
Welcome to the Dollhouse
Dawn Wiener: Why do you hate me?
Lolita: Because you’re ugly.
Komödie ist dann doch reichlich übertrieben, denn wenn es ein wenig lustig zugeht, dann ist das nur die komödiantische Auseinandersetzung mit ungeheurem Leid, das dennoch so real und präsent wie eh und je erscheint. Verpackt im typischen Humor eines Todd Solondz, lachen aber über sich selbst nachdenken, lachen und vielleicht schockiert, dass man darüber lacht, lachen und gleichzeitig die Hand nach oben fahren lassen, um die eigene Bestürztheit auf den Punkt zu bringen.
Dawn Wiener (Heather Matarazzo) hat es nicht leicht, die Kamera schwenkt einmal über die Schülerschaft, die sich in der Cafeteria aufhält. Mit versteinertem Blick und wiederholten Seufzern versucht Dawn, sich einen Platz zu ergattern doch man kommt ihr immer wieder zuvor. Als sie schließlich einen Platz gefunden hat, ist es ein Platz, auf den vor kurzem noch gekübelt wurde. Ihr Gegenüber, Lolita (Victoria Davis) ist ihr sehr feindlich gegenüber, wie sich später herausstellen wird aus dem einfachen Grund: weil sie hässlich ist. Dawns Spind ist als einziger auf dem Flur mit fiesen Namenswitzen und anderen Diffamierungen bekritzelt, sie wird geschubst, wegen ihrer vorstehenden Zähne gehänselt und ihr – selbst für die dargestellte Epoche – schrilles, immer ein wenig unpassendes Erscheinungsbild vollbringt die übrigen Gemeinheiten des Alltags.

Willkommen im Tollhaus
Mit der Familie ist es freilich nicht viel einfacher, die Eltern sind schnell bei der Hand, wenn es darum geht, Dawn eins reinzuwürgen, die kleine Schwester Missy (Daria Kalinina) ist die umhätschelte Primaballerina vom Dienst und der große Bruder Mark (Matthew Faber) ist schon in der Highschool und fristet dort als nerdiger Computerfachmann sein Dasein und ist Dawn wenn überhaupt nur in trockenen Ratschlägen eine Hilfe.
In Verbindung bedeuten diese beiden Lebensabschnitte für Dawn eigentlich nur eins: Demütigung, Erniedrigung und innere Qualen, im schlimmsten Fall auch noch äußere Gewalteinwirkungen. Trotz aller Rückschläge versucht sie immer wieder krampfhaft dazuzugehören, die krude Mischung aus Klappe halten, Kontra geben und bedroht werden machen die Figur Dawns zu einer mehr als ambivalenten Angelegenheit; für eine Heldin der Geschichte handelt sie selbst zu fies, hackt auf dem einzigen Freund rum, den sie hat, handelt egoistisch und nahezu boshaft.
Erschütternd insofern, weil nahezu keine Weiterentwicklung stattfindet, irgendwo in der Mitte des Films redet Dawn mit dem Schläger Brandon McCarthy (Brendan Sexton III), dort kritisiert er – er, der ihr Vergewaltigung und Gewalt angedroht hat – ihre Haltung, wie besessen hinter der Herde her zu rennen, denn daraus ergibt sich für ihren wankelmütigen Charakter ein einziges Desaster; sie will unbedingt zu “allen anderen” dazugehören, als Konsequenz ist das, “was alle anderen sagen” doch nicht verkehrt, gelogen oder einfach nur Quark mit Soße – ihr Bild von ihm wurde quasi über die fremden Meinungen einer gesichtslosen Mehrheit geprägt, wenn alle sagen, dass Brandon mit Drogen handelt, dann wird das wohl so sein, denn die Öffentlichkeit würde ja nie und nimmer einfach so Leute beschuldigen. Oder ihnen vorgefertigte Stempel aufdrücken, damit auch bloß jeder anhand einiger grober Stichwörter sofort weiß, woran er ist, ohne auch nur ein Wort mit der/dem Gebrandmarkten gewechselt zu haben.
Nebst diesen Beobachtungen und der unerträglichen Charakter-Stagnation vollzieht Welcome to the Dollhouse noch einen Ausflug ins Krimigenre, nicht wirklich unnötig, eher erstaunlich gut mit dem Rest verbunden und dennoch ein wenig aus der Reihe tanzend. Und Todd Solondz wäre nicht Todd Solondz, würde das Ende einen auf seine Art und Weise nicht besonders stark erschüttern und dennoch betreten zum Grinsen verleiten. Wie gesagt, keine Entwicklung, nur bittere Unterordnung und Fügung in Tatsachen und fremde Ratschläge, ein Leben voll Fremdbestimmung und äußeren Mächten. Willkommen im Puppenhaus, mit Tollhaus hat das wahrlich nichts zu tun.
Welcome to the Dollhouse (Willkommen im Tollhaus) – IMDB
Ein wahrer Ü-Film, der hier besprochen wird! Und das “Tollhaus” ist doch nur mal wieder eine verunglückte Übersetzung!
Eine miserable Übersetzung die völlig am Thema vorbei ist aber positiv gesehen 1 Wort -> 1 Wort und nicht 2 Sätze + erklärende Zeile oder sowas
Ein wahrer Ü? Hmm! Als Vorbereitung zu Happiness und seine Tristesse vielleicht, aber wenn der, dann auch Palindromes!