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La Haine (HASS)

La Haine

C’est l’histoire d’un type qui tombe

1995, die wahre Begebenheit, die La Haine aufgreift ist gekennzeichnet von Missverständnissen, Misstrauen, Vorurteilen und Ungerechtigkeit. Ein Gefangener in Handschellen wird von den Leuten tödlich verletzt, die in der Öffentlichkeit für Ruhe und Sicherheit sorgen sollen – ein Aufschrei geht durch Frankreich, Menschen gehen auf die Straße und suchen keineswegs den friedlichen Weg, ihre Wut und Verzweiflung auszudrücken.
2005, Frankreichs Landkarte offenbart viele rote Punkte. Rot, weil Autos und Müllcontainer dort in Flammen stehen, jüdische Einrichtungen abbrannten und wieder eine große Zahl von Menschen auf die Straße ging – das war das Ereignis rund um die 3 Jugendlichen, die von der Polizei sprichwörtlich zu Tode gehetzt worden sind und wo 2 ihr Leben durch Stromstöße verloren.
Der Typ, der vom 50. Stock springt, so erzählt uns La Haine, beruhigt sich immer wieder mit den Worten “Bis hierhin lief es noch ganz gut.. bis hierhin lief es noch ganz gut” – selbiges dachte man sich ’95 sicher auch, wer hätte da schon gedacht, dass La Haine eine so erschreckende Übereinstimmung mit Ereignissen besitzt, die 10 Jahre später passieren werden?

Der freie Fall ist dabei gar nicht das, worauf man so viel Wert legen sollte, es kommt auf die Landung an. Die erste Landung endet mit einer Explosion, ein Molotowcocktail fällt langsam auf die Erde zu, während die Geschichte erzählt wird.
Eine Uhrzeit wird eingeblendet, ohne viel Schnickschnack, weiße Zahlen auf schwarzem Hintergrund – diese Zeit muss etwas bedeuten, entweder will man uns einen ganzen Tag zeigen und das filmisch verdeutlichen oder aber die Uhr tickt für irgendwen und irgendwas und dazu noch in Abständen die man nicht vorhersehen kann, die keinem Muster folgen und die Unberechenbarkeit der Situation, in der sich die drei Freunde Vinz, Hubert und Saïd befinden, widerspiegeln.
Saïd ist Araber, Vinz ist Jude und Huberts Hautfarbe ist Schwarz, die 3 kommen mehr oder weniger gut miteinander aus, werfen sich gerne mal unüberlegte Schimpfwörter an den Kopf. Zu dem Zeitpunkt, wo La Haine beginnt, hält diese 3 Jugendliche eine Sache zusammen; ihr Freund, oder nur ein Junge aus ihrem Viertel, Abdel, wurde bei einer vermeintlichen Routinekontrolle lebensgefährlich verletzt und liegt jetzt im Koma. Das wiederum führtzu erheblichen Spannungen zwischen den Ordnungshütern und den Bewohnern des Viertels, ein “typisches” Banlieue, ein Vorort, wo gescheiterte Existenzen vor dem Scherbenhaufen ihrer zerbrochenen Identität stehen und ihrem Ärger Luft machen und dabei fleißig die Gewaltspirale antreiben, in der sich die Hilflosen dieser Viertel auch wiederfinden müssen, weil sie keine andere Wahl, keine Alternative und weil sich beide Seiten nicht einig werden auch keine erleichternde Perspektive vor sich haben.

Der Tagesablauf ist – vom Medium Film aus betrachtet – fast schon unspektakulär. Die 3 streunen durch die Gegend, beobachten immer wieder die Nachrichten, die über den Zustand Abdels berichten, treffen an jeder Ecke alte Bekannte, eine Polizeikontrolle, eine Kuh(!) oder ein Fernsehteam, das sich nicht mal traut, auf Tuchfühlung zu gehen und beim Anheben der Stimmen – getroffen von einem geworfenem Stein – schnell das Weite sucht.
Verwahrlosung wohin das Auge reicht, somit ergibt sich auch die bittere logische Konsequenz, dass La Haine uns triste Bilder in s/w präsentiert, doch immer wieder einen dezenten Versuch startet, die allzu deprimierende Grundstimmung durch Blödeleien und eine Spur von Zynismus aufzulockern. Anspielungen wohin das Auge reicht, eine Welt, die voller Idole, Helden, Comicfiguren und Filmanspielungen nur so strotzt, wenn Kater Carlo auf einmal ein Schwarzer ist, der Eiffelturm versucht wird, mit einem Knipsen auszuschalten und dieser Effekt augenzwinkernd “doch nur im Film klappt”, wenn Vince vor dem Spiegel sein Alter-Ego anpöbelt und dabei mehr als überdeutlich Travis Bickle (You talkin’ to me?) aus Taxi Driver nachahmt. Nicht zu vergessen die heuchlerische Botschaft, “euch gehört die Welt” – Le Monde est à Vous tönt es von großen Plakaten herunter – eine kleine Anspielung an Scarface inklusive – und lacht dabei doch so laut über die Menschen, die aufgrund ihres Migrationshintergrund, ihrer unzureichenden Bildung kein Stück vom Kuchen abbekommen und sich stattdessen noch selbst die Köpfe einschlagen.

Alles ein bisschen Doku, alles ein bisschen realistisch, um dann wieder an den richtigen Stellen über das Leben hinaus zu gehen, um ein bisschen filmische Reflexion zu betreiben – was La Haine so erträglich wirken lässt ist dieses völlige Fehlen von Zeigefingern, das überwiegende Fehlen von politischen Gründen, die mit enormen Kraftaufwand in so eine Handlung gedrückt werden müssten, nur damit im Nachhinein wieder das gute alte Klischee der französisch-konstruierten Filme ohne Seele bedient würde.
Was La Haine zeigt ist Hass, Hass der von allen Seiten kommt, und sei es etwas arg pauschal ausgedrückt, dass jeder Polizist, der mit derlei Krisen zu kämpfen hat, gleich zum fluchenden, prügelnden, missbrauchenden und ermordenden Drecksschwein wird.

Der Hass sitzt in den Menschen und wird von den Menschen auf immer höhere Ebenen geschaukelt, vom Dach aus lassen sich die Anhänger Le Penns noch bespucken und beschimpfen, ist man dann nur noch ein Duo und begegnet diesen Anhängern ist man ihnen erstmal solange ausgeliefert, bis die nächste Ebene erreicht ist – ein Polizist hat am Anfang eine Waffe verloren, diese Waffe wird z.B hier zum Einsatz kommen und noch ganz andere Rollen übernehmen. Solange es eben gut geht. Und bis hierhin ging es ja ganz gut, nur wie weit es gehen wird kann niemand sagen – eine schaurig bizarre Mischung, wenn die Ikone Frankreichs Edith Piaf mit ihren berühmten Zeilen “Non, je ne regret rien” (Nein, ich bereue nichts) vermixt mit Hip Hop Klängen durch die Höfe der Banlieus schallt und die Kamera diese Stimmung versucht einzufangen. Eine der vielen Szenen, die La Haine so sehenswert, so zeitlos und wertvoll machen – in Zeiten, wo endlose Diskussionen über kalkulierte Musikvideos entfacht werden – “Stress” von Justice. Ist das jetzt schon Kunst? Eine interessante Frage, wenn schon Bilder, die man nicht als solche erkennt, als Kunst betrachtet werden – die Vernissage ist dann – abschließend gesagt – noch so ein arges Beispiel. Im Prinzip offen für alle, offene Türen, und dennoch scheitert es am Ende an den Menschen und ihren Differenzen. Wie schon so oft.

PS: Ein unschlagbarer Preis für eine feine Version bei Amazon. Bei dem Film kann man nur wiederholend brüllen: zugreifen. Wenn nur ein Lehrer oder eine Lehrerin diesen Film in den Unterricht aufnimmt.. dann.. denkt euch den Rest.

Who’s the asshole? In school we learned that hate breeds hate!

La Haine (HASS) – IMDB

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Abgelegt in Achtung Unterhaltung, Verspohlisierend.

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Eine Reaktion

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  1. Mohammad sagte

    Jetzt wo sich das gleiche Spiel in der globalen Gesellschaft abspielt, bekommt mann die Logik des Spiels und ihre schon fast mathematische Feste in einem anderen Kontext zu sehen.

    Wenn diese Logik es ist, der den Regisseur nach über 10 jahren wieder bejubeln lässt, und seine (Wenn auch sehr düstere) Vision wahr werden lässt, so trägt der Film nicht umsonst den Namen eines menschlichen Grundemotionen:

    “Hass” !

    Farbe: Schweiz-Weiß, Sprache: Binär (0,1), Prinzip: ICH gegen DU.

    Und was ist die Geschichte des Hasses? Es ist die Geschichte eines Mannes der vom Hochhaus fällt …

    Von Anfang an tickt für ihn die Uhr, aber es läuft alles gut… stockwerk für stockwerk, etage für etage, phase für phase, steigt die gefahr. die Situation spannt sich an, letztendlich ist es aber kein geringerer als der Zufall, der den Faden reißt. und dann kommt der versprochene Moment: die Landung !
    Egal wie lange der Weg gedauert hat, und wie oft du zu dir sagst: So weit so gut… der entscheidende Moment ist die Landung.

    Der Film ist die Darstellung dreier Akteure auf dieser Route, wobei eine Sache, zumindest für den “Zuschauer” schon von vornerein ganz klar ist: nichts wird gut!

    Zwei Parteien spielen sich phasenweise auf zum letzten Moment, Schwarz-weiß, und immer nach dem Motto: soweit so gut. Es ist aber der Zufall, der den entscheidenen Zug macht, obwohl sie es waren die mitgespielt haben. Nun stehen sie da, Hilflos, so wie sie es im ganzen Film waren. Alles ist im Schock erstarrt. So weit so gut…
    Mann denkt schon fast die Schauspieler wüssten auch nicht WAS jetzt kommt, eins ist aber klar: Es ist die Landung. Die Landung auf den Boden der Tatsachen einer schwarzweißen Welt, der in einer binären Sprache nur Zwei kennt: ICH und DU. Die Welt in der nur eins Regiert: Hass!

    *******

    Ist es diese Welt nicht bekannt? sind die Figuren nicht repräsentative? So scheinen sie Zumindest zu sein. Und sowohl die Logik der Abläufe, als auch die_Anfangsszene des Filmes bringen die neuzeitliche Weltgeschichte in einem düsteren Zusammenhang, oder sagen wir: “spiegeln” es ab. Ab in einer kleineren Welt, wo nun nicht mehr die Länder die Akteure sind, sondern die Individuen, oder Höchstens die Gruppen, und wo es nicht bei … uhr anfängt sondern beim 11. Sept. 2001.

    Das Spiel ist aber dass gleiche, Einer gegen Andere, die sich aufspielen bis zu dem Punkt, wo der Zufall den letzten Moment der Landung übernimmt.

    Dachbegriff, für die Usachen und Handlungen und resultate sind aber das gleiche: Hass.

    … aber, so weit so gut !!



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