütet..und brütet..und brütet. Alles unter Aufsicht und vermeintlich sicheren Mauern, Scheiben, Wänden. Die Studienzwecke; wen überrascht es, sind unmenschlich. Learning by violent experiences, der Wissenschaftler starrt das Alien blöd guckend an wie einen Fisch im Aquarium, erschreckt sich, interpretiert das Grinsen des Aliens als gemein und drückt einen roten Knopf. Stickstoff (oder was auch immer der geneigte Chemiker benutzt) zum Abkühlen der Gemüter und um dem Tier im wissenschaftlichen Zoo zu zeigen, wer Lehrer und wer Schüler ist.
Irgendwann erreicht man schließlich den Punkt, wo die Schüler sich gegen den unmenschlichen Lehrer aufbäumen; wo andere sich gegen Regimes auf Tische stellen oder eine andere Wange hinhalten, da zerfetzen die animalischen Schüler einen der eigenen Art. Wir erinnern uns an einen Umstand, den jeder Film ein bisschen anders interpretiert. Acid for blood, wobei die Ätzstärke sehr opportunistisch erscheint. Was ein halbes Schiff durchätzt, kann im nächsten Film/Augenblick schon wieder fast wirkungslos sein; ansonsten hätte die Masse an Aliens in Aliens ja eine Menge an Säure vergossen und was so eine Menge dieser Säure.. na egal, die Logik darf bei Alien natürlich hinten stehen.

Ein Mitstreiter wird also zerfetzt, dieser ätzt den Weg durch das austretende Blut frei, die Aliens gehen auf Rachefeldzug. Wer nimmt den Kampf auf? Etwa Ripley? Ja, auch. Als Anhang ein paar.. Piraten, die wohl die Basis, wo diese Experimente durchgeführt werden, mit Zeug belieferten. Piraten.. besser noch: Weltraumpiraten. Man könnte jetzt ein Suchbild einblenden: such den Androiden aber dazu später mehr.
Ein grässlich bunt gemischter Piratenhaufen, dem es an Überzogenheit und Dummheit nicht mangelt, sich aber im “richtigen Moment” respektive Krisenmoment dazu entschließt sowas wir Zusammenhalt, Teamwork und Hierarchien zu entwickeln. Wem das noch nicht genug ist.. der könnte sich ja wundern, warum der Bordcomputer der Station “Auriga” jetzt Vater ist. Hatte Mutter keine Lust mehr auf das leidige Muttersein und hat sich zum Vater umprogrammieren lassen? Zumindest ist “Father” so trocken, dass es fast schon erfrischend ist. Knallharte Anweisungen mit einem “Thank you” unterlegt.. lässt sich trotz biometrischer Kontrolle mit einem Spray austricksen. Nur fürs Protokoll.

Ripley, ein völlig anderer “Mensch”. Mehr Alien als Mensch, mit “a little bit acid for blood”, unheimlichen körperlichen Kräften und dem Gespür für die Brüder und Schwestern. Und natürlich für die Mutter. Was in Teil 1 erfrischend, innovativ, geradezu bahnbrechend war, dass eine Frau “die Hosen anhatte”, verkam immer mehr und hat in Teil 4 seinen traurigen Höhepunkt einer zynischen Emanzen-Figur mit saloppem Geflachse, bösen Bemerkungen und völlig unglaubwürdigen “Was bin ich, was tue ich und warum gibt es mich?” Fragestellungen erreicht.
Völlig neue Möglichkeiten ergeben sich, wenn man “Alienflüsterin” ist. Man hört sie trapsen, man kann sie riechen, man erkennt “Infizierte” und man kann mit seinem Säureblut elektrische Schaltkreise manipulieren und ist sowieso moralisch und physisch unkaputtbar. Nicht so die anderen Menschen, die schreien, streiten aber eigentlich nicht viel sind, außer schreiende..streitende und ab und an schießende, danebenschießende, sterbende Begleitung. Quasi Füllmaterial, damit sich Ripley nicht so alleine fühlt, schließlich musste die Enge einer geräumigen Weite, langen Fluren und großen “Mess”-Hallen weichen. Dass man noch immer in dunkle Löcher gucken muss, die nicht wirklich einladend wirken, bleibt auch in Teil 4 ein Rätsel.. Neugier wird eben bestraft.

Bestraft wird auch das Auge. In jeglicher Hinsicht. Aufblitzendes Licht (sehr kopfschmerzfördernd und ich würde behaupten, vor dem Film war ich nicht so erkältet), grelle Flammen, quitschgelbes Alienblut das wie aus einem Klingelton-Küken gepresst wirkt und ein Stil, der nicht Jeunets zu sein scheint. Vielleicht ist es auch nicht sein Genre; denn neben Fräulein Poulain konnte auch sein Werk “Un long dimanche de fiançailles” zumindest überwiegend visuell mit interessanten Einfällen entzücken. Wenn ich an diesen Film denke, denke ich an einen Leuchtturm, Licht und eine Scherbe.

Fast hätte ich das hier in die Welt posaunt ohne das “FABELHAFTE ENDE” zu erwähnen. Sagen wir mal so. Queen-Mum ruft, Ripley spurt und man bekommt von einem verwebtem Menschen gesagt, dass die Queen jetzt menschlich(er) geworden ist und damit..na? Ja, perfekt geworden ist. Keine blöden Eier mehr, die man zertreten, anzünden und in die Luft sprengen kann; jetzt ist die Geburt menschlich und schwups, da plumpst das 1. Alien “der neuen Generation” heraus – als Komplementär haben wir dann wohl den Androiden der 2. Generation, der sehr selten ist, fühlt, sich um Menschen sorgt und.. sehr sehr emotional handelt. Kein Wort gegen Winona Ryder dennnnnnn: Beetlejuice & Edward Scissorhands und auch A Scanner Darkly seien erwähnt. Was folgt? Das perfektere Alien entledigt sich der armen Mutter, fühlt sich mehr zu Ripley hingezogen, verfolgt sie und wird schließlich von ihr durch einen “hand blood made” Mixer ins Weltall gejagt.

Alien 4 - Zusammenkunft von Mutter und Kind

Dabei darf nicht vergessen werden: eine emotionale Bindung schießt man nicht einfach so weg; da ist sowas wie ein zum 10000. aufgebrühter Mutter-Kind-Komplex verflochten, der mit Newt und Konsorten irgendwie.. ansprechender und weniger unangebracht erschien. Ein traurig guckendes Alien, das schmerzverzerrt Stück für Stück zerrissen wird und als zermixtes Wirrwarr im Weltall rumschwirrt? Na Danke, ich fühlte mich leicht an “Will It Blend?” erinnert und fühle mich positiv bestärkt, noch genügend Luft nach unten hin offen gelassen zu haben. Aber um nicht völlig drauf rumzutrampeln: Jeunet kann es einfach, Licht, Horizont und Landschaft zu verbinden. Das kann er und wollen wir mal hoffen, dass diese kurze aber schön dargestellte Welt kein weiteres Mal von einem 5. Teil diesen Schlags heimgesucht wird.
Denn was, außer der Erkenntnis Ripleys, das sie “des Monsters Mutter ist”, könnte jetzt noch ergiebig genug sein?

Ein paar Dinge, die man aus Alien: Resurrection mit dem Mixer extrahieren, mitnehmen und oder lernen könnte

  1. Sei kein Arschloch, wenn du ein Mensch bist, denn du wirst gehasst und unnötig früh sterben.
  2. Auch ohne Katzen, Hunde und andere Tiere wirst du Probleme bekommen
  3. SCHAU NIE WIEDER IN DUNKLE ECKEN, ABGRÜNDE UND ANDERE DINGE, VERDAMMT NOCHMAL!
  4. Atme öfter ein und aus und sprich 3. noch ein paar Mal, bis du es internalisiert hast.
  5. Mit schlüpfendem Alien in der Brust, so keine Kugel die auf dich eindonnert, wird dir bewusst – schöner Reim?
  6. Wenn man mal nicht das Auge einer Autoritätsperson zur Hand hat.. Spray tut es auch.
  7. Father ist so uneinsichtig wie Mother und viel zu rigide. Defizitäre Computer-Familie, die Modellreihe sollte man abschaffen.
  8. Egal wie weit entwickelt die Menschheit auch sein mag; die Raumschiffe sind und bleiben hässlich unspektakulär.
  9. Großkotzige Grobmotoriker haben anscheinend immer den Hang, sich am Ende als “nice guy mit harter Schale” herauszustellen.
  10. Ripleys wilde Frisur ist 100%ig eine Allegorie auf ihr wildes, ungestümes Auftreten. Der Name “Alienflüsterin” wird für mich offiziell.
  11. Kleiner Riss, zerfetzende Wirkung. Leute, beachtet kleinste Risse an euren Autoscheiben und behebt sie. Denkt an die lieben Aliens, an das Feuer und an eine etwaige Erdlandung!
  12. Philo-Nachschmiss: Wer sich selbst fremd ist, wird auch auf Erden ein Fremder bleiben. Amen.

Alien: Resurrection (Die Wiedergeburt) – IMDB

Immerhin…mal als Anhängsel

Kamera: Darius Khondji (Sieben, “My Blueberry Nights”)
Musik: passables Streichergefetze das sich leicht übernimmt von John Frizzell (Teaching Mrs. Tingle)

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