
Slumdog Millionaire
Maybe it’s written.
Die Beobachtung dürfte nichts Neues sein; langweilige Kandidaten ohne markante Ecken oder Geschichten werden schnell durchgereicht, aber die ausgeflippten, zwangsweise die schlauchen und die mit Geschichte, die werden fürs Publikum gehalten und gehalten. Keine Ausnahme macht dort Jamal K. Malik (Dev Patel, Skins), der nicht nur eine Geschichte, sondern viele verpackte Geschichten, die sein Leben als Kind in den indischen Slums und den weiteren Werdegang, erzählen. Dieser Junge, der Tee für die Angestellten eines Callcenters kocht und serviert, der erstaunt nicht nur Moderator und später ganz Mumbai (Bombay) – er erweckt auch den Anschein des Betrügers. Woher soll ein Slumdog Ahnung von Dichtern, von Literatur, Sport und anderen Dingen haben? Slumdog Millionaire wechselt fleißig zwischen Anklagebank im nicht ganz unbedenklichen Verhör, dem heißen Stuhl im Studio und seiner frühen Kindheit bis zu vergangenen Erlebnissen, die als Geschichte erklären und belegen sollen, warum ein Slumdog ganz genau über das Aussehen der 100 Dollarnote bescheid weiß, was für einen Gegenstand eine Gottheit in der rechten Hand hält und so weiter.

Slumdog Millionaire
Noch nicht genug Märchenstunde? Die große Liebe darf nicht fehlen, Latika (Freida Pinto), die er im strömendem Regen “unter sein Dach” ließ, spielt immer wieder eine Rolle, man sieht sich, wird getrennt, muss fliehen, überleben und zu schnell geschnittenen Bildern und flotter Musik so einiges veranstalten. Schließlich nehmen Schicksal, die 20 Millionen Indische Rupien Frage und der Telefonjoker und natürlich das Thema der letzten und entscheidenden Frage eine große Rolle ein und die Frage, die uns der Film am Anfang gestellt hat, ganz im Stil der Sendung versteht sich (Wurde das im Trailer hierzulande nicht sogar schon aufgelöst?), wird bedeutungsschwanger und romantisch aufgelöst. Bis zu diesem Punkt hat sich Slumdog Millionaire immer mehr von der boyle-typischen Inszenierung verabschiedet, ist zum Einheitsbrei mit den üblichen Romanze-Elementen verkommen und.. entlässt mit indischem Getanze und Jai Ho.

Slumdog Millionaire
Oh, was hat Boyle nicht schon für Filme gemacht. hat mit 28 Days Later Bewegung und Tempo ins Zombie-Genre gebracht und sich dabei irgendwie sehr wirtschaftlich angestellt, hat mit Sunshine etwas für alle nicht abgestorbenen Sinne abgeliefert mit der Möglichkeit, sich doch sehr viele Gedanken um die Geschichte zu machen, ist auch noch sehr gefällig mit seiner Verfilmung von The Beach und natürlich darf Trainspotting, allein wegen der Einführung Londons mit “Think About The Way”, nicht vergessen werden sowie “der Rest” – alles mit einer mehr oder weniger evidenten Handschrift, die sich auch im oscarabräumendem Slumdog Millionaire finden lässt. Aber was sonst?

Slumdog Millionaire
Nun, meiner Meinung nach nicht viel, handwerklich ist das alles gewohnt sehr nett, aber darüber hinaus gibt es wenig, was im Gedächtnis verweilen könnte – die Geschichte ist so unerträglich konventionell kalkuliert, das angeschnittene Sujet aus der Art des Films heraus nicht nur oberflächlich sondern bedenklich beschönigend beschrieben. Daran kann man sich mit der falschen Vorstellung richtig dran aufhängen, wobei es nicht zweckmäßig ist, einen Oscarjäger aus Hollywood für den fehlenden authentischen Dokucharakter zu beschuldigen – auch wenn es befremdlich ist, wenn ein kleiner Junge “durch die Scheiße” gehen muss und die 1. Reaktion Gelächter ist.
Money and women. The reasons for make most mistakes in life. Looks like you’ve mixed up both.
Ansonsten: der kalkulierende & kalkulierte Holzhammer geht um; der Moderator ist schleimiger als der Blob, die Touristen einladend dämlich, ein Bad in Geld, das mit dem Tod endet und Wiedervereinigungen an verheißungsvollen Gleisen von zwei sehr gut aufeinander abgestimmten Jungdarstellern.
Im Prinzip jammere ich auf hohem Niveau, handwerklich ist Slumdog Millionaire typisch Boyle, wenn auch zurückhaltender. Dürfte für die breite Masse trotzdem als begeisterndes, visuelles Konzept aufgehen. Nüchtern betrachtet, ohne die Innereien zu sezieren: typisches Märchen ohne jegliche Bodenhaftung, ohne nennenswerte Überraschungen und subjektiv gesprochen eher unerträglich oberflächlich philosophierend.
Kann man sehen, kann man auch hören, aber so wirklich viel mehr Zeug zu einem richtigen Boyle hat das Gesamtpaket um Längen nicht. Auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite hat er genug andere Streifen, die man nicht vergisst. Auch ohne großes Tamtam und irgendwelchen “goldenen” Statuen.

Die Geschichte von Slumdog Millionaire ist wirklich Kitsch und unglaubwürdig hoch drei. Es kam mir ebenfalls wie ein Märchen vor, erzählt in lebhaften (bunten) Bildern, aber gerade das ist für mich ein positiver Punkt. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, während dem Verhör mehr erfahren über Jamals Vergangenheit und ganz wichtig: Die Hauptperson war mir nicht egal. Der Film hat mir sehr gefallen. Vielleicht auch, weil ich keinerlei Erwartungen hatte.
Ob ein Film Auszeichnungen wie den Oscar hat, ist mir auch ziemlich schnuppe.
Oscars sind eh nur ein erzwungenes Kriterium für Relevanz und so subjektiv wie alles andere auch, schnuppe, d’accord.
Oh, also Erwartungen im Sinne von Hype -> Muss ja was dran sein.. ne, eher wegen Boyle und seiner vorherigen (Meister)werke. Insofern ist der Film ja wirklich nicht das, was ich als schlechten Film bezeichnen würde. Es blieb nur hinter dem zurück, was er sonst veranstaltet hat, hat mich wegen der viel zu stromlinienförmigen Märchengeschichte irgendwann auch gar nicht mehr interessiert, wie es da zum freudigen Ende kommt.
Aber dieses “Jai Ho” Lied geht mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf, langsam aber sicher würde ich diesen Zustand als “schlimm” bezeichnen wollen.
Ich fass mich mal wieder kurz:
Soundtrack perfekt,, männlicher Hauptdarsteller seit “Skins” sowieso, Geschichte Note “2″, habe mich gut und auf hohem Niveau unterhalten gefühlt, mehr erwarte ich nicht, Hype hin und her, und warum soll es nicht auch mal zur Abwechslung ein Happy Ending geben? Hin und wieder ist das sogar gewünscht!
Anmerkung am Rande: Der Schleimer vom indischen “Who wants to be a Millionaire” ist mindestens so schleimig wie der in Deutschland!
Besser Jai Ho als “Paper Planes”!
Oder Benny Lava. Benny Lava Ohrwürmer sind die schlimmsten!
Hmm, du schreibst nicht, wie ein notgeiler Dev Patel (Skins) zum Millionär (Slumdog) wird?
Finds immer wieder witzig, wenn man bedenkt was er in Skins abgeliefert hat
Aber schade, dass du den Film für zu kalkulierbar hälst und dich nicht so daran erfreuen konntest. Kalkulierbar ist vieles, Slumdog wohl auch, aber ich mochte den Film sehr.
gez. Einer von der breiten Masse.