
Duo luo tian shi
The best thing about my profession is that there’s no need to make any decision. Who’s to die… when… where… it’s all been planned by others. I’m a lazy person. I like people to arrange things for me. That’s why I need a partner.
Sie agieren im Dunkeln, sie agieren bei Nacht, streifen durch das Nachtleben, auch wenn in Hong Kong alle Lampen und Lichter ein anderes Gefühl vermitteln wollen. Auftragskiller, die um berufliche Distanz bemüht sind, sich aber nach emotionaler Nähe sehnen, ein Stummer mit einem gebrochenem Herzen, der eine überzeugende, wenn auch forcierende Verkaufsstrategie an Ladenbesitzern praktiziert und natürlich eifersüchtige Frauen. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen, ein bisschen kautzig, ein bisschen ambivalent und von einem Augenblick zum Nächsten immer wieder für eine Überraschung gut.
Wong Kar-Wai, hier keinen wirklichen Schwerpunkt auf das Erzählte setzend, stellt eine bittere These auf, wenn er ein und die selbe Straße immer wieder in verschiedenen Optiken zeigt, sie durch Filter jagt oder ein bisschen am Winkel dreht; die Welt dreht und hastet weiter, auch wenn die nach Zuneigung dürstenden Menschen mit ihren nach außen hin kalten Berufungen an ihren Sehnsüchten zu zerbrechen scheinen.
Aber fernab von dieser These ist Duo luo tian shi ein visueller Spielplatz der Killer, der Liebenden, der Söhne und Väter und der Mitglieder eines Systems, wo der Einzelne noch nie mehr als das Ganze bedeutet hat – einmal gucken und fasziniert sein von den leicht verbitterten, leicht abschließenden Monologen aus dem Off. Zweimal gucken und sich völlig der schrillen und schillernden Welt ergeben und sich nicht mehr an den spärlichen Dialogen festklammern, welche eh nur all zu oft mit dem Zuschauer spielen und ihm groß angelegte Enden mit bedeutungsschwangeren letzten Sätzen anbieten, jedoch immer noch einen Schritt weitergehen, als man es für möglich gehalten hätte.
So wie die Kinder, die Schritte wagen, ohne darüber nachzudenken, die einfach leben – so wie der Stumme, der bis zu einem Schicksalsschlag immer ein kleiner Kindskopf war, einfach so fremde Läden übernahm oder Menschen dazu zwang, ihm Eis abzukaufen. Entscheidungen und Verantwortungen, ein leidiges, aber auch großes Thema. Der eine will für sich selbst entscheiden, der andere wollte nie für sich selbst entscheiden – Kontrast verbindet. Und Kar-Wai verbindet Kontraste – was könnte ästhetischer und interessanter sein?
Duo luo tian shi (Fallen Angels) – IMDB

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