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Eine Geschichte. Nicht vom Stroh, warum es da liegt und wieso der Typ eine Maske trägt aber immerhin von einer Maske

Geschlagene 8 Jahre ertrage ich diesen Anblick jetzt schon und heute habe ich beschlossen, dass es gut ist. Es ist gut, ich ertrage den Anblick nicht mehr, möchte lieber weiße Tapete sehen und werde dieses selbstgebastelte Stück der Erinnerungen umweltgerecht entsorgen. Oder in Flammen aufgehen lassen und dabei die alte Musikgruppe der Gruppenarbeiten ums Feuer tanzen lassen, das wäre stilecht und sicher in ihrem Sinne. Zu ihr, dieser Maske und ihr, der Person, die diese Anfertigung gezwungenermaßen veranlasste jetzt mehr.

Der Schauplatz: ein Gymnasium in der schönen Stadt Moers, auch unter dem Namen GGM bekannt. Im Jahre 1999 wieder ein neuer Schwarm an Sprösslingen, die von der Grundschule auf diese Schulform wechselten. Der erste Schultag, aber nur kurz zusammengefasst und umrissen, war natürlich das Highlight schlechthin, die Pausenhalle war gemütlich mit Sportmatten in Blau ausgelegt, der stellvertretende Schulleiter klimperte mit der Gitarre umher, sang Lieder vom “Gummi Gummi Gummibär, haste keinen willste einen Gummibär” und von einem tropfendem Wasserhahn, der aber nie repariert wurde. An mehr muss man sich nicht erinnern. Vielleicht noch an den Klassenlehrer von damals, der damals und schließlich auch in der Endspurtphase mein Mathelehrer war. Niemals vergessen: das Kennenlernen auf Mathematikerart. Wir werfen einen Ball umher. Er hat natürlich bedacht, dass der Ball erstmal von A nach B und C wandert, weil die sich kennen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann mal F keine bekannte Person mehr hatte, um ihr den Ball zu zuwerfen.. naja, so wurden wir also vorgestellt. Eine runde Sache, will man meinen.
Kommen wir jetzt aber zu IHR! Ihr, Frau *Pieeeep*, im Folgenden Musiklehrerin, Frau S., oder mit anderen Kunstworten bedacht, genannt. Hoch oben fand dieser Unterricht der Künste, der Musikunterricht statt.
Wir konnten uns alle keinen Reim darauf machen, als wir unsere Lehrernamen vorgesetzt bekamen. Zu Hause stellten sich dann – für damalige Verhältnisse – leise Zweifel ein, denn mein Bruder, immerhin 4 Jahre Vorsprung, lächelte leicht fies bei dem Namen der Frau S. und wünschte mir “ganz viel Vergnügen, da muss wohl jeder mindestens 1x durch”. Klasse, gleich am Anfang die sogenannte Arschkarte ziehen – so habe ich das natürlich damals nie ausgedrückt, nie gedacht, man stellte sich einfach nur einen riesengroßen Menschen dar, der mit lauter Stimme über das kleine Ego trampelt.

Der erste Tag bei Frau S. – bis ganz nach oben, nach der Treppe eine Rechtskurve, damals ein langer Tunnel, der 2 Türen zur Seite und eine Tür zum “Instrumentenraum” beinhaltete. Die Türen waren groß und schwer sowie aus verunstaltetem Holz, der Tunnel nur dazu gedacht, dass sich die Schüler der Klassen zu beiden Seiten an die Wände stellten. Wie Perlen an einer Kette, wie zwei Reihen von Kälbern zur Schlachtbank. Gong. Schulbeginn. Wo blieb die Lehrerin? Man wurde lauter und lauter, unruhiger, noch ein Stück lauter. Auf einmal schoss die letzte Tür auf und eine kleine Frau mit rötlichen Haaren steckte ihren Kopf heraus und funkelte alle mit spitzen Lippen an. “Also.. jetzt mal Ruhe hier und herein, husch husch”, so oder ähnlich waren die eiskalten und zugleich steinharten Worte.
Der erste Eindruck: der Schülerschreck der Schule war klein, besaß eine Brille, eine fast schon besessene Vorliebe für schweren Körperschmuck wie einen stilechten – wir reden ja schließlich vom Fach Musik – Gong um den Hals, daneben eine türkisfarbene Kette mit Perlen so groß wie Schülerfäustchen der 5. Klasse und daneben wiederum ein nicht gerade leicht aussehender Elefant aus.. IST DAS ELFENBEIN?
Der Musikraum von damals, der war noch mit einer wegziehbaren Trennwand versehen, dahinter war: oh, noch ein Musikraum. Unbequeme Stühle der musikalischen Art mit einem “Tablett” zum Schreiben – beengend, einschnürend und zum fluchtartigen Verlassen des Klassenraums gänzlich ungeeignet, wollte man nicht einen Tumult veranstalten. Der Raum war zweigeteilt, zwei große Gruppen von diesen Stühlen. Eine Bühne, zu der man “emporsteigen” konnte, dahinter die typischen Tafeln mit Notenlinien, ein paar Fotos von den üblichen Verdächtigen Beethoven und Konsorten. Bilder von einem kompletten Orchester. Eine Klaviatur an der Wand. Ein großer Zeigestock. Zur rechten Seite der Bühne eine Art Lehrerpult, wo SIE dann in ihrer ganzen Größe stand. Die erste Reihe sollte es werden, bis heute weiß ich nicht, ob das ein Fehler oder die beste Entscheidung meines Lebens war. Zum einen war jedem klar: diese Person sah jeden in jeder Reihe. Aber ob sie jeden hörte, das wird später eine versuchte Antwort finden.
Man nahm Platz. Man war – gespannt als Neuling an dieser Schule und voller positiver Erwartungen – still und wartet auf Worte. Worte, die uns erleuchten, erfreuen, lehren sollten. Aber diese Eingangsrede war etwas, was uns prägen sollte. Von der Wortgewalt her würde ich heute eher sagen, dass man uns wie Münzen stanzen wollte.
“Jaaaaaa also was ihr unter Musik versteht, das kann man ja keine Musik nennen, das ist doch alles nur dem menschenverachtendem Regime dienlich und ist ein erschaffenes Monster” – WAU, die Frau hatte Charisma aber was machte sie da gerade runter? Den Eurodance? Die ordinäre Popmusik? Die Charts, die Programme VIVA, VIVA II und MTV? Ja, genau daran richtete sie sich. Alles verachtenswert, alles keine Musik, kann man sich alles nicht anhören. Was die Alternativen waren? Nun, die üblichen Verdächtigen natürlich. In der Abizeitung hätte es eine Southpark-Figur von ihr geben sollen mit einem T-Shirt “Back rocks” – es hätte gepasst, sowas von gepasst.
Mindestens 5, vielleicht auch 10 Minuten wetterte sie von dort oben auf uns herab. Popmusik. Musik wie wir sie hören hat seit den Beatles aufgehört. Die Musik von heute hat keinen Aufbau, keine Aussage, keine Seele und man kann sie nicht analysieren, die frauenverachtenden Texte von heute wären eine Schande, jeder mündige Bürger sollte auf die Straße gehen, um sich gegen diese Musikindustrie zu wehren(Anmerkung: !!!!) – was für eine Konsequenz könnt ihr euch vorstellen? Vor Angst und Schrecken erstarrte Kinder, die für den Rest ihres Lebens nie wieder eine CD von Madonna oder Bands nach den Beatles anrühren würden? Nein. Die Konsequenz war: ein paar arme Tröpfe fingen lauthals an zu lachen und sich auf diesen Stühlen der Marke Rückenbrecher und Willenbieger zu verbiegen. Ein Fehler. Und wie mir gerade auffällt: ich glaube ich habe einen faktischen Fehler und ich könnte das hier alles löschen. Ich glaube, Frau S. kam erst später. Aber.. der Musiklehrer namens Herr E. – haha, ich müsste mich zwingen, ihn Lehrer, den Unterricht Musikunterricht zu nennen und die Notengebung gerecht zu schimpfen – um es kurz zu machen: Lehrer wie er waren vielleicht dafür gut, entspannt rum zu sitzen, nichts zu lernen und trotzdem Noten im 1-2er Bereich und maximal 3er Bereich abzustauben aber von Lerneffekt keine Spur. Er wurde hier auch schon öfters erwähnt aber.. naja, Leute wie er sind am Bildungsverfall Schuld und wenn ich mir vorstelle, ich hätte sowas als Lehrer für meine Lieblingsfächer gehabt..oder für andere “wichtige Fächer”. es wäre der direkte Untergang gewesen, so wie diese Typus Lehrer der Untergang für Deutschland sind. Aber.. andere Geschichte. Gehen wir jetzt also einfach mal davon aus, dass es mit Frau S. losging, denn MusikUNTERRICHT, wie man ihn nie vergessen wird, der ging wirklich mit Frau S. los – ändert ja nichts an der Geschichte an sich.

… Wo war ich denn jetzt? Achja. Da fingen wirklich welche an zu lachen. LACHEN bei Frau S. war gleichzusetzen mit aus dem Fenster dieses Raumes zu springen, sich vom dort stehenden Klavier überrollen lassen oder dem Mädchen mit dem Fußballtick sagen, dass sie blöd sei – es war alles faktischer Selbstmord. Nehmen wir die Stimme von gerade, diese stechenden Worte und diese bitterbösen Ansichten über uns, “unsere Generation” und alles, was wir so mochten – alles noch eine Stufe lauter und gemeiner. “Da haben wir es ja schon, diese anti-intellektuelle Einstellung die von diesen Tonleitervergwaltigern propagiert wird, sie trägt Früchte, FRÜCHTE!” – “So eine Unverschääääääämheit, muss ich mich in meeeeeeinem Unterrriiiiiicht auuuslachen lassen? MUSS ICH DAS? NEIN LIEBE LEUTE, ICH WERDE DIESEN UNTERRICHT DURCHZIEHEN, ICH WERDE EUCH MUSIK ZEIGEN und weeeeeer hier nicht mitzieht.. DER WIRD GNADENLOS AUFGESCHRIEBEN – da kenne ich ja nichts und wenn am Elternsprechtag eure Eltern dann hier aufkreuzen und euch aus der Misere ziehen wollen.. NIIIIIICHT mit mir liebe Leute, ich werde JEEEEGLICHE Leistung protokollieren, vieeel zu oft haben Schüler mich ausgenutzt und hinter meinem Rücken[...]. Ähäm. Ja. Was merken wir uns daraus? Frau S. schreibt fleißig Schülerleistungen auf, lässt sich nicht bestechen, mag nur klassische Musik und hält alles andere für den diaboli in musica und ansonsten könnte man noch meinen, dass sie auf einer fernen Insel ein Utopia aufbaut, wo alle auf großen Geigenkästen umherreiten und glücklich sind.

Erwähnte ich, dass… erste Reihe…ich? Das war zum einen ein Fehler, weil der Abstand von ihren Augen zu meinen Augen zu gering war. Wenn sie einen so anstierte, vom Pult herüber.. man hatte einfach nur Angst. Angst, dass sie gleich wieder loswettert, Angst, dass sie gleich nach vorne überkippt und man den sicheren Erstickungstod finden würde.. Angst, das sie gleich mit dem Schmuck werfen könnte. Angst eben. Die erste Stunde war eine von den gefürchteten Theoriestunden. Als erstes wurde jeder mit Namen aufgerufen und man wurde quasi verhört. Karriere-Status: will heißen, man war Musiker (das war gut, sogar sehr gut) oder man war kein Musiker, das war schlecht, verdammt schlecht. Meine Wenigkeit konnte mal Blockflöte, konnte mal Keyboard und war des Notenlesens irgendwann mal mächtig. Ich antwortete also mal wahrheitsgemäß “Naja, habe… und..naja” – ihr Blick wollte schon in Verachtung übergehen, da wiederholte sie den Namen mit einem Fragezeichen. “Anlahr?” “Der große Bruder ist ebenfalls an dieser Schule, nicht?” “Ja, ist er” – Verschmitztes Lächeln. Oh Gott. Was hat er nur für einen Eindruck hinterlassen und wie werde ich drunter leiden? Da kein Donnerwetter folgte, konnte es nur ein guter oder belangloser Eindruck gewesen sein. Achja. Traumatisches Erlebnis: sie nuschelte etwas über mein Geburtsdatum und Sternzeichen. Irgendwas mit “Wassermann im Haus..” – und sie lächelte mehr und mehr. Ich wünschte mir die bösen Gesichtsausdrücke zurück, denn dieses Lächeln konnte nicht das Paradies verheißen. Und nein, das sollte es auch wirklich nicht.
Mein wirklicher Fehler war im weiteren Verlauf, in einer dieser Theoriestunden. Mit.. unbeholfenen Worten für damalige Verhältnisse habe ich das Prinzip des Echos erklärt weil wohl irgendwie keiner drauf kam. So mit Schallwellen und zurückkommen und so, nech? Stille im Raum. “Jaaaa, also Uwe, das war ja ganz außerordentlich, jetzt weiß ich ja, wen ich für die schweren Fragen aufsparen muss” – wieder dieses Lächeln. Mein innerer Wortlaut dürfte sowas wie “AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!” gewesen sein. Zu viel profiliert. Ein ganz großes Stück zu viel profiliert, denn was jetzt Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und JAHR FÜR JAHR(!) folgen sollte war die ganz besondere Bindung zwischen Frau S. und ihrem – so taufte man mich – Goldkind Uwe.
Es lief immer so ab. Wenn Frau S. dubiose Fragen über chromatische Tonleitern stellte, sich niemand meldete, war es aus Angst vor Fehlern oder aus purer Faulheit, dann wartete sie. Sie wartete aber nie lange und schon gar nicht geduldig, jede nicht beantwortete Frage schien schlimmer als tausend Beleidigungen und so verging fast keine Stunde ohne wetternden Vortrag, die zwar immer die gleichen Botschaften wie “Klassik=toll, Pop=Scheiße” beinhalteten aber immer wieder neue, zeitgenössische Beispiele beinhalteten und.. eine nicht erreichbare Wortvielfalt darboten. Was dann folgte war purer Zwang. Sie pickte gewöhnlich nach dem Schema “Nichtmusiker-Musiker” oder “Nichtmusiker-Uwe” oder “Uwe” oder.. “Uwe-Nichtmusiker-Musiker” “Uwe-Musiker” – merkt ihr was? Richtig, ich hatte sowas wie die vergoldete Arschkarte, die am Sanktnimmerleinstag ablaufen würde, gezogen.
Folgender Satz ging in die Analen der Klasse 5a-13 Abijahrgang 08, zumindest beim alten Kern ein: “Uwe, wenn du dich jetzt nicht sofort meldest.. DANN SCHREIBE ICH DIR EINE FÜNF AN!” – Ist das nicht..herrlich? Sie redete von zeitgenössischen Künstlern, von Notenabständen, Theorie, Takt und keine Ahnung was alles und ich armer Tropf sollte seit diesem Echo-Tag immer eine Antwort parat haben. Das war natürlich nicht immer möglich und so.. zog ich regelmäßig Sätze wie den obigen auf mich. Daraus ergab sich folgende Problematik: wie soll man sich verhalten, wenn man so angedonnert wird? Wegschauen? Eine gute Möglichkeit. Hinschauen? Schlecht, man würde nur lachen. An dieser Stelle war die erste Reihe ein Glücksgriff: eine Zeichnung eines anarchisch anmutenden Sternes und Sätze wie “Frau S. ist doof” (bösere Wörter bitte jetzt hier denken) waren dort eingeritzt und es war eine wunderbare Ablenkung, während man gerade verbal zur Hölle geprügelt wurde, diese Linien mit dem Auge zu verfolgen.
Nun war es ja so, dass Frau S. sehr strikt mit den Noten war. Okay, nicht wirklich, denn diese ollen Musiker waren ja per se 2 Noten besser, Nichtmusiker eine 2 zu geben.. das wäre wohl gegen den internen Codex gewesen und so weiter. Jede Stunde bekam man zu hören: “Noch nichts gesagt.. wie soll ich da eine Vier eintragen? Also..nein Leute, so geht das ja gaaaaar nicht, zu meiner Zeit[...]” – ein bisschen pfiffig war ich ja damals. Wenn man schon keine Notenabstände und Blablub beherrschte, wie sie es wollte, dann konnte man sich immerhin noch durch eine Sache sehr gezielt und gut retten. Endloses Schwafeln, Loben dieser Musik und natürlich… INTERPRETATION! Hand aufs Herz, Sätze wie “Nun Frau S., wenn die Streicher da so und so spielen, dann denke ich erstmal an Füllwort, was ja wiederum symbolisch für Füllwort steht und deswegen könnte dieses Lied zum Beispiel Füllwort aussagen und das wird durch den Verlauf der Noten ja auch ganz deutlich” wirkten 100%ig. Das einzige Problem: man musste sich innerlich beißen, verbiegen, seine kleine Ehre zu Grabe tragen, alles Verraten wofür man noch einstand und manchmal kam man sich auch schon etwas blöd vor, so einen Stuss zu labern aber hey, jeder musste sowas machen, außer er war Musiker und konnte gelangweilt dasitzen und ab und an an der Tafel für Pluspunkte sorgen.

Mir fällt auf, ich habe 2000 Wörter um die Maske herumgeredet. Es tut mir leid. Ich hoffe, dass Außenstehende bis hierhin einen Einblick erhalten haben, ich hoffe, dass einigen mitlesenden Ehemaligen und Leidensgenossen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert wurde. Die Maske. Hier mal ein Foto. Das erste und letzte Foto und quasi die letzte Existenz von dieser Maske.

Maske
(Ich verbitte mir jegliches Gelächter, unter Zwang kreativ tätig zu sein war für jemanden, der mit Kunst eh schon seit der schlechtesten Note in der Grundschule auf Kriegsfuß stand.. naja, war.. doof.)

Diese Maske, liebe Leute, war ein Teil des Unterrichts und dieser Teil war.. häufig bei Frau S. anzutreffen. Die einen wirds freuen, die anderen wirds nicht freuen: GRUPPENARBEIT! Jawohl. Die unterschiedlichsten Projekte wurden da auf die Beine gestellt. Nicht zu vergessen, wir hatten eine Parallelklasse, “die b” und Frau S. wurde es nie, wirklich nie leid, A mit B und B mit A zu vergleichen wobei wenn wir von b immer nur hörten “wie toll die das und das gemacht haben” – jedoch hörte b von a ähnliche Aussagen: klarer Fall von Anstachelei.
Gruppenarbeiten also. Glücklich schätzen sollten sich die, die sich so viele Musiker wie nur möglich in eine Gruppe ziehen konnten, denn dann war das Theoretische kein Problem, die Umsetzung und Ideen auch nicht und.. ja, Noten sind ein fieser Selektionsfaktor.
Diese Maske war entstanden, als wir das Thema “Afrikanische Musik” behandelten. Höhepunkt waren sowieso immer die Samples der Frau S. – ihr ewiger Kampf mit dem Pult und den dort verbauten Geräten, mit der Lautstärke und ihrem Tinnitus. Kein Vergleich zu dem Kampf, den wir führten: entweder man musste von diesen Hörproben loslachen, man bekam spontan Ohrenbluten oder man schlief ein. Dazwischen gab es wenig, vielleicht noch ein bisschen den Sternchenlinien folgen. Wenn dann 5 Minuten wildes Getrommel gehört waren.. ja, dann wurde sie still und wartete auf “Meinungen”. Wobei Meinungen bewusst in ” ” steht, denn eine Meinung kann man es ja nicht nennen, die Wertung war immer “hat mir gefallen, weil – hier bitte Schema für Interpretation oder falls Musiker eine analytische Begründung einsetzen-” NIEMALS..NIEMALS durfte man sagen, dass es einem nicht sooo oder gar gar nicht gefiel – dann wurde das Sample erneut gehört. Und nochmal.. und während sie die Wiederholungstaste drückte, presste, fast aus dem Gerät beförderte, wurde ihr Gesichtsausdruck immer grimmiger. Am Ende war es wieder diese Stille.. und sie schaute..schaute..wollte wahrscheinlich gerade zum Donnerwetter Luft holen, aber kurz davor erbarmte sich meistens ein Musiker (oder mal das Goldkind) um die negative Meinung fachgerecht, ähäm, zu widerlegen. Das schürte zwar keine positive Atmosphäre, aber insgeheim waren sich alle dankbar, wenn es so ablief.

Afrika und dessen Musik also. Ganz..klischeehaft mussten also Masken gebastelt werden. Das wäre ja nicht so schlimm gewesen. Das Sahnehäubchen voll abgelaufener Sahne war nämlich der Regentanz. ZUM SAMPLE! Mit.. Thema, Motto, Ideen und..Konzepten. Jawohl. Es war ganz einfach in meinen Gruppen. Die Musiker übernahmen Ausarbeitung, Notenzeugs und sowas. Für charismatische Auftritte respektive Rumgeschwafel.. ja, das war meine Stunde. Immer wieder. Nachdem wir uns peinlichst um einen Stuhl ge”hugahugat” hatten.. nahmen wir die Masken ab und alle starrten uns an, vorne ran Frau S., die bis zu einer einleuchtenden Darlegung des Gesehen und Gehörten immer guckte, als ob sie einen gleich erschießen würde. “Jaaaaa, also, wir haben uns gedacht… Afrika..Natur (so oder ähnlich habe ich den Baumverschnitt auf den Masken erklärt)… die tanzen in Ekstase bis in die Nacht (oder wollte ich Schleichwerbung für das Computerspiel “Nox” machen?) und.. blablablablabla.. ich wusste immer, wann ich aufhören musste. Entweder verdrehte die Klasse die Augen, sie lächelte oder ich war unbewusst kurz davor, mich selbst zu ohrfeigen.
Es folgte dann immer wieder der gleiche Satz, der aber immer mit unterschiedlichem Ton und unterschiedlicher Mimik geäußert wurde. “Jaaa also dazu kann man ja wohl nur eins sagen”. Das sagte sie, wenn eine Gruppenarbeit eine 5 bekam, das sagte sie aber auch, wenn eine Gruppenarbeit eine 1+ bekam. Und mit Verlaub: Uwes Gruppenarbeiten waren in der Unterstufe so sicher wie eine anfängliche Google-Aktie.
Stellen wir uns also mal vor. Xylophone, zwei Stück. Sich gegenüberstehend. Und was machen die? Sie spielen Pingpong. Mit Tönen. Schmettern, verfehlen, treffen, hauen ins Netz, werden schneller, langsamer. Klingt bekloppt, war es auch. Ich spielte nicht, obwohl das Xylophon MEIN Instrument der Instrumente war. Ich hatte die erhabene Idee, das so ein Spiel ja auch kommentiert werden müsse. Und das tat ich. Ein Klangholz als Mikro, immer wieder übertrieben durch den damaligen Igelschnitt gefahren und lauthals rumgeschrien, die Töne in Wörter und Bilder verwandelt. Das war eine weitere.
Ein besondere Erlebnis: die Gruppenarbeit “über” die chromatische Tonleiter. Oder Tonleitern generell. Man stelle sich vor. Mit Wasser befüllte Flaschen! 2 Reihen. An einer Reihe ich, an der anderen Reihe “die Neue” (Da muss ich morgen glatt mal anfragen, ob man sich noch erinnert. Hihi.) – das Konzept war simpel, dumm, blöd aber zweckmäßig. Einer pustet von links nach rechts nach Schema A, der andere pustet von rechts nach links nach Schema A.
Nachdem wir dies vortrugen.. herrschte Stille. Wir, wahrscheinlich alle, dachten “Ohnein.. unser Untergang” und da kam er auch schon “Jaaaaa also dazu kann man ja wohl wirklich nuuuur eines sagen……..” – eiskalter Blick, die spitzesten Lippen von Moers und Umgebung.. und.. Stille. “1+ mit *” – Lächeln. Die hintere Reihe verbog sich, darauf aus, bloß nicht zu laut zu kichern. Und so war das, der Unterricht mit Frau S., die die Franzosen dafür verehrte, dass sie für ihr Recht auf die Straße gingen und alles anzündeten, die wahrscheinlich nie die Simpsons gesehen hat und anstatt des Mumus eben den Poncho mit Blümchenmuster gewählt hat.

Daran und an viel mehr erinnert mich diese Maske. Zum einen waren es die mitunter grausamsten Schulstunden, die ich je erleben durfte. Auf der anderen Seite gab es Musik, die sich gut anhörte, auf der anderen Seite hat man etwas gelernt – es gäbe da ja noch 2 andere Musiklehrer, über die man nachträglich berichten könnte. Bis in die Oberstufe hinein. Frau S. war meistens da. Außer es gewitterte, es fiel viel Schnee oder ihr Tinnitus war wieder besonders stark. Oder jemand hatte sie geärgert oder es war Abischerz, dann blieb sie auch tunlichst fern. Auf der anderen Seite brachte sie uns schon damals Philip Glass näher. Sie mochte Hans Zimmer und sie kannte John Williams. Einmal und nie wieder ließ sie sich darauf ein, dass “wir” “unsere” Musik mitbrachten. Nunja, wir ließen den Quoten-Punk ein bisschen Trash mitbringen. Ein kleiner Triumph, dieser Ausdruck des Entsetzens. Ansonsten galt es einfach: man überlebt diesen Unterricht schon, man muss nur ein paar Grundregeln beachten.
Man widerspricht nicht, man findet die Samples niemals schlecht oder “ganz okay”, Interpretationen müssen auch klappen wenn man nicht zugehört hat, Noten und Aussage haben IMMER etwas miteinander zu tun und klassische Stücke ohne Symbolik, Assoziationen.. INTERPRETATIONEN…? Gibt es natürlich nicht! Niemals weigern, immer schön nicken und beim Donnerwetter oft zustimmen. Und charismatisch sein. Hochsprache verwenden. Das wäre dann der S-Code. So oder ähnlich. Es hat zwar nie für die 1 gereicht aber auch nie für die 3 oder schlechter, so oder so.. diese prägende Zeit ist vorbei und nach vielen Jahren an meiner Wand über dem Kalender, rechts vom Fenster.. KANN ICH DIESE ELENDE MASKE NICHT MEHR SEHEN. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich immer wieder an die schlimmste Gruppenarbeit erinnert werde: Szenen nachspielen aus.. Harry Potter. Noch vor den Filmen haben wir alles in Szene gesetzt. Mit Bühnenbildern, sprechenden Hüten.. und… seufz einem einmal kranken Uwe, der prompt die Rolle der Minerva McGonagall zugewiesen bekam. Ich glaube Feuer ist das beste für diese Maske. Und ein Lachen meinerseits. Weil lachen konnte man bei Frau S. doch auch öfters. Wenn sie verträumt ihren Samples lauschte und gespielt erschrocken tat, wenn die Paukenschläger mal wieder bummerten, wenn die Musiker lockerlässig ihre einfachen Fragen beantworten konnten, wenn dat Goldkindchen in spe mal wieder eine fleißige Interpretation aufm Computah(!) getippt hatte.. und und und. Immerhin war es Unterricht und kein Witz. Es war ein witziger Unterricht mit Grausamkeiten garniert.

3488++– (jetzt sagt er schon 3655) sagt der Word count. Vielen Dank, ihr habt einen einfachen Text und einen einfachen Blogger sehr glücklich gemacht, solltet ihr durchgehalten haben. Oder solltet ihr verstanden haben, es ist ja immer so eine Sache, wenn man nicht dabei war, es nicht erlebt hat und.. Frau S. hätte man einfach erleben müssen.
Für alle, die noch keine Zeit haben ein bisschen Quintessenz: BACK ROCKS.

Frau S

Frau S


(Ha, fast hätte ich den vollen Namen im Dateinamen stehengelassen.. wäre ja sehr sinnvoll und führt wieder zu den Simpsons, weil “the simpsons already did it!” – L. Simpson. Lisa S.)

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