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Gattaca

Gattaca

Gattaca


(Faszinierend, wie platzsparend und atmosphärisch Bilder in s/w doch sein können. Könnte eine neue Gewohnheit werden.)

I belonged to a new underclass, no longer determined by social status or the color of your skin. No, we now have discrimination down to a science.

Nüchtern, fast schon eiskalt zeigt uns Gattaca eine Zukunft, auf die wir im Prinzip schon längst zusteuern. Der Mensch will gesund sein, Herr über alle möglichen Krankheiten werden und sich aller Makel von Mutter Natur entsagen. Das mag auf der einen Seite gut sein, Menschen, die andere Menschen durch Krebs und andere Krankheiten verloren haben, werden die moralische Komponente eher hinter die emotionalen Beweggründe stellen. Präimplantationsdiagnostik und genetische Manipulation für den perfekten, nicht kranken, dafür aber leistungsfähigen Menschen. Das klingt schon mal ganz gut, beherbergt aber auch eine ganz große Problematik der Diskriminierung in sich.

Kein Mensch kann etwas für seine Herkunft, für seinen Ort der Geburt, für seine Nase, für seine Hautfarbe, für seine vererbten Krankheiten und die einzige menschliche Reaktion ist und bleibt Akzeptanz, nicht nur Toleranz. In Gattaca aber hat man sich nicht mehr mit Akzeptanz abgegeben, auch toleriert man solche “Fehlbildungen” nicht mehr, Geburt ist in etwa so wie ein Bummel im Kaufhaus, welche Haut- und Haarfarbe hättens denn gerne? Wollen Sie sicher den Jungen da, der wird nur 45,7 Jahre alt, oder doch lieber diesen potentiellen Leistungssportler und Raketenwissenschaftler? Ja? Okay, der Rest kommt auf den Müll. Da hätten sich die Spartiaten gefreut, genetische Gerusia mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten.

Zwar gibt es noch die Möglichkeit, auf natürlichem Wege Kinder in die Welt zu setzen. Doch was würde man diesen “Invaliden”, mit Fehlern behafteten Subjekten damit antun? Der vorgeschrieben Weg in die neue Unterschicht, die jetzt ganz liberal und offen nach genotyp und nicht nach phänotypischen Merkmalen greift – perfide “offen”, pervers “für alle”, die eben das Pech hatten, kein perfektes Produkt der Wissenschaft zu werden.

“I not only think that we will tamper with Mother Nature, I think Mother wants us to.” – Willard Gaylin

Der Hauptdarsteller Vincent Freeman (Ethan Hawke) wird geboren. Ein natürliches Kind und leider mit einem Herzfehler, was sich negativ auf seine Lebenserwartung auswirkt. Man beachte den Namen. Von lateinisch Vincentius, Weiterbildung von vincere „siegen“, „besiegen“ & “free man”, freier Mann bzw. Mensch. Das bisschen Hoffnung tut schon mal gut, denn Gattaca ist wie bereits erwähnt eine durchdachte und finstre Warnung an die Pseudo-Götter, die sich noch Menschen nennen und Selektion sowie Diskriminierung im großen Stil betreiben.

Vincent Freeman hat einen Traum und will diesen trotz seiner körperlichen Benachteiligung erreichen: Raumfahrer werden. Nun stellt ihn das natürlich vor einige große Barrikaden, denn die Raumfahrer sind wohl das, was man hier unter T1 versteht, die top fitte Elite ohne Makel. Penible Tests, mehr Tests und noch viel mehr Tests muss man überstehen und konstant “sehr gut” absolvieren, um in Betracht gezogen zu werden. Ein perverses Bild, wo jeder Mensch mit ein paar Tropfen Blut, Haaren oder Hautschuppen aus einem lesen kann wie in einem Buch. Das, wovon jede Versicherung träumt wird da heimlich durchgeführt, bei Bewerbungen scheinheilig praktiziert und nur die sogenannten “Gotteskinder” – der ironische Begriff für die “Unterschicht” haben dabei das Nachsehen.

Mit Hilfe des verunglückten und an den Rollstuhl gefesselten “Supermann” Jerome Eugene Morrow (Jude Law) findet ein Identitätswechsel statt, der es Vincent Schritt für Schritt ermöglicht, die genetischen Tests und Hürden zu meistern. Pikant wird die Sache, als ein Mord geschieht, Polizei und Detektive mit den genetischen Tests weite Kreise ziehen und zu allem Überfluss sein “perfekter” Bruder Anton Freeman (Loren Dean) auftaucht. Rivalität auf ungleicher Ebene, das Gotteskind gegen den genetischen Supersohn – “alle Jahre wieder” wetteifert man beim Weitschwimmen herum.
Was in dieser trostlosen Welt auch noch fehlt: ein bisschen Liebe. Eiskalte Liebe in Form von Uma Thurman in der Rolle der Irene Cassini.

Antonio: We were just wondering if, if it is good to just leave a few things to, to chance?
Geneticist: We want to give your child the best possible start. Believe me, we have enough imperfection built in already. Your child doesn’t need any more additional burdens. Keep in mind, this child is still you. Simply, the best, of you. You could conceive naturally a thousand times and never get such a result.

Andrew Niccol. Ein Mann, ganz viele Meinungen. 1997 Regie und Drehbuch für Gattaca, ein gelungener und durchdachter Einstieg. 1998 das Drehbuch zur grauseligen Trumanshow. 2002: Regie, Drehbuch, Produktion für S1m0ne, an den erinnere ich mich irgendwie nicht mehr. 2004. Terminal. Nur Drehbuch. Lasst es mich so formulieren, immer wenn er nur das Drehbuch schrieb..dann.. ging es nicht ganz so gut. 2005 dann wieder “Eigenarbeit” mit dem gelungenen Lord of War.
Durch und durch dystopisch, wir sehen Menschen, die sich selbst nicht mehr als Menschen erkennen. Einem kleinen Gerät, das Blut untersucht, glaubt man mehr. Was sagen schon Gesicht und Augen aus, die ja im Prinzip nur noch das Resultat eiskalten Kalküls sind? Zeig mir deine DNA und ich bestätige dir, wer du bist. Da passt Uma Thurman natürlich exzellent ins Frauenbild, adrett, abweisend und alles andere als weiblich – schon allein deswegen wird The Accidental Husband ein Reinfall sein. Romantische Komödien mit dieser Frau? Also bitte, das müssen Geldesel sein, so wie Fluch der Karibik für Johnny Depp. (Wachdienst, ich kann einen nicht angemeldeten Fackelzug in meine Richtung gehend sehen.)

“Consider God’s handiwork; who can straighten what He hath made crooked?” – Ecclesiastes 7:13

Völlig untypisch eigentlich, dass die Umwelt als solche nicht großartig gezeigt wird, der Fokus liegt auf den nicht vorhandenen Zwischenmenschlichkeiten, auf Vincent und den Bemühungen um seinen Traum und um den symbolischen Kraftakt “Bruder gegen Bruder” – Natürlicher, menschlicher Wille gegen Genpool-Götter.
A für Adenin, C für Cytosin, G für Guanin und T für Thymin. Daraus, aus den allseits beliebten Nukleinbasen, kann man sich den Titel basteln. Ebenso kann man sich aus den Namen diverse Bedeutungen, Schicksale und Schlüsselmomente ableiten, Eugenik wird großgeschrieben.
Dankbar muss man für diesen Film sein. Zum einen weil es bodenständiges Sciencefiction-Kino ist, weil es nie unnötig in den Unsinn abdriftet und weitestgehend ernst umgesetzt ist, sich aber die moralische Pointe auch nicht verkneift und den menschlichen Menschen das nach Perfektion strebende System durch einen durch einen “Fehler” enttäuschten Menschen in Form eines Doktors ad absurdum führt. Um nicht zu sagen: There’s no gene for fate. Um nicht zu sagen: There Is No Gene For The Human Spirit!

Treppe als Helix-Symbol

Interessanter, glaubwürdiger (Man muss ja nur mal den heutigen Standpunkt beobachten, elektronische Gesundheitskarte, Projekte, denen man sein Erbgut übermitteln kann und die Partnersuche nach nach “wer passt biologisch zu mir”?-Prinzip) und lehrreicher kann ein Film mit der Quintessenz “Glaub an dich und du kannst es schaffen” nicht sein, ich traute meinen Ohren ja kaum, als ich hörte, dass dieser Film jetzt Unterrichtsstoff ist.
Wäre das Vorurteil, ich hätte was gegen pädagogische Filme, aus der Welt geschafft. Jetzt muss ich nur noch was finden um zu negieren, dass ich mich nicht von jeder Dystopie ködern lasse.
Doch, Gattaca hat es irgendwie verdient, auch Unterrichtsstoff zu sein, detailreiche Inszenierung, fast schon eine moderne Noir-Atmosphäre, die ohne viel Ausstaffierung auskommt, selbst Michael Nyman Score (The Piano) fügt sich den ohne Widerworte ein und unter – das tut nicht nur gut, das ist notwendig & macht Gattaca zu einer völlig unangebracht und unberechtigt übersehenen Warnung in Form eines durchaus stimmigen Films. Selbst so offensichtliche Symbol-Vorschlaghämmer wie die Treppe in Form einer Helix wirken einfach, wirken nicht deplatziert. Und immer wenn man genauer hinsieht und die Techniker bzw. deren Ausrüstung “erblickt”, könnte man etwas grinsend annehmen, dass es nie anders gewollt war – was will schon ein perfekter Film für eine Botschaft gegen den perfekten Menschen als Zukunftshölle vorbringen? So authentisch wie Bigbrother-Fans, die naiv und kurzsichtig Begriffe wie “Stasi 2.0″ in den Mund nehmen oder sich gar über beschlossene Gesetze aufregen.

Gattaca – IMDB

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Eine Reaktion

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  1. AVDIE sagte

    Hallo,

    Ich denke, es liegt auf der Hand, daß sich die Gesellschaft HEUTE etwas anstelle der Evolution einfallen lassen muß, die wir nach und nach außer Kraft setzen. Ansonsten wird uns, wenn wir ohne Auslese eines Tages schwach genug sind, etwas Stärkeres aber nicht zwingend qualitativ Höherwertiges ersetzen. Vielleicht sind es unsere eigenen Maschinen, was sich auch gut als Filmbotschaft machen würde.
    Der Film Gattaca beginnt mit zwei Thesen: Ich bin der Meinung, daß “Mutter Natur es will” und wir HEUTE anfangen müssen, den gesellschaftlichen und humanistischen Rahmen anzupassen. Dogmatischer Götterglauben hat die Menschen vereint aber bisher auch genug Elend gebracht.

    “AVDIE”



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