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Eden Lake

Eden Lake

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Hier muss man einfach mal wieder bei den Simpsons ansetzen und anfangen. Man erinnere sich an die Episode, wo Barts Schandtaten durch Richter Roy Snyder immer wieder vergeben werden. Immer mit der Begründung, dass Jungs nun mal Jungs sind. Ein kurzer Bruch in dieser Linie mittels rigider Richterin, um später wieder zurück zu “Jungs sind Jungs” zurückzukommen. Soweit so gut. Auch in Eden Lake von James Watkins dreht es sich doch irgendwie um diese Aussage. Das bringt viele Probleme mit sich. Erstmal fällt das Ratespiel weg, wer oder was da eigentlich das unschuldige Pärchen jagt und nötigt. Kein großer Verlust, weil die Möglichkeiten so vielfältig nicht sind. Also muss man sich anders behelfen. Das Versteckspiel mit umherhuschenden Schatten, mit zuknallenden Türen und vermummten Umrissen an Fensterscheiben, das fällt auch flach.

Insofern macht Eden Lake einen guten Zug und lässt einfach den geplanten Ausflug des Pärchens Jenny (Kelly Reilly) und Steve (Michael Fassbender) ein bisschen problematischer erscheinen. Dem Geländewagen, der auch endlich mal als Geländewagen benutzt werden kann, wird der Parkplatz weggenommen, in der Unterkunft sind die Menschen Fremden gegenüber ungehobelt und dann laut ist es auch noch. Das alles scheint vergessen bei dem hübschen Anblick des einsamen Fleckchens Eden Lake.

Eden Lake

Eden Lake

Aggressor Nummer 1: die beiden vergnügen sich am See und genießen die Ruhe, bis eine Bande Jugendlicher eintrifft. Mit Rottweiler, lauter Musik und vielen schlechten Umgangsformen, allen voran Brett (Jack O’Connell, “Cook” aus der 3. Staffel Skinns). Der Rottweiler stört, erschrickt, die Musik stört und man kann den Konflikt nicht wirklich mit Kompromissen beikommen; die einen waren ja eher da und die anderen haben nur coole Sprüche als Antwort parat. Die Weichen sind gestellt, Steve und Jenny geraten immer mehr ins Visier der Bande. Am nächsten Tag ist ihr Beutel mit Autoschlüsseln und anderen Dingen verschwunden. Fast werden sie von ihrem Geländewagen umgenietet – dreimal darf geraten wer am Steuer sitzt – und dann nähert sich die Dramatik ihrem ersten Höhepunkt.

Bis zu diesem Punkt verlief alles nicht übel für Eden Lake, James Watkins versteht sein Handwerk, das Örtchen ist lauschig in Szene gesetzt und ein bisschen kann man erahnen, wozu die hohen Bäume und die unüberschaubare Landschaft noch gut sein werden. Kelly Reilly mimt die Jenny annehmbar, weiß sehr gut zwischen den Fronten “Ich geb meinem Schatzi noch eine Chance” und “Ein bisschen nervt es mich ja schon, dass er sich nicht durchsetzenkann” zu springen; Michael Fassbender wurde als Steve eine reichlich undankbare Rolle zugeschrieben, eine.. die auf lustlose Kompromisse abzielt und sich bloß nicht in den Vordergrund drängen will – auf der Rückseite des “Eingangsschild”, so könnte man meinen, prangt eine Botschaft für das Pärchen. Und dann kommt es zum Eklat. Ein blutiger Eklat und ein sehr bodenständiger Eklat, insofern punktet Eden Lake auch hier noch. Alles irgendwie an der Realität festgebunden; fremdenfeindliche Haltungen, die gerade so eben durchschimmern, Jugendliche in Grüppchen, die nur eine Alphatier benötigen, um ihre schlimmsten Züge zu zeigen und.. ach, das große große Missverständnis zwischen diesem Zuckerguss-Pärchen und den Jugendlichen.

Steve: I promise, the quarry’s fucking stunning.
Jenny: The quarry is stunning. No ‘fucking’.
Steve: [getting closer to her] Please, miss.

Das große Missverständnis zielt nur darauf ab, zu beuteln. Zu beuteln, weil man es als höchst ungerecht empfinden sollte, dass da zwei unschuldige Menschen so zugerichtet werden. Schließlich waren es doch die Jugendlichen die angefangen haben. Die haben Diebstahl begannen, haben fast schwere Körperverletzung verursacht, wenn nicht gar Mord mit etwaiger Fahrerflucht.. aber.. wenn es um einen Rottweiler geht, dann sprudeln natürlich die Gefühle hoch und man kann sich auf keine vernünftige Basis mehr begeben. Hetzjagd durchs Dickicht, Misshandlungen unter hohen Bäumen, Trennung des Pärchens, Zusammentreffen des Pärchens – auf und ab geht das da und immer wieder besticht Eden Lake durch seine atemberaubende Schönheit, aber auch durch seine immense Größe, der man per pedes nicht wirklich Herr werden kann.

Alles schön und gut, auch ein wenig blutig geht es da zu, aber was absolut nicht funktioniert, das war dieses geheuchelte „Es sind doch nur Kinder“ – da werden Selbstjustiz und Notwehr und fast schon organisierte Folter so wild durcheinander geworfen, dass einem schwindelig werden kann. Richtig dicke kommt es natürlich am Ende, wobei niemand wirklich mit etwas anderem rechnen würde. Erlösung für die eigentlichen Sympathieträger? Wo käme das Genre denn da hin? Es muss gebeutelt werden, es muss das Missverständnis mit eigens konstruierten Lügen auf eine höhere Ebene transportieren und auch pervertieren. In der Wirklichkeit kommen die lieben Kleinen, okay, ein bisschen größer sind sie schon, ja öfters einfach so davon und andere haben das Nachsehen. Mit “Foltervideos” auf Handy aufgenommen und einer Portion schwierigem Elternhaus wird das alles auf die Spitze getrieben. Auf eine Spitze, die sehr einsam und verloren im Wind weht, so wie das Schilf am Eden Lake.

Eden Lake

Eden Lake

Kann man von gebeutelt sein, weil es wirklich nicht wie ein Film wirkt. Zumindest nicht wie ein Film, der hinter seiner Geschichte verschwindet und die Geschichte wirken lässt. Mehr wie eine bösartig subjektive Doku, die mal eben ein paar Gegebenheiten zum Anlass nimmt. Die optimistische Kindergärtnerin, die eine völlig andere, ihr nicht sonderlich freundlich gesonnene Welt betritt, wo Jugendliche bei Rot über die Ampel fahren, wo Eltern Erziehung nicht etwa vernachlässigen sondern gar nicht erst betreiben.. ach, und dann noch die Zeichen des Bösen – die Simpsons erwähnen es – eine Radiosendung über die fatalen Auswirkungen, sollte die Institution Schule wirklich wegfallen. Die Ansage des Navis hätte man natürlich auch wörtlich nehmen können: At your first opportunity, turn around.

Nicht durch und durch schlecht, aber wer sich so nah an Klischees klammert, der sollte dann im Nachhinein nicht versuchen, kluge Ansätze zu liefern, die sowieso zugunsten der nervenaufreibenden „Die Bösen kommen mal wieder davon“ auf Stummel reduziert werden. Im Prinzip ein durchwachsenes Debut, das James Watkins abgeliefert hat.. was da nur aus The Descent Teil 2 werden soll? Abwarten. Schließlich hat dieser Mann es auch in 1,5 Stunden möglich gemacht, die Erzieherin der guten Seite des Lichts in wenigen Handgriffen zu einer rächenden und blutrünstigen Selbstjustiz-Figur à la Camille Keaton als (Zufall…?) Jennifer in I SPIT ON YOUR GRAVE mutieren zu lassen. Könnte also für Überraschungen gut sein, der Mann. Aber auch für feine Dramaturgie ist er gut, denn das ist unbestritten ein Pluspunkt für Eden Lake. Schleichende Disharmonie in allen Bereichen, durch so banale Dinge wie bei Rot über die Ampel fahren symbolisiert.

Trailer, sehr triftiges Stück Vorschau, für den Kenner die passende Zusammenfassung des Spannungsverlaufs, für den Unwissenden ein möglicher Appetithappen, der einen nicht zu gesättigt oder hungrig zurücklässt.
Eden Lake – IMDB

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14 Reaktionen

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  1. Khitos sagte

    Das Ende hat nochmal richtig reingehauen, finde ich. Genau das wird wohl auch sehr polarisieren…
    Und Eden Lake zeigt, dass man auch viel mehr Angst vor Jugendlichen haben kann, als vor bösen Schatten ;)

  2. Uwe sagte

    Reingehauen hat das Ende wirklich. Eine “Die Eltern sind an allem schuld und Jugendliche sind ja durch Erziehung besser zu formen als Wachs” Plattitüde. Meinste? Irgendwie kann ich mir solche Filme nicht mehr ohne diesen Versuch zu beuteln vorstellen. Mich würde eher ein Happy Ending schockieren.
    Kann man? Ich habe mich richtig bei dem Hund erschrocken, als Jenny am See döste und der vor der stand und bellte.. aber ich erschreck mich ja auch bei “Cujo” immer wieder. ;) Und gleich danach dieses total dämliche “Buuuuh, erschrecken wir sie mal im Zelt”. Zum Reinschlagen dämlich, hat trotzdem funktioniert. Ansonsten fand ich die Jugendlichen ein bisschen hilflos in ihrer Verkommenheit. Besonders.. äh.. ich behalte mir eine Wertung vor war auch der eine Junge der Jenny mit “Miss…” anspricht.. siehe Twitter.
    Noch so eine tolle Empfehlung, der Herr? :D (Aber ja, bis auf diese Wermutstropfen war es noch nett. Aber eben nur nett.)

  3. caesar sagte

    Ich fand den Film am Anfang gut, dann nur noch mäßig und das Ende war vorhersehbar. Irgendwann war es nur noch ein “wir rennen die ganze Zeit weg und lassen und trotzdem immer weiter verstümmeln”. Relativ langweilig.
    Den Jack habe ich überhaupt nicht gemocht. Sie hätten ja auch einfach am Anfang ihre Sachen packen können…

  4. Khitos sagte

    Och mann, jetzt reichts aber auch ;D
    Ihr habt schon recht, dennoch hat mir der Film anscheinend wirklich mehr zugesprochen als euch :D
    Und ja, die zwei (Vorbereitungs-)”Schocker” haben auch – trotz vorhersehbarkeit – gesessen, auch der im Zelt.
    Und außerdem war Jack O’Connell mal so perfekt für diese Rolle, einfach wunderbar zugeschnitten auf seinen Typ.
    Und wenn ich was (tolles) zu empfehlen habe, dann sag ich dir bescheid ^^

  5. Schaps sagte

    Der Film war wirklich überraschend gut! Hatte mir nicht durchgelesen um was es im Groben geht und hatte mit einem Horrorfilm gerechnet. Aber das hier war mal wirklich was anderes. Und das Erschreckende war ja, dass es solche Menschen wirklich gibt. Was mich gestört hat war die Entwicklung der Kids…die war irgendwie unglaubwürdig. Dass da einige auf einmal Gewissen zeigen, obwohl sie selbst bei einem Mord geholfen haben…naja…

  6. Uwe sagte

    Khitos, nimms nicht persönlich, ich werde auch weiterhin deinen Empfehlungen lauschen :D
    Jack O’Connel hat wirklich dieses.. äh.. Gesicht, das man nicht ärgern möchte. (2 Episoden 3. Staffel Skins geschaut und.. mein Gott, der ist ja sowas von überdreht und in den nächsten Folgen warte ich darauf, dass er so austickt, wie er hier austickt.)

    caesar, aber.. aber aber.. sie waren doch eher da, und wenn man eher da ist, dann hat man Hausrecht und alles andere. ;)

    Schaps, na.. ob es die SO gibt wage ich sehr zu bezweifeln, ist ja schon arg konstruiert dass die Gepeinigte am Ende in die Arme der Eltern läuft und die das für ihren lieben Kleinen “regeln”. Aber der ganze Aufbau, von der kleinen Rangelei hinüber zum Unfall hinüber zur eskalierenden Situation, doch, sowas passiert jeden Tag in irgendeiner Form, und das hat er sehr gut dargestellt.

  7. spidy sagte

    Viel wichtiger ist, dass man sich den Namen Michael Fassbender merken muss.

  8. Uwe sagte

    Klingt doch zu sehr nach Fassbinder. ;)

  9. spidy sagte

    Beides deutsche bzw. deutsch abstammig :-) )))
    Warte ma ab bis du “Hunger” gesehen hast.

  10. Uwe sagte

    In guter aber nebliger Erinnerung, auf die ewig wachsende Liste gesetzt. :)

  11. spidy sagte

    Solche Liste habe ich abgeschafft, dass bringt einen auch nicht schneller voran. :-)
    Hab’ eh mein ganzen Filmkonsum enorm eingeschränkt.

  12. Uwe sagte

    Listen beruhigen. ;)
    Solange du keine ungesunde Ersatzsucht ausgekramt hast

  13. spidy sagte

    Nein, nein keine ungesunde Ersatzsucht wurde ausgekramt.

  14. Uwe sagte

    So soll es sein!



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