Élise: [in French] You’re all alone here? What do you do all day?
Pierre: [in French] Watch other people live. Wonder who they are, where they go? They become hereoes in my little stories.
Frankreichs Hauptstadt ist eine große Stadt, die Stadt der Liebe und Mode und ein Ort, wo das multikulturelle Leben tobt, wütet und ab und an auch harmoniert. “Paris” aka “So ist Paris” ist – mal wieder – eine filmische Betrachtung dieser Metropole, mal wieder werden verschiedene Schicksale betrachtet und in den großen Kontext Paris gestellt – wobei sich hier die Menschen auch zufällig, unscheinbar oder auch direkt begegnen, in “Paris, je t’aime” waren es abgeschlossene Kurzgeschichten, die für sich standen. Eine Bäckerin mit sehr eigenen Vorstellungen von Arbeitsmoral, welche sie an der Herkunft ihrer Azubis festmacht, ein illegaler Einwanderer, der seinen Job als Bademeister verliert und jetzt hofft, nach Paris zu gelangen, eine Sozialarbeiterin, die nebenbei noch Schwester und Mutter und Single ist und sich um ihren herzkranken Bruder kümmern muss, dem nur eine Transplantation helfen kann. Chancen: 50 zu 50, nach seiner Meinung eher realistische 40. Obst- und Fischverkäufer beim Trinken, Flirten und Zerbrechen, ein Geschichtsprofessor, der sich in eine junge Studentin verguckt und nebenbei eine Reportage über.. – 100 Punkte – Paris kommentiert. Menschen, wie sie der Alltag schreibt. Mehr oder weniger, allzu oft lächelt man über die gutmütigen Charaktere, die doch ein wenig zu tief im Sumpf der Klischees versunken scheinen, an einigen Stellen mag man dem ungezwungenen Humor etwas abgewinnen und die gekonnte Fotografie tut ihr Übriges bei diesem Motiv.
Chaos auf allen Ebenen, da werden Gespräche mit Psychologen geführt, Väter zu Grabe getragen, Tränen vergossen, die Kloschüssel geknuddelt, dem eigenen Bruder Vorwürfe gemacht, dass er zu normal und richtig sei und dabei den Blick fürs Wesentliche verliere, eine Flasche Bier auf einen Cocktail an Betablockern und mehr getrunken und wild rumgeknutscht. Ein kleiner Rundumschlag, eine angeschnittene Hetzjagd durch Paris. Wobei es da ein Problem gibt: alles nur brav angeschnitten und träumerisch angedeutet, obendrein wird der Charme von Paris alles andere als in den Mittelpunkt gestellt. Es könnte jede Stadt sein, wo individuelle Persönlichkeiten zusammenleben. Es könnte jeder Tag, jede Woche und jedes Jahr sein – nicht wirklich etwas Besonderes also. Und das ist Paris? Nein, niemals. So leicht, normal und angenehm Juliette Binoche und Romain Duris den Film auch streckenweise schultern – Paris ist mehr als es dieses Puzzle, das weder richtig gut, noch richtig schlecht ist, zeigt. Viel eher ist Paris noch all das, was “Paris” nicht zeigt.
Fazit: 130 Minuten, die mehr von diesem leichtfüßigen Humor sehr gut vertragen hätten, ansonsten ist die “Paris ist toll”-Mentalität langsam aber sicher in den Köpfen angekommen und es muss Platz für neue Städte und andere Mentalitäten geschaffen werden, so schön Paris auch sein mag. Immerhin, da wo es Klischees hagelt, da vermag Cédric Klapisch manchmal ein bisschen mit der lieben Ironie zu spielen. Nur ein wenig, wenn “le psy” dann doch über seinen Patienten lachen muss, wenn die Studentin sich doch auf den alten Professor einlässt oder sich zwei zerstrittene Personen in den Armen liegen. “So ist Paris”, sagt Pierre, der herzkranke Mann im Film. Das möchte man ihm glauben, wenn auch nur zu 50%, die diesmal realistische 50% sind und bleiben.

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