
Was bei der Löffel-Liste zwei Männer waren, ist bei Griffin & Phoenix Mann (Griffin) und Frau (Phoenix), ansonsten ist die Ausgangslage die selbe.
Griffin ist geschieden, hat 2 Söhne, kriegt eine Diagnose von über 80 Metastasen im Brustkorb und maximal 2 Jahre zu leben – wenigstens wird der Parkschein abgestempelt. Für ihn heißt das, sich mit dem Thema Tod und Sterben auseinanderzusetzen, was für ein Ort wäre da besser geeignet als eine Vorlesung in der Uni?
In dieser Vorlesung kommt er durch Zufall mit der dort sitzenden Phoenix ins Gespräch, anfangs noch einen Witz über punische Kriege reißend, ergreift Griffin – der ja eh nichts mehr zum Verlieren hat und von daher dreist sein kann – die Initiative und lädt sie zum Essen ein.
Es folgt ein Essen, weitere Verabredungen, ganz verrückte Tätigkeiten wie z.B das kostenlose Besuchen eines Kinos durch den Hintereingang. Keiner verrät dem anderen vorerst, was für ein Schicksal sie beide früher oder später ereilen wird, bis Phoenix thematisch eindeutige Bücher zum Thema findet und heulend vor Wut und Enttäuschung versucht wegzurennen, wobei Griffin jetzt erst erfährt, dass sie ebenfalls Krebs hat – nun rückt auch er mit der Wahrheit raus und die Beziehung wird intimer und intimer[...]

So, und wer jetzt noch Lobhudeleien lesen möchte, der schaue besser woanders vorbei, denn ich kann mich beim besten Willen nicht in die schier endlose Reihe von Lobgesängen einreihen, die anscheinend jeden Film, der 2 sterbenskranke Menschen zeigt, die ihr Leben voll auskosten wollen, als “dramatisches Meisterwerk” und “verkanntes Juwel” betiteln. Und nicht jeder Film, der das Thema Krebs darstellt, muss auf empathischer Ebene herzergreifend und einfühlsam sein, denn was hier an Darstellerleistung dargeboten wird deckt sich mit der komischen Art, dass sich die beiden Protagonisten überwiegend mit “Griffin” und “Phoenix” ansprechen, denn genauso distanziert wie ihr anfängliches Verhältnis ist auch das Verhältnis von den verkörperten Personen zum Schauspieler und von dort wiederum zum Zuschauer. Will heißen, dass sich Dermot Mulroney als Griffin mehr darauf konzentriert im Serientakt irgendwelche pseudo-sarkastische Bemerkungen loszuwerden – fehlt nur noch die Überblendung zur Werbung und wir hätten eine richtig schlechte Serie. Die eigentlich talentierte Amanda Peet (Identität) kann mit viel gutem Willen am Anfang überzeugen, nur wenn die Ausraster und Zweifler dazu kommen, verliert die ganze Person ihre Integrität und Glaubwürdigkeit.
Damit nicht genug, man konzentriert sich nicht völlig auf die beiden “Ausreißer”, einseitig und nicht genügend wird immer wieder Griffins Familie eingespielt; auch für eine ungeschickte Einführung des neuen Partners der Ex ist man sich nicht zu schade und ein bisschen “Vater versucht vor seinem Lebensende noch ein bisschen die Söhne kennen zu lernen” muss dann auch noch mit rein. Von Phoenix lernen wir die Mutter kurz und indirekt übers Telefon kennen, eine “Arbeitskollegin” und Freundin und.. ihren Schreibtisch.
Immerhin, Griffin & Phoenix ist nicht unverschämt wie es andere “hochgelobte, herzergreifende Streifen” sind, doch das reicht noch lange nicht aus, um ein “Juwel” zu werden. Zu aufgesetzt, viel zu lieblos verkörpert und am Ende den wohl unnötigsten Kitsch des Jahres 2006 auffahrend, inklusive hoch mysteriösem Ende, das sich auch nicht so wirklich entscheiden kann, ob es pro oder anti Taschentuch-Stimmung sein soll. Aber nein, das habe ich ja nie so gesagt und natürlich muss jeder Film mit dieser Thematik und so tollen Darstellern als gefühlvoll und meisterlich abgetan werden. Ich freue mich im Vorfeld auf Hasstiraden und böse Unterstellungen und Beleidigungen, was für ein gefühlskalter Mensch ich doch bin. Nicht zu vergessen die Geschmacklosigkeit.

Nein, von mir gibt es keine Hasstiraden :devil:
Ich hab den Film zufällig im Flugzeug gesehen, weil ich die beiden Hauptdarsteller mag und das der einzige Film war, der mir einigermaßen zusagte. Aber hättest du mich gefragt, ob ich den gesehen habe, hätte ich wohl ohne eine ausführliche Beschreibung entschieden verneint… Insofern stimme ich dir im Groben zu.
Puuuuh, ich dachte schon du wolltest jetzt ausholen, wie sehr du im Flugzeug geweint hast und wie schön das doch war, als selbst der herzlose Millionär sich erbarmte und den überforderten Eltern die Geldscheine zuwarf bevor an Weihnachten.. lassen wir das (das könnte glatt ein neuer Stoff für eine weitere Modifikation von “A Christmas Carol” werden :gruebel:
)