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White Dog (Die weiße Bestie oder: Der weiße Hund von Beverly Hills)

White Dog

White Dog

Spätestens jetzt sollte man sich von der Angewohnheit, den eingedeutschten Titel als Qualitätsmerkmal oder gar als aussagekräftige Skizzierung zu betrachten, verabschieden. Im Falle von Samuel Fullers „White Dog“ kann man aber nicht umhin, gewisse bestialische Ausbrüche festzustellen und niemand wird es einem völlig verübeln können. Da wäre diese Poster, so ziemlich alle bis auf das von Criterion, da wäre dieser Trailer und an allen und Ecken schimmert das geplante Vorhaben durch, den weißen Hund als filmische Gefahr vorzuführen; dem Haifisch das Wasser, den Vögeln die Luft, dem „white dog“ die Erde. Selbstredend verdient Fullers Film diese plumpe Betrachtungsweise nicht, ebenso wenig verdient hat er das vorschnelle Abstempeln mit R wie Rassismus zur Erscheinungszeit.

Die mal mehr, mal weniger erfolgreiche Schauspielerin Julie Sawyer (Kristy McNichol) fährt nachts einen Hund an, bringt ihm zum Tierarzt, wo man lapidar „pound“ empfiehlt. Tierheim, nach 3 Tagen nicht abgeholt, dem Tier würde die Einschläferung drohen und so entschließt sich Julie, den weißen Schäferhund – ja, subtil ist das nicht wirklich – aufzunehmen. Ein liebenswerter und gehorsamer Hund, dessen Rettung sich auch wenig später auszahlt, da die allein lebende Julie zur späten Stunde von einem Einbrecher und Vergewaltiger überfallen wird. Doch dann kommt es zu sehr unangenehmen Vorfällen, die darauf schließen lassen, dass der Hund vorsätzlich darauf abgerichtet wurde, Menschen dunkler Hautfarbe anzugreifen, gar zu töten.

Julie sucht Herrn Carruthers (Burl Ives) auf, dieser betreibt „Arche Noah“, eine Trainingsanlage für Tiere, die für Fernsehproduktionen und andere Unterhaltungszwecke gezähmt und geschult werden müssen. Im Büro hängt eine Dartsscheibe in Form von R2D2 und das nicht ohne Grund, Herr Carruthers verdient sein Geld damit, Tieren Kunststücke beizubringen aber er fürchtet die sich anbahnende Epoche, in der die Leute nur noch leblose Roboter und andere Spezialeffekte sehen wollen und sein Geschäft erheblich unter diesem Trend leiden wird. An dieser Stelle darf jeder einen kurzen Realitätsabgleich vornehmen.
Carruthers identifiziert Julies Hund zugleich als waschechten „white dog“, klärt sie über die Gefahr, die von diesem Tier ausgeht auf und empfiehlt zum Schreck Julies ebenfalls die Einschläferung. Je eher, desto besser. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, so hat es sich der dunkelhäutige Trainer „Keys“ (Paul Winfield) zur Aufgabe gemacht, die konditionierte Tötungsmaschine umzupolen.

Das erweist sich als sehr gefährliches Unterfangen, immer wieder bricht der Hund aus, immer wieder gibt es Rückschläge. Selbst Julie hat sich mittlerweile von ihrer gütigen Haltung verabschiedet und will diese Gefahr auf 4 Beinen nicht mehr in ihrer Nähe wissen.
Das B wie B-Movie anlastende Ambiente weiß Fuller sehr gezielt mit durchdacht eingesetzten Effekten auszuschalten. Die Konfrontationen im großen Käfig sind mit Slowmotion, Perspektivenwechsel und Ennio Morricones Score alles andere als trashig untermauert.

Die Sache mit dem Behaviorismus und dem eingeimpften Hass auf dunkle Haut wird stellenweise, wenn auch nicht durchdringend beleuchtet, die rassistischen Trainer haben notleidende, dunkelhäutige Menschen dafür bezahlt, die zu trainierenden Hunde seit frühester Kindheit zu misshandeln. Auf der Gegenseite die weißen Besitzer samt Familie, die den Hunden nur positive Impulse vermitteln. Schwarz-Weiß-Malerei in ihrer perversesten Form, die man sich vorstellen kann. Von den Cujo-Momenten, die aber nicht der Rede wert sind, Fuller konzentriert sich nicht auf Schauwerte was schon zu Beginn im nur hörbaren Unfall verdeutlicht wird. Vielmehr ist es eine doch sehr sensible Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema und während des „Umprogrammierens“ wird erst langsam klar, wie tief dieses gedankliche Gift schon vorgedrungen ist und ein völliges Abtrainieren scheint mehr als utopisch. Im Bestfall eine Umorientierung. Doch was wäre das, bei einem Tier, das auf Menschenangriff erzogen wurde? Parallel dazu, was wäre es, wenn man einen Rassisten von einer Hautfarbe zur nächsten bringen würde? Der Hass, die tiefsitzende Furcht vor Unbekanntem, die in sich getragenen Wertvorstellungen und viele andere Faktoren würden nicht einfach so aus der Welt verschwinden. Es gibt da den Knackpunkt Ende und eine Schlüsselszene.

Das Ende zeichnet eine deprimierende Vermutung. Dass es nicht möglich sein wird, diesen Hund zu heilen, ihn wieder gefahrlos frei rumlaufen zu lassen. Die Konsequenz und die Folge der Umprogrammierung zögert sich eine Weile hinaus, um in einer sehr bedrückenden Einstellung ein Ende zu finden. Davor bekommt Julie Besuch von einem alten Mann. Opa und 2 Enkelinnen, die ihren Hund suchen. Stolz wie Oskar antwortet dieser auf Julies Nachharken, dass er den wohl besten white dog besessen hätte. An dieser Stelle bricht der B-Movie leider sehr stark durch, Julie, die anfangs noch für Hoffnung und Verteidigung des manipulierten Tieres stand, hat nur noch Schimpfwörter für den Mann übrig. Keine Rücksicht auf Verluste, keine Rücksicht auf die Ohren der Kinder und dabei bleibt so einiges auf der Strecke. Der Kontext des Besitzers, der da gerade vor Julie steht, Schokolade und Dankbarkeit im Gepäck. Warum und wieso es dazu kam.

Ob es ein traumatisierender Überfall war, ob es sich wie eine vererbte Krankheit durch die Familie zog und er schon von klein auf beigebracht bekam, wer die Guten, wer die Bösen sind? Warum den Kindern nicht einfühlsamer verdeutlichen, was ihr Opa da fertig gebracht hat? Eine nicht unproblematische Szene, die aber in gewisser Weise das deprimierende Ende ein wenig relativiert, sofern man sich ein Stück Resthoffnung bewahren konnte: es gilt, das Problem an der Wurzel zu packen, die Verschleppung über Generationen muss durch Aufklärung unterbunden werden. Und gemäß der vermuteten Romanvorlage, die auf einer ähnlichen, wahren Begebenheit beruht, ist nicht das Tier die weiße Bestie. Die Bestie, die ist auf 2 Beinen unterwegs und in allen Reihen zu finden.

Ein eigenwilliger Film. Aber auch ein eigenständiger Film, der weder Cujo, noch Madhouse, noch Soldatenhund oder Werwolf im weißen Schafspelz sein möchte. Dass Morricone da ein maßgeschneidertes Stück Stimmungsschwankung, dem Gemüt des Hundes sehr gut nachempfunden, vollbracht hat, müsste eigentlich nicht sonderlich erwähnt werden.. eigentlich nicht, aber dann doch. Kostprobe samt Filmausschnitt eine Zeile tiefer und nach dem Klick.

/Trailer.

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5 Reaktionen

Es gilt die Netiquette.

  1. bezahlte Umfragen sagte

    Ich mag den Film =))

  2. Tobi sagte

    Da ich gesehen habe, dass dieser Film heute im Fernsehen(leider in einem Sender den ich habe), habe ich mal danach gegoogelt, da dieser Film früher hin und wieder im Free- TV kam(ichglaube auf Sat), was allerdings schon eine gefühlte Ewigkeit her ist.
    Der Film lief im Fernsehen glücklicherweise unter dem Titel”Der weisse Hund von Beverly Hills” und nicht unter dem irreführenden Titel “Die weisse Bestie”, welcher den Verdacht nahe legen würde, dass der Hund hier das UNTIER (was er bestenfalls gezwungenermaßen ist)ist und nicht der Mensch oder die Menschen, die ihn dazu gemacht haben. Natürlich steht trotzdem das antrainierte Verhalten des Hundes im Mittelpunkt, somit schwingt die Rassismus- Thematik eigentlich nur automatisch mit, ohne dass irgendeine Form von Analyse oder Psychologisierung derselben stattfindet.
    Vor dieser langen Zunge des Hundes wird mir aber heute noch mulmig, und vor allem die Schluss-Sequenz, sprich das Standbild am Ende(ich glaube, da läuft schon der Abspann mit) fand ich immer schrecklich und furchtbar traurig.

  3. Uwe sagte

    Deutsche Titel und ihre leicht manipulierende, meist verfälschende und dümmliche Art.. naja, “White Dog” einfach stehen lassen wäre ja auch zu einfach.

    Echt? Habe bei tvinfo.de nichts entdecken können, was für ein toller Sender war das denn?

  4. Tobi sagte

    Der Sender heisst ANXIE SD, habe ich noch nie gehört. War auch ein Schreibfehler von mir, meinte natürlich ,dass ich den Sender NICHT habe. Trotzdem ist der Film in der aktuellen TV-Movie bei den Spielfilmbewertungen mit einem kurzen Check dabei(inklusive Foto des Hundes), und wird dort auch positiv bewertet(“Radikaler Reißer mit Tiefgang”).

  5. Tobi sagte

    Kleine Richtigstellung: Der Sender heisst ANIXE SD und ist offenbar ein neuer frei empfangbarer Sender. Ich habe ihn jedenfalls doch und nachdem ich mich erstmal kräftig geärgert habe, dass der Film gestern praktisch zwei Stunden nach meinem Posting lief, habe ich gesehen, dass er in einer Woche nochmal gesendet wird(ein Freudesmilie wäre jetzt nicht schlecht).
    Hier mal der Link dazu, ist sogar ein kurzer Trailer dabei:
    http://www.anixehd.tv/index.ph.....id=188443#
    Übrigens sehr interessant, dass der Film hier als “Kriminalfilm” bezeichnet wird, das klingt für mich wie der Mittelweg, wenn ich “Thriller” und “Drama” nicht unter einen Hut bekomme.



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