
Cecil B. Demented
Hey, hey MPAA, how many movies have you censored today?
Gemessen an dem, was man sonst von John Waters gewohnt ist, wirkt Cecil B. harmlos. Alles andere als harmlos ist die Truppe der selbsternannten Cinemanias, eine Untergrundbewegung rund um den Regisseur Cecil B. DeMented. Liest man seinen Namen mit etwas Phantasie und Wörterbuchbeistand, so hat man eine kleine aber feine Aufforderung: Cecil, be demented! Und verrückt wird es zugehen, denn die Cinemaniacs hassen den Mainstream, hassten schon Forrest Gump und mögen keine Leute, die auf den letzten Drücker ein Kinoticket erstehen und in den schon laufenden Hauptfilm platzen. Was die Cinemanics von Menschen unterscheidet, die diese Ansichten teilweise oder auch zum Großteil teilen? Es ist die erbarmungslose Härte, die herrlich anarchische Vorgehensweise, die zwar einem großen Plan folgt, aber doch hoffnungslos chaotisch über die Bühne geht.
Ihr Plan ist “simpel”: sie entführen eine Größe aus Hollywood, Honey Whitlock (Melanie Griffith, The Bonfire of the Vanities) und zwingen sie ganz einfach, bei ihren “low-budget” und “outlaw-movies” mitzuwirken. Im Prinzip war das auch schon alles, Cecil B. zeichnet sich auch nicht durch eine ausgefeilte, wenn auch liebliche Story aus sondern vielmehr mit den zahlreichen Querverweisen, die allesamt aus Seitenhieben und satirischen Elementen bestehen.
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Selbst die Cinemaniacs sind.. ähm..äh.. neben Filmliebhabern mit leicht fundamentalen Ansichten auch nur Karikaturen ihrer selbst. Stephen Dorff (Blade) mimt dabei Cecil, den visionären, leicht prophetisch angehauchten Regisseur aus dem Untergrund mit dem kurzen aber wirksamen Motto: Celibacy for celluloid. Erst Film, dann Sex, dient der Kreativitätssteigerung und der Motivation.
Auch Maggie Gyllenhaal findet man in diesem Film als völlig überzeugte Satanistin und Maskenbildnerin Raven wieder, und zahlreiche andere, die man aber “einfach” selbst erleben muss. Tontechnikerin mit Schießeisen und Bienenstockfrisur – ha.
Der Krieg, der hier tobt, kennt nur 2 Seiten: Hollywood, die Traumfabrik und das Independentkino auf der anderen Seite. Die einen schlachten ihre Filme aus, drehen Fortsetzung um Fortsetzung, produzieren Remakes, Sequels und Prequels, das einem schlecht wird und die Gegenseite hat hier einfach mal beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann und dass man ein Denkmal, einen “final cut” setzen muss. Allen voran die Diva Honey Whitlock, die zu Beginn noch ein zweischneidiges Schwert war und sich auch so benahm; zu denen, auf die sie quasi angewiesen ist, immer ein bisschen dämlich höflich und bezaubernd, hinterm Rücken kotzt sie dann jeder an – so dürfte sich auch jeder wache Saw-Zuschauer bei Teil XY fühlen, das zahlende Vieh wird mit immer gleichen Sachen abgespeist und irgendwo in der Chefetage freut man sich dumm und dämlich, dass diese Kuh noch Milch gibt.

I’m Cecil B. Demented, and you’re in my movie. Do not look into the lens and ruin the shot or you will be shot.
Passend zur chaotischen Truppe ist der Soundtrack, da schrammeln Hiphop und.. Krach durcheinander. Schaurig schön, aber passend. Man wird sich nicht übergeben wollen, denn wie bereits erwähnt, ist Cecil B. DeMented “harmlos”, wobei Wortwahl und Ansichten dann doch John Waters ähnlich sehen – schonungslos werden beide Seiten durch den Kakao gezogen, die verblendete kommerzielle Seite aber auch die Ritter des “verlorenen” Geschmacks kriegen ihr Fett weg. Nicht weiter verwunderlich, keiner kann ohne den anderen wirklich, der eine wird gut bezahlt, der andere gibt dem Feuilleton das, was es will. Für eine Verbeugung vor dem Kino reicht es da vorne und hinten nicht, soll es aber auch gar nicht, wenn der fast schon religiös anmutende Showdown mit Flammen, Gruppensex und einem Pornokino sowie einem Autokino aufwartet. Actionfans und Pornofans, die werden noch eine große Rolle spielen. Wie man sieht.
Ausschweifungen à la Pink Flamingos wird man vergebens suchen, aber.. die braucht es auch nicht, die nicht ganz liebenswerten Kinoterroristen sind so schon vergnüglich und radikal genug.
Family is just a dirty word for censorship.
Ein Film pro und contra Kino, ein Film pro und contra Zuschauer – gegen alle “Todsünden” wie im Film sprechen u.ä, herrlich verbohrt, kleinkariert und ein bisschen schwachsinnig – ein verhältnismäßig bequemer Einstieg in die Welt des “pope of pulp”, nach Hairspray.
Cecil B. DeMented (John Waters’ Cecil B.) – IMDb
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Es gilt die Netiquette.
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