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Les Triplettes de Belleville (Das große Rennen von Belleville)

Bruno und Hund auf dem Bett

Bruno und Hund auf dem Bett

Swinging Belleville rendevouz Marathon dancing, doop-de-doo Voodoo, can-can, balais, taboo in Belleville swinging rendevouz…

Es dürfte bei jedem angekommen sein, dass die Tour de France, der ganze Radsport wie man ihn von früher kannte zu einer einzigen Lachnummer verkommen ist – wer würde sich freiwillig an den Straßenrand stellen und klatschen, vielleicht noch den Radfahrern im Weg stehen und Unfälle provozieren? Vermutlich nur noch Angehörige der Pharmaindustrie und ähnliche Vereine.
Großer Pluspunkt für den 2003 erschienenen Zeichentrickfilm von Sylvain Chomet, dass er noch immer zu gefallen weiß.

Das Leben ist bitter. Zumindest für den kleinen französischen Jungen Champion Bruno, der nach dem Tod seiner Eltern bei Oma Souza lebt. Doch irgendwie mag keine Lebensfreude in dem Kleinen aufkommen, er redet kein Wort, guckt mit großen Augen und spitzer Nase immer nur sehr vorwurfsvoll und sitzt bedrückt auf seinem Bett. Auch als die besorgte Oma einen kleinen Hund anschafft ändert sich das Bild nur geringfügig, es sitzen nun 2 Trauerklöße auf dem Bett.
Alles soll sich ändern, als Oma beim Aufräumen die heimliche Leidenschaft des Jungen entdeckt: das Fahrrad. Wie verwandelt klatscht er beim Anblick des neuen Geschenks in die Hände und dreht temporeiche Runden auf dem Hof. Die Jahre vergehen, unter Omas Fuchtel wurde er zu einem richtigen semi-profi, der mittlerweile bei der Tour de France oder kurz Le Tour mitfahren darf.
Doch es läuft etwas schief, der Junge kapituliert vor einem hohen und steilem Berg und wird prompt von düsteren Mafiosis entführt und nach Belleville verschifft – dort fristet er mit 2 Leidensgenossen, die vor ihm scheiterten, ein Leben als Marionette bei Schaurennen. Diese ähneln den Kamelrennen auf der Kirmes, wo Plastikfiguren nach dem Zufallsprinzip vorrücken und ein Ziel erreichen, nur hier wird durch Muskelkraft der Fahrer nicht nur das Vorankommen der Plastikfigürchen gewährleistet, obendrein wirft ein Projektor eine simulierte Rennstrecke vor die Augen der drei Fahrer – das Hamster im Laufrad oder Esel jagt die Karotte Prinzip.

Oma Souza

Oma Souza

Natürlich lässt die Oma ihren Enkel nicht im Stich, sie verfolgt Autos, Schiffe und mehr, lernt das gealterte Trio “Les Triplettes de Belleville” kennen und als Verbündete schätzen – an ihrer Seite auch immer der dicke Hund mit seinen wilden Träumen von Zügen, bellenden Passagieren und Frontalcrashs.

Die Geschichte liest sich nicht nur skurril, sie schaut sich auch noch so, wenn nicht gar skurriler. Ein ganz eigener Stil, die Figuren wirken allesamt nicht real, mehr entstellt und irgendwie entsprechen sie doch Bildern und Eigenschaften, die aus der Realität stammen könnten. Radfahrer haben stramme Waden – was tut Oma Souza also? Durchkneten, mit Staubsauger, Quirl und Rasenmäher eine Rückenmassage. Zu Anfang wird noch ein Auftritt der jungen Triplettes gezeigt – fette Damen der oberen Schichten quetschen sich aus ihren Limousinen, in ihren Pofalten oder an der starken Hand hängend die kleinen, mageren, erdrückten Ehemänner. Die Vorstellung tobt, die Massen schwabbeln im Takt, die drei Grazien, spindeldürr zucken auf der Bühne und singen ihr Liedchen, eine großgewachsene dunkelhäutige Frau tanzt halbnackt mit Bananen umgeben einen exotischen Tanz und lässt die anwesenden Männer zu wahren Affen mutieren – entstellte Figuren mit entstellten Lebenswegen, die dieser Trickfilm hier entlarvt.
Die Reihe der bizarren aber kreativen Einfälle ist so lang wie der Film selbst, Mafiaschergen verschmelzen aufgrund ihrer Form förmlich miteinander und sehen alle gleich aus. Alle wie Agent Smith. Die Bosse sind die kleinen Männer in der Mitte der zwei großen, schwarzen Rechtecke – die alten Sängerinnen fischen sich ihr Abendessen – Frösche – mit Granaten, Kescher und Regenschirm und haben auch immer ein paar Granaten dabei.

Les Triplettes de Belleville

Les Triplettes de Belleville

Alles ist verzerrt, viel zu hoch, viel zu klein, viel zu gestreckt, als dass es wahr sein könnte, aber dieser Stil weiß sehr gut zu gefallen, bietet er durchgehend Abwechslung und reichlich Vorlage für Slapstick und situationsbedingte Komik, die fast komplett ohne Sprache auskommt – aber auch die gezeichneten Blicke zeugen von Tiefe, wenn die Damen, die Herren und der Hund auf der Flucht sind (und wie sie auf der Flucht sind) und Ballast abwerfen wollen..aber nichts mehr da ist und Oma Souza entrüstet den dicken Hund an sich drückt – kleine Momente ganz groß, so groß wie die Wolkenkratzer und Gebäude, so groß wie die dicken Passanten und so dick aufgetragen wie die Schlussszene, wo der einzig konsequent stumme Charakter, gealtert und anscheinend rückblickend, seiner Oma endlich antwortet, auch wenn diese schon längst nicht mehr am Tisch zu sitzen scheint.

Les Triplettes de Belleville (Das große Rennen von Belleville) macht keinen Hehl daraus, französisch zu sein und französisch zu wirken – und das tut gut, das geht glänzend auf und bietet vielleicht nicht ganz kindgerechte Unterhaltung der lustigen, der gefühlvollen und sehr abgedrehten Art – schöner kann man mit diesem sinnlosen Dopingsport nicht abschließen.

Les Triplettes de Belleville (Das große Rennen von Belleville)

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2 Reaktionen

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  1. Karin sagte

    :gruebel: .. und vorgemerkt

Ping- und Trackbacks zum Thema

  1. Kurzfilm: Handy - Uwe linked to this post on So, 5. April 2009

    [...] Das traurige Schicksal eines Mädchens mit zu kurzen Armen, die eine folgenreiche Alternative entdeckt, ihr Leben zu leben. Dezent erzählt, mit schaurig schöner Hintergrundmusik und einem Zeichenstil, der ein bisschen an Les Triplettes de Belleville erinnert. [...]



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