There’s something more to this place. Our cells don’t work. Neither does the T.V. or radio. We’re isolated.
Man nehme eine große Packung Vorbild Blair Witch Project, öffne diese Packung und nehme von den bunten Kugeln, die zum Vorschein kommen, nur jene heraus, die wild gestikulierend nach einem schnappen und die kleinen Zähnchen in menschliches Fleisch hauen möchten, um ihre Tröpfcheninfektion fortzutragen.
Weil man diese bunten Kugeln, deren Ursache noch nicht so wirklich geklärt ist, natürlich nicht frei herumlaufen lassen kann, braucht man einen Ort, wo diese sich austoben können. Ein mehrstöckiges Mietshaus in Barcelona oder Umgebung scheint da gerade richtig zu sein. Was jetzt noch fehlt sind die weniger bunten Kugeln, die grauen Kugeln ohne Charakter, die aber nicht minder laut schreien können, immer vor den bunten Kugeln wegrennen und sich irgendwie der vertrackten Situation bewusst werden, dass sie allesamt in diesem Haus unter Quarantäne stehen.
Das ist [Rec], ganz innovativ in Form einer Dokumentation gehalten. “Während Sie schlafen…” heißt die Sendung, die von Moderatorin und Schrei-Heul-Suse Angela Vidal (Manuela Velasco, nett anzusehen aber in der bildlichen Sprache würde sie über eine knallbunte und unnütze Plastikfolie der besagten Packung nicht hinausgehen) und Kameramann Pablo das Leben der Lebens- und Katzenretter, der Brandlöscher und Aus-Gebäuden-Befreier festhält. Feuerwehrmänner in Barcelona. Wie sie essen, schlafen, Späßchen machen und die flippige Angela in ihre Berufskleidung stecken und diese das zum Schießen komisch findet.
Der Alarm unterbricht das freudige Basketballspiel, die Mannschaft steht bereit und wartet nur auf den medialen Anhang. Man erreicht das Haus, wo die Bewohner schon aufgewühlt unten auf Hilfe warten. Der Freund und Helfer, die Polizei ist auch schon da und erstmal wird natürlich [Rec] in seinem Urgestein bemängelt: Kamera aus, man kann das doch nicht filmen. Natürlich lassen sich Angela und Pablo nicht so leicht abschrecken, schließlich haben sie eine Genehmigung und überhaupt, wer weiß was dieser bis jetzt doch recht öde Abend noch alles bringen wird?
Geschwind die Treppe nach oben, die Tür einer Wohnung geöffnet, wo man ungeheure Schreie vernahm. Kontakt mit einer blutverschmierten Frau, die recht verwirrt und desorientiert in ihrer Wohnung steht. Es stellt sich heraus, dass diese blutverschmierte Frau zu den bunten, um sich beißenden Kugeln gehört, der Halsbereich des Polizisten darf als 1. Bekanntschaft damit machen. “Halt drauf Pablo, das wollen die Leute sehen!” schreit Angela, ein bisschen zwischen Gaffertum und hilfloser Beobachterin schwankend – ja, in der Tat, [Rec] bietet das, was man sehen möchte: verzweifelte Menschen auf einem Haufen, kein Entkommen weil irgendeine übergeordnete Einrichtung das allgemeinere Allgemeinwohl im Auge hat und das Haus verbarrikadiert. Kein Entkommen, Stress pur für die Menschen unterschiedlichster Herkunft, die sich wohl auch meistens nicht wirklich leiden können und bei jeder Kleinigkeit anfauchen – obendrein diese Verrückte da oben und huch, irgendwas ist in diesem Haus und irgendwie werden es immer weniger Menschen.
Schema F bis zum Ende, dabei noch ordentlich an anderen Werken orientiert, will sagen einfallslos geklaut und ein bisschen auf neu getrimmt – dass [Rec] visuell nicht punkten kann ist von vornherein klar, denn die eigens aufgestellten Grenzen verbieten ja jegliches künstlerische Handwerk, schließlich sehen wir durch Pablos technisches Auge, das er nur selten zur Seite legt – warum er es nie zur Seite legt wäre natürlich die Frage, immerhin könnte man ja helfen. Wäre aber nicht von Vorteil für die Grundidee des Films, somit sind es wieder die Leute die zugucken, ganz laut schreien und dann doch lieber das Heil in der Flucht suchen, während die Mitmenschen angefallen werden.
Durststrecken ohne Ende, die viel zu selten durch – ich gestehe – funktionierenden Schock-Momenten der offensichtlichsten Art aufgelöst werden; wenn da hinten eine Frau bewegungslos steht, das Licht leicht schummerig ist und man weiß, dass diese Frau gerade einen Polizisten aus der Nähe gebissen hat, was wird diese Frau dann wohl tun, wenn man eine Waffe auf sie hält, das ganze vom Kameramann in einer eng wirkenden Perspektive festgehalten wird? Ich erwähne es besser nicht, könnte ja sein, dass ich irgendwem diese GRANDIOSE SZENE VERSAUE.
Achja. Schema F nicht vergessen. Schema F ist natürlich auch das Weglegen der Kamera (eine neue Perspektive, oha!), das Verwackeln zu jeder Zeit an jedem Ort oder die völlig neue, gar bahnbrechende Perspektive “Fieses Gesicht guckt direkt in die Kamera” à la Alien. Die Leute rennen hoch und runter, natürlich immer mit der Kamera, damit wir, die lieben Zuschauer auch immer ein bisschen was zu sehen bekommen. Immer wieder eine kleine Attacke, aus der hinteren Ecke hier und dort, dieses mulmige Gefühl, dass die bösen Leute da draußen einen nicht rauslassen wollen und die Ankunft eines ABC-Spezialisten, der dem Kreislauf des Bösen (Ausrufezeichen) auch nicht so recht entfliehen kann. Ein kleines Kind mit einer Angina, ein Hund der zum Tierarzt musste aber nie auftaucht und eine kreischende Moderatorin.
Zugegen, an diesen einigen Stellen kann [Rec] erschrecken. Klein und gemein sehen manche Gesichter schon aus, doch irgendwie.. fehlt zwischen diesem plötzlichen Auftauchen der rennenden Zombies ein bisschen viel an Erklärung, ein bisschen was an Drama und ein bisschen was an.. Spannung. Somit behält sich [Rec] vor, Genreklischee nach Genreklischee abzuarbeiten, bloß keinen neuen Einfall der mit Verlaub sowas von ausgelutschten “Wir drehen einen Film und schauen, was Gruseliges passiert” Idee hinzufügt oder mit anderen Dingen, die wohltuend erfrischend gewesen wären, aufwartet.
Kein Wunder also, dass diese geöffnete Packung eine wahre Mogelpackung ist, die am Ende noch mal kurz einen aufploppenden Schreck produziert und dann wohl endgültig an Geschmack und Einfall verliert, oder kam nur mir das Ende von der Idee her so bekannt vor und.. also bitte, wer am Anfang gänzlich auf Erklärungen und Background verzichtet.. der muss es doch nicht am Ende ganz gezwungen und gepresst in einem Raum mit ganz gruseligen Wänden versuchen zu erklären, denn.. oh Überraschung dieser Erde, dieser Versuch ging sowas von nach hinten los, dass ich schon nicht mehr wusste, ob das ungewollt lustig oder einfach nur der Gipfel des.. Berges Gähn von Schnarchnasien sein sollte.
Klein und frech auch der völlig deplatzierte Song im Abspann – ein bisschen “stand the silence”1 wäre dann doch passender gewesen.
Warum diese total unangebrachte Bild-Geschichte mit der Packung? Naja.. gebt mir eine bessere Überleitung zu einem unzufriedenem Mogelpackung-Ausruf. Da das bis jetzt noch nicht geschehen ist.. MOGELPACKUNG!
[Rec] – IMDB
- Von Enjoy the Silence kann ja sowas von keine Rede sein, schließlich sind wir nach dieser geöffneten Packung zerrissen, aufgewühlt und zweifeln alles und jeden an , ODER ETWA NICHT?! [↩]
Hm, wenn du den Film dermaßen beschissen findest, MUSS ich den ja fast schon sehen.
Du bist wie mein Bruder. Mit dem Unterschied, dass der wiederum mehr der Action-Freund ist
Geh ruhig rein und amüsier dich wie im Kleefeld, ist eine ganz sichere Sache :hehe:
Ich fand den Film überragend
Hab mich sehr oft erschreckt und sonst…keine Ahnung, mir ists ziemlich egal ob die Kamera schon in Blairwitch oder Cloverfield vorgekommen ist, der Film kann damit immernoch viel rüberbringen =)
Wie wirst du dann erst das US-Remake Quarantine bewerten?
Ich hab mich schon gefreut, dass aus dir die Ironie spricht und dann DAS!
Das US-Remake (Was! Zur! Hölle!?) werde ich mit verachtender Ignoranz strafen, was soll das schon rausreißen? Außer vielleicht dass idealisierte Feuerwehrmänner sich zur Wehr setzen oder dass das Militär mit Panzer und Co das Häuschen ein bisschen auseinander nimmt.. Gott im Himmel, nicht auszudenken :hehe: