The Wolf: That’s thirty minutes away. I’ll be there in ten.
Pulp Fiction übersetzt man mit Schundliteratur. In gewisser Weise setzt uns Tarantino mit Pulp Fiction auch Schund vor; amoralisch handelnde Antihelden, an denen man seine Lebensplanung nicht ausrichten sollte – das alles in einer Welt agierend, die zwar mit der moralischen Realität verbunden ist und dennoch nicht beeinflussbar wirkt und sehr eigenständig die Personen an ihre Grenzen stoßen lässt. Was dagegen kein Schund ist: Die Art und Weise, wie uns das Drehbuch durch diese Geschichte(n) führt, wie die musikalische Untermalung einfach nur stimmig ist und Vergnügen bereitet, wie die Lachmuskeln mit jeder Blödelei Tarantinos aufs Neue animiert werden, ihren Dienst zu verrichten, wie die Kameraeinstellungen und dargebotenen Bilder vor – pardon me – Coolness nur so explodieren.
Um nicht zu sagen: Ich bereue es zum einen, diesen Film nicht schon viel eher geguckt zu haben. Ich bereue es aber nicht, gewartet zu haben, bis eine verhältnismäßig große Leinwand mit schönstem Raumklang zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Die Geschichte rund um die beiden Auftragskiller Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Damals war die Samuel L. Jacksonische Welt noch in Ordnung), die ja eigentlich eine mittelschwere Epiphanie in Form einer göttlichen Intervention durchgemacht haben, dann doch aber wieder von einem Gaunerpärchen (Pumpkin & Honey Bunny) daran gehindert werden, wo zur gleichen Zeit der Boxer Butch Coolidge (Bruce Willis) den Boss der beiden Auftragskiller übers Ohr haut, sich mit diesem ein.. sehr skurriles Duell mit noch skurrilerem Ausgang liefert – nicht zu vergessen, dass Vincent Vega auf die neue Frau von Boss Marsellus Wallace (Ving Rhames) „aufpassen“ soll und so von Dame Mia (Uma Thurman) in lustige als auch pikante Situationen geführt wird.
What to tell? Dieser Film ist Filmgeschichte und wird in 4000 Jahren noch so cool wie ein Eisberg sein. Wer schon den damals absteigenden Ast Travolta wieder auf Hochglanz polierte und es schafft, dass mich Samuel L. Jackson NICHT nervt, der hat schon was auf dem Kasten. Dialoge zum Schießen (das darf man jetzt auch mal wörtlich nehmen), Nebencharaktere, die wiederum perfekt besetzt sind und eine gebührende Kameraeinstellung spendiert bekommen. Harvey Keitel als Problembeseitiger Winston Wolf. Ahh, dieser Schauspieler, dieses Auto, dieser Auftritt, dieser Gentleman, diese leicht arschig-nett diktierende Einstellung seine Arbeit zu machen.. DIESE KOMBINATION!
Auch die Kombination der Handlungsstränge (Da werden goldenen Uhren, die jahrelang im Hintern getragen wurden mit einem Twist-Contest, einer Adrenalinspritze und fatalen Gängen aufs stille Örtchen verbunden, dass es eine wahre Freude ist) kann sich sehen lassen; heute dürfte man zwar nicht mehr sooooo vom Hocker gerissen sein, wenn ein Plot nicht linear sondern verschachtelt erzählt wird aber hey, Pulp Fiction war Avantgarde, war Vorbild und vermutlich auch Opfer von Trittbrettfahrern. Soll es so sein wie es ist, die feinen Einblicke in den Alltag von Gangstern, die wird man nicht vergessen. Sowenig wie man den Koffer vergessen wird oder den Twist von Mia und Vincent zu You Never Can Tell von Chuck Berry.
Da kann man noch so viel schreiben und den tarantinoiden Stil mit Intentionen vollpumpen; am Ende bleibt Pulp Fiction ein auf ewig funktionierender Film. Nicht mehr und nicht weniger, aber das ist mehr als genug.
Say what again. SAY WHAT AGAIN. I dare you, I double dare you, motherfucker. Say what one more goddamn time.
Sooo, hab am WE endlich auch mal dieses Wunderwerk gesehen und ganz bewusst alle Plotangaben und sonstigen Berichte über den Film nicht gelesen (inkl. diesem hier
).
Und ich muss sagen, dat is schon ne coole Sau! Am Anfang war ich ein bisschen genervt, aber als sich so langsam rausstellte, dass die verschiedenen Geschichten miteinander achronologisch verknüpft wurden, da begann es Spaß zu machen. Auf die Dauer nervte auch das ewige Gefucke, aber es ließ zwischendurch ja mal nach.
Besonders spannend ist auch der Trivia-Track. Allerdings sollte man den auf keinen Fall während dem Essen gucken – das geht gar nicht!