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Kino: Taken (96 Hours)

Taken (96 Hours)

Taken (96 Hours)

Lenore: You sacrificed our marriage to the service of the country, you’ve made a mess of your life in the service of your country; can’t you sacrifice a little one time for your own daughter?
Bryan: I would sacrifice anything for her.

Vergessen wir mal für einen Augenblick, dass die Erinnerung an den Namen Liam Neeson unweigerlich zurück in die 90er zu Schindlers Liste, Nell und Les Misérables führt.
Nicht vergessen sollten wir sein akkurates Auftreten und sein eher ruhig einzuschätzendes Gemüt, denn darin liegt eine nicht zu unterschätzende Stärke des gesamten Films namens Taken, der mal wieder eine glorreiche Übelsetzung in einen anderen englischen Ausdruck, nämlich 96 Hours (Was die wohl aussagen könnten? Hach, was nur?) erfahren hat.

Taken

Taken

Bryan Mills (Neeson) lebte für seinen Beruf als Agent der Regierung. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt opferte er sein Leben der Arbeit und stellte auch seine damalige Frau Lenore (Famke Janssen) und Tochter Kim (Maggie Grace) immer wieder hinten an, bis es nichts mehr zum Hintenanstellen gab. Um mehr Zeit für seine Tochter zu haben und all die verlorenen Jahre zu kompensieren, lässt er sich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen und zieht zu ihr in die Nähe. Sie feiert ihren 17. Geburtstag, der Neue von Lenore scheffelt Geld, viel Geld und natürlich weiß Bryan aus was für Quellen dieses Geld entspringt. Töchterchen freut sich wie jedes Jahr, doch die mitgebrachte Karaoke-Anlage verblasst ein wenig in Gegenwart eines Pferdes und anderen großen Gegenständen; ein Foto für das Fotoalbum, wo Bryan die Geburtstage seiner Tochter dokumentiert und das war es erstmal, was man sich an Nähe und Zuneigung wünschen konnte.

Bryan: How about this? How about if I go along? You won’t even know I’m there. I’m very good at being invisible.
Lenore: As you so amply demonstrated for the rest of her life.

Es folgt ein – zu seiner Freude – vermeintliches Treffen mit seiner Tochter unter 4 Augen, doch diese bringt Lenore als Anhang mit und bettelt primär um eine Unterschrift, damit sie eine “kulturelle” Reise nach Paris unternehmen kann. Sein überaus vorsichtiges Wesen in Verbindung mit seinem ausgeprägtem Misstrauen gegenüber “der Welt” machen das natürlich zu einer tränenreichen Geschichte; erstmal wird abgeblockt und drüber nachgedacht, nachdem er drüber geschlafen hat und allerlei Bedingungen wie Telefon, “meide diesen Ort, geh bloß nicht dahin” bekommt Kim ihre Unterschrift. Es stellt sich heraus, dass sie ein wenig geflunkert hat, die Reise nach Paris ist in Wirklichkeit eine Europatour zwecks Groupie von U2 spielen. Aber soweit kommt es dann doch nicht, denn er darf mittels Handy mit anhören, wie unbekannte Männer ihn die Wohnung seiner Tochter und deren Freundin einbrechen und diese entführen. Oh, der Titel ist so gütig, jetzt wissen wir auch schon, dass Bryan nur noch 96 Stunden hat, um seine Tochter zu finden, diese ist in die Fänge von Menschenhändlern geraten. Wir wiederholen: noch 96 Stunden, bevor der Teufelskreis aus Drogen, Auktionen und Verkauf sich vollends geschlossen hat und die Chance, Kim wiederzufinden, gegen 0 tendieren.

Saint Clair: Please understand…it was all business. It wasn’t personal.
Bryan: It was all personal to me.

Wie gesagt, die Assoziationen zu Liam Neeson sind eine der wenigen Stärken von 96 Hours; das ambivalente Verhältnis des gebrochenen Vaters, der unter Schuldvorwürfen und Gewissensbissen seiner selbst leidet steht natürlich im extremen Kontrast zum erbarmungslosen Jäger, der zwar sehr unscheinbar wirkt, aber dann doch das Wort Gnade aus seinem Wortschatz gestrichen hat, wenn es um das Auffinden und die Rettung seiner Tochter geht. Mögen ihm auch ein paar Gimmicks und Freunde aus alten Zeiten zur Seite stehen, nach und nach geht 96 Hours schnurstracks in Richtung 1-Mann-Show; mit Allradantrieb durch den Matsch, Knochen brechen für Fortgeschrittene und abgebrühte Profis aber auch schon recht unangenehme Foltermethoden – es gibt nichts, was dieser Ruheständler nicht beherrscht, die paar Zufälle, die das alles erst ermöglichen, fallen wenn überhaupt erst am Ende zu stark ins Gewicht und lassen die wilde Hetzjagd etwa zu überzogen wirken.

Einige gehässige Sprüche und dieses unfreiwillig komische Zusammenkneifen der Augen – aber eigentlich mehr Knochen brechen, mit Vollgas durch die Innenstadt, vermeintliche Freunde der inneren Sicherheit abschütteln und immer einen Schritt voraus sein. Dafür, dass es doch alles recht schnell gehen muss, sind die Verfolgungsjagden erstaunlich unspektakulär, irgendwann hat auch Bryan keine nennenswerten Einfälle mehr, ob jetzt Genickbruch oder Kopfschuss seine Selbstjustiz im Zeichen der Vaterliebe vollenden sollen. Bis auf Neesons Darstellung wird man alle anderen Darsteller binnen 96 Stunden doch schon vergessen haben; die kühle Ex, die nicht viel zu tun hat, außer böse zu gucken, Vorwürfe auszuteilen und Türen zuzuknallen, die quirlige Tochter, die bis auf Papi um den Finger wickeln, wie im Trailer angedeutet panisch zu tun und dann ein wenig durch die Gegend geschleift zu werden auch keine anderen Einfälle des Drehbuchs zugeteilt bekommen hat… naja, platt aber herzlich. Mister Perfekt mit seinen perfiden Geldquellen. Ach, Andeutung reicht, man will ja nicht alles wissen, soll ja schließlich krachen.

Und ja, es kracht ein wenig, aber auch Taken wird binnen 96 Stunden aus dem Gedächtnis verschwunden sein – kurzweilig, nichts Neues aber immerhin konsequent. Auch ein wenig konsequent, aber dafür herzlich dämlich, Sängerin Sheerah (Holly Valance, na, wer erinnert sich?) als weise Ansprechpartnerin und Zukunftsgestalterin am Anfang zu benutzen, um sie am triefenden Ende für eine Schlusspointe à la Tür zu, alles gut, zu verfeuern. Ein kleiner kalter Schauer für den Moment, aber insgesamt nicht viel mehr.

Taken (96 Hours) – IMDB
Taken: Theatrical Trailer

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3 Reaktionen

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  1. el-flojo sagte

    Hab ihn mir gestern direkt mal angeguckt und fand ihn, nun ja, lustig. ;-)
    Ich musste immer wieder gucken, ob das wirklich Liam Neeson ist. Eigentlich ja ne geniale Besetzung, da hier Erwartungen völlig über den Haufen geworfen werden.

  2. Uwe sagte

    Schrieb ich ja; diese “Unvereinbarkeit” aus vergangenen Rollen, angedachtem Image und praktizierter Jagd ist eine nicht zu unterschätzende Stärke.
    Lustig? Hm, redest du von den menschlich fragwürdigen Sätzen, Exploitation der gemeinen Stromleitung sowie dem Faktor Zufall in Verbindung mit allerlei technischen Gimmicks? ;)

  3. Michael sagte

    Ein genialer Film – lief auch gerade erst bei SKY. Hab ihn inzwischen mehrfach gesehen. Geht am Anfang ein wenig langsam los – aber dann geht das Feuerwerk los. Ist einer meiner Lieblingsfilme geworden und Liam Neeson passt auf die Rolle als rächender Familienvater perfekt.



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