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A L’Interieur (Inside)

Oh mein Gott das ist ja abartig

Das da oben ist ein Zitat. Das sagt einer der Polizisten, als er eine blutverschmierte Hand, durch eine Schere festgenagelt an der Wand erblickt. Und eigentlich ist diese Aussage repräsentativ für den Gesamteindruck, den man von A L’Interieur erhält. Aber von vorne.
Alles beginnt mit einem Autounfall. Erst aus der Sicht eines Fötus im Leib seiner Mutter, durch eine Erschütterung das Gesicht verziehend und das Fruchtwasser mit Blut anreichernd. Im nächsten Moment werden uns die 2 Insassen des einen Wagens vorgeführt – beide blutüberströmt und in einem schrecklichen Zustand. Der Mann als Beifahrer hat nicht überlebt, die Frau, hochschwanger kommt langsam zu sich. Die Frau heißt Sarah und ist Fotografin, neben ihr sitzt ihr jetzt toter Freund Matthieu. Die Zeit vergeht, doch der Schmerz sitzt tief und will nicht vergehen, die letzte Untersuchung vor der Geburt, an Weihnachten um Punkt 7 Uhr soll Sarah ihr Kind zur Welt bringen. Entgegen der Meinung ihrer Mutter verbringt sie die Nacht allein zu Haus, um am nächsten Morgen von ihrem Chef Jean-Pierre (François-Régis Marchasson) abgeholt zu werden.

Doch die Nacht soll ein wenig anders werden. Es fängt mit Erinnerungen an den Verstorbenen an, geht weiter mit einem Albtraum und mündet schließlich in der Realität, wo der Albtraum erst gerade so richtig in Fahrt kommt, eine durch den Türspion nicht erkennbare Frau steht vor ihrer Tür und bittet um Einlass wegen einer Autopanne und einem leeren Handyakku. Die Ausrede, dass ihr Mann schläft und morgen früh raus muss kommentiert diese mit der Berichtigung, dass ihr Mann doch schon tot sei. Schock. Wer ist diese Frau, woher kennt sie den Namen und die Lebensgeschichte? Die Polizei wird gerufen, am Fenster wird die Frau dann gleich nochmal gesichtet, mit einer Profi-Canon Kamera abgelichtet (und trotzdem wurden die Fotos nix? Trotz megaklobigem Blitz und eine Canon der Profi-Reihe? Pffff, ISO-Werte, junge Dame..). Die Dame fordert noch immer Einlass, schlägt ein bisschen aufs Fenster, zündet sich eine Kippe an und ist natürlich beim Eintreffen der Polizei nicht aufzufinden.
Und so geht das Spielchen eine Runde weiter.. bis Sarah (Alysson Paradis) und die Unbekannte (Béatrice Dalle) sich gegenüberstehen. Und was danach kommt ist so stupide, dass man es wirklich nicht im Detail offenbaren möchte.

Inside - Badezimmer

Inside - Badezimmer

Da werden Scheren in Hände und schwangere Bäuche gejagt, Spiegel zertrümmert, Leute getreten, geschlagen und mit allen möglichen Dingen erstochen, angestochen und angeschossen, dass das Blut literweise strömt. Keine Untertreibung an dieser Stelle, A L’Interieur könnte so viel Blut verschwendet haben wie ein mittelmäßiger Zombiefilm. Dabei soll wohl noch sowas wie ein Gefühl des Terrors erzeugt werden, schließlich widerfährt dies alles einer schwangeren Frau, jede Erschütterung wird nicht nur von ihr, sondern auch vom Baby wahrgenommen (ab und an wird “A L’Interieur” ein verzogenes Gesicht im Mutterleib gezeigt).
Und so.. geht es weiter. Und weiter und weiter. Ohne eine Wendung, die überraschen würde, ohne einen Einfall, der das alles rechtfertigen (wie auch immer..wie auch immer) und retten würde. Ein stupides schwarze Katze weiße Maus Spielchen, das wohl sein Publikum für so blöde hält, dass man für die Boshaftigkeit der Unbekannten komplett schwarze Kleidung wählte. Und natürlich die Farbe Weiß für die tragische Unschuld, die aber immer mehr Blut an ihren Händen (wenn es nur die Hände wären) zu haben scheint. Schwarz und Weiß bekriegen sich also aufs Gröbste im Haus der Fotografin, lassen viel Blut fließen und.. wer hätte es gedacht, die Dame in Schwarz will das Baby, da sie ihr eigenes Baby bei jenem Autounfall verloren hat. Und das ist kein Spoiler, das war nicht anders zu erwarten und lässt es trotzdem nicht minder zweifelhaft erscheinen, dass diese Frau jetzt über viele Leichen, egal ob mit der geliebten Schere, einer Pistole oder einer Stricknadel, geht.

Es mag für den Splatter-Freund gemacht sein, nur ob der sich mit diesem strunzdummen Verlauf zufriedengeben wird, darf angezweifelt werden. Wieso sind Polizisten in der Überzahl eigentlich immer so unkoordiniert, begehen Fehler und sind einer einzigen Frau unterlegen, warum verhunzt eine vermutlich gute Fotografin mit einer Canon.. 5D? inklusive Blitz ein Bild so, dass es quasi Schwarz ist, warum muss jeder Anflug von Atmosphäre durch brachialste Gewalt kaputtgemacht werden und aus welchem Jahrhundert waren die untermauernden “Soundeffekte”? Fragen über Fragen, auf die man sich selbst eine Antwort erdichten darf, denn À l’intérieur war eben zu sehr damit beschäftigt, sich an seiner Aufschneiderei (im wahrsten Sinne des Wortes mal wieder..) zu ergötzen. Schund. Darf vergessen werden, genauso wie man die abgrundtief schlechte Darstellung aller Beteiligten vergessen möchte. Bedrücken sollte es am Anfang sein, klaustrophobe Anspannung und ein Gefühl des ausgeliefert sein im Verlauf und am Ende.. ja.. was auch immer am Ende, es war eh Fehlanzeige, Fehlanzeige und nochmals Fehlanzeige.
Da mag es nur eine grausame Kette an Zufällen darstellen, dass man über Beatrice Dalle den Bogen zum Film Le Temps du Loup (Wolfzeit) und über jenen zu Michael Haneke spannen kann. Dann doch lieber Wolfzeit anschauen. Oder, wenn es schon französisch und brutal sein muss, dann Haute Tension, denn der weiß Atmosphäre aufzubauen, ohne sich als abartiges Vehikel für ach so tabu-überschreitende Einlagen zu geben und ist.. trotzdem ekelig genug.

A L’Interieur (Inside) – IMDB

PS: Eine Frage und eine Zusatzinformation. “Kidding” nennt man das also.

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4 Reaktionen

Es gilt die Netiquette.

  1. André sagte

    Inside ist der beste Film den ich in letzter zeit gesehen habe…. Ich verstehe nicht wieso er hier so verrissen werden muss -.-

  2. Uwe sagte

    Weil der Autor andere Sachen besser findet und in seinen Augen mehr dazu gehört, als irgendeine Messlatte höher zu setzen – so sind die Geschmäcker eben.
    Aber wenn dir Inside schon gefiel, dann kann ich dir ruhigen Gewissens noch die anderen Filme der französischen Schiene empfehlen, das letzte war m.E “Martyrs”

Ping- und Trackbacks zum Thema

  1. Uwe » Frontière(s) linked to this post on Sa, 23. August 2008

    [...] Gedärmen und Konsorten, schaut sich aber im Vergleich zur stupiden Babyjagd und Rachemetztelei A L’Interieur (Inside) recht harmlos. Aaaaaber, ich muss ein aber einräumen. Der Film hat sowas wie Atmosphäre, [...]

  2. Martyrs - Uwe linked to this post on Do, 9. April 2009

    [...] Frühling. Was es da nicht alles gab; das hirnlose und nicht weiter interessante Rumgeschnippel À l’intérieur, das atmosphärische Frontière(s), das fiese aber einmalige Ils.. nicht zu vergessen Haute [...]



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