A deer has to be taken with one shot. I try to tell people that but they don’t listen.
Es beginnt mit einer ausgelassenen Hochzeit auf russisch-orthodoxe Art. Eigentlich beginnt es mit dem ersehnten Feierabend, mit ein paar Witzen und den Vorbereitungen, die auch den geselligen Alkoholkonsum beinhalten. Im Mittelpunkt Michael Vronsky (Robert De Niro von damals, Heat, Raging Bull, Taxi Driver und und und), Nikanor oder auch Nick(i/y) Chevotarevich (Christopher Walken) sowie Steven Pushkov (John Savage, Hair) – die 3 Stahlarbeiter haben sich für Vietnam entschieden, aus Liebe zu ihrer Heimat. Doch bevor es sie nach Vietnam verschlagen wird.. Hochzeit: Steven wird mit Angela (Rutanya Alda) den heiligen Bund der Ehe eingehen, trotz Einwände der verzweifelten Mutter (“…strange girl..leaving for vietnam..”). Nunja. Hochzeit, Alkohol, ein Ritual jagt das nächste, nicht minder schnell jagt ein Glas das nächste und die Stimmung tobt von wild und beflügelt hin zu hemmungslos und kopflos.
Am nächsten Tag ein weiteres Ritual; eine Hirschjagd in den Bergen. 1 Schuss, so predigt Michael vergeblich, alles andere, also auch 2 Schüsse, ist was für Muschis. Und siehe da, trotz Streitereien und anderer Komplikationen gelingt es Michael, einen Hirsch mit einem Schuss zu erlegen.
Szenenwechsel, Rollen- und Ortswechsel in einem: Flammenwerfer, im Boden versteckte Zivilisten, die kaltblütig mit einer in ihr Versteck geworfenen Granate getötet werden, einschlagende Bomben. Der Mann, der eben noch Jäger, somit auch Herr der Lage, war befindet sich mit seinen Begleitern in Gefangenschaft der FNL und ist gezwungenermaßen dem russischen Roulette ausgesetzt. Keine Zeitangaben, keine Information, wie lange die Soldaten sich schon dort befinden, der Fokus liegt auf dem Spiel, auf dem sinnlosen Spiel, das so oder so Menschenleben kosten wird.
Es gelingt schließlich – nicht ohne Opfer – die Flucht und eine Heimkehr für Michael, der körperlich recht unversehrt erscheint. Doch Wunden haben sie alle davon getragen, Michael ist nicht mehr in der Lage, sein einst so geordnetes Leben zu führen, die Nähe zu seinen Freunden, zu den Menschen, die er mochte und liebte ist eher eine Qual, kleine Witze und Macken von damals bringen ihn zur Weißglut, reißt doch die Paranoia immer eine Waffe mit sich zu tragen von Stan (John Cazale) alte Wunden auf und bringt ihn dazu, ihn mit der unangenehmen Situation, so eine Waffe auf seiner Haut zu spüren, bekannt zu machen.
Steven hat es hingegen körperlich schwer erwischt, die Beine mussten amputiert werden, er fristet sein Dasein im Krankenhaus und Rollstuhl, nicht gewillt nach Hause zurückzukehren. Seine einst glückliche Ehe ist dahin, seine Frau psychisch stark angeschlagen, obendrein schwanger durch Nick, der Geld für das Kind, das mit einer Spielzeugwaffe auf Michael zielt, schickt.
Nicht zu vergessen Nick. Michael begibt sich auf die Suche nach ihm, reist 12.000 Meilen, um ihn, den Rand des Wahnsinns schon lange überschritten, vorzufinden, wie er sich weiterhin dem russischen Roulette aussetzt und anderen Menschen es so ermöglicht, auf den möglichen Ausgang dieser abartigen Praktik zu wetten. Man kann es sich denken, wie der Versuch enden wird, Nick zu retten, war es doch Michael, der ihm damals eindringlich über die Wichtigkeit des einen Schusses hingewiesen hat. Was am Ende bleibt sind zerstörte Existenzen, tote Menschen die zu Grabe getragen werden und kaputte Beziehungen, die sich so schnell nicht mehr erholen werden. Eine kleine Einsicht, die dem Jäger einen bitteren Respekt vor jeglichem Leben eingeflößt hat und ihn die Waffe vom Ziel abkommen lässt.
Nur eine kleine Einsicht, die durch die Beerdigung und eine bittere Versammlung am Tisch überdeckt wird. Die Trauernden stimmen langsam “God Bless America” an, eine morbide Mischung aus gequälter Hoffnung, aus verlorener Hoffnung und dem innigen Wunsch, dass ihre Leben wieder lebbar, ihre Seelen wiederbelebbar und der Frieden in jeglicher Hinsicht wiederkehrend ist, damit keiner, egal ob Zivilist in Amerika oder sonstwo unter den Folgen des grässlichen Krieges leiden muss.
The Deer Hunter. Eine Jagd mit bitterer Katharsis, mit einem grausamen Licht auf den noch grausameren Krieg werfend, ohne diesen visuell in den Mittelpunkt zu stellen- nur in den Mittelteil, als Katastrophe und Wendepunkt seinesgleichen. Man könnte The Deer Hunter auch vorwerfen, dass er zu lang geraten ist, dass er zu viel Zeit mit Hochzeit und anderen Dingen vertrödelt, den Krieg auf ein so anscheinend nie praktiziertes “Spiel” reduziert und was es da nicht noch alles gäbe. Aber man kann ihn auch anders sehen, nämlich als filmische Auseinandersetzung mit den Folgen des Krieges, mit der sinnlosen Brutalität und der brutalen Sinnlosigkeit – allen voran die Metapher eines noch viel sinnloseren Spiels, das fern von Gefühlen und Ratio auf niedersten Ebenen fungiert und mit den wenigen Erscheinungen den Großteil der schönen und ausgelassenen Momente (The Deer Hunter hat zuweilen auch lustige Momente) zunichte macht.
In der Relation kann man sich vorstellen, wie viele Jahre eines Menschenlebens durch einen langanhaltenden Krieg geschädigt, irreversibel der Tristesse und Desintegration übergeben werden, wenn nicht gar das gesamte Leben eines Menschen. Und genau davon handelt diese Geschichte eines Jägers, der zum Gejagten wurde, eigentlich noch immer ist, denn auch wenn er am Ende etwas einsah, sich mehr oder weniger gesund ebenso mehr oder weniger wieder ins Leben einfand, so wird er doch ein Gejagter seiner inneren Dämonen und grausamen Erinnerungen werden – 3 Stunden Erbarmungslosigkeit, verpackt in 3 imaginäre Abschnitte, umgarnt von vortrefflichen Musiktiteln und, fast schon kein Anlass mehr, sie überhaupt zu erwähnen, eine vortrefflich improvisierende Meryl Streep in der Rolle der Linda. Denn auch ihr Charakter ist, wie fast jeder im Film, von Kommunikationsverfall, von Hilflosigkeit, Distanz und allen schleichenden Einflüssen der Kriegserfahrungen gezeichnet, zumindest aber betroffen.
Groß, laut, fröhlich und schnell ging alles los, laut, grausam und nicht minder schnell befand man sich hinter feindlichen Linien, langsam, leise und umgreifend niederschlagend endet es.
The Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen) – IMDB
Stan: How does it feel to be shot?
Michael: Don’t hurt. That’s what you wanna know. And how it’s been, doing OK.


Hört sich super spannend an!
Am 6. läuft der auf ARD, da kann ich ihn endlich mal mit “moderneren” Möglichkeiten aufzeichnen und das Uralte VHS-Tape in Rente schicken… XD
Danach müsste nur noch irgendwann Jacknife laufen, am besten auch auf einem Kanal ohne Werbeunterbrechung.