
Trick 'r Treat 2009
Great mummy costume
Es ist aber auch ein Kreuz, wenn es keine passenden Filme gibt. Dann kann man schon mal dazu übergehen, Saw 1 bis Ende offen als kompatibles Thema zu verkaufen und die blutige Schiene fahren. Und mal ehrlich; so wirklich „fresh“ auch im Sonne von Rotten Tomatoes ist nicht viel, von Carpenters Urgestein Halloween mal abgesehen.
Umso erfreulicher also die Tatsache, dass es Michael Doughertys Trick ‘r Treat jetzt doch noch geschafft hat, überhaupt gesehen zu werden, denn die Mischung aus verbundenen Episoden à la Creepshow und unbekanntem Filmchen mit erstmal netter Kulisse ist eine wahrhaftig gelungene Achterbahnfahrt im Genre, die an so ziemlich jeder Ecke überzeugen, wie auch immer man überzeugen jetzt auch auslegt, mag.
Ein eiskalter Schauer der Erinnerung wandert am Rücken entlang, wenn Dylan Baker als Principal Steven Wilkins auftritt und sein Sohn auch noch Billy (Connor Christopher Levins) heißt. Eiskaltes Kalkül oder ein launischer Zufall? Da müsste man Dougherty schon selbst fragen.
Trick ‘r Treat hat eine kurze und relativ schmerzlose Vorgeschichte und beginnt dann, gemäß dem Wühlen in Horrorcomics, damit, 4 Geschichten zu und an Halloween zu erzählen.
Da wäre jener Schuldirektor, dessen Charakter sich mit einem minimalen Gespür für Zynismus schon recht gut erahnen lässt, am Anfang gibt es ein Pärchen, dessen miesepetrige Hälfte daran erinnert wird, die Halloween-Traditionen doch bitte zu respektieren.

Trick 'r Treat - Wandmalerei
Genau darum dreht es sich, das hält die 4 Geschichten zu einem kongruenten Etwas zusammen: Halloween hat Traditionen wie z.B. das obligatorische Überprüfen der eingesammelten Süßigkeiten (always check your candy), niemals niemals nie eine Jack O’Lantern löschen und ein Kostüm wäre auch von (Überlebens)Vorteil.
Es hat jetzt natürlich recht wenig Sinn, jede Episode für sich zu besprechen oder überhaupt zu viele Worte über den eigentlichen Inhalt zu verlieren, Trick ‘r Treat lebt von der eigentlichen Überraschung und der Unwissenheit und langsam bröckelnden Unbekanntheit.

Trick 'r Treat - Stalker im Walde
Dougherty versteht es überaus gut, mit Erwartungen und vermischten Gefühlen wie Nostalgie und Gruselwunsch zu spielen. Nicht alles erscheint auf den ersten Blick so klar, wie es der Zuschauer gerne hätte, aber eine nicht zu durchdringendes komplexes Irgendwas ist es dann eben auch nicht – eine treffsichere Angelegenheit aus kurzen Spannungsmomenten, „ach doch nicht“ und „ahhh, so!“-Erlebnissen und dazu eine überaus große Portion fiesestem Humor und Sticheleien, der bei der bloßen Happiness-Assoziation noch lange nicht aufhört. Versteckt eure Kindergeschichten und andere zitierfähige Dinge, denn sie könnten euch heimsuchen kommen. In welchen Formen und zu welchen Ereignissen, nun das muss jetzt der Angst schaffenden Phantasie und U(uhuhuuu)nwissenheit überlassen werden.
Über jeden Zweifel erhaben ist die Optik. Das begann schon bei den wunderbaren Postern und setzt sich in dem konsequenten Vorhaben, Gruselcomics zu imitieren, fort. Trick ‘r Treat hat Momente, die sind poliert, glänzend und detailverliebt, wie es nur eine echte, eingeschweißte Sonderausgabe eines Comics sein könnte. Dann gibt es bedächtige Einschnitte, Rückblenden und Schauspielkunst, die schon mehr an Familiendramen à la Solondz oder Versagertum à la Gebrüder Coen erinnern und selbst da hört die Vielfältigkeit nicht auf, denn so ein bisschen B-Movie mit den gewissen Ausbrüchen steckt natürlich auch im Gesamtpaket.

Dylan Baker und Brett Kelly
Die Sache mit dem vielfach beschworenen „instant classic“ und „Kultfilm“ – streitbare Begriffe – wird sich noch herausstellen müssen. Aber momentan scheint zumindest der Kurs eindeutig auf wachsende Bekanntheit zu stehen und das ist erstmal sehr erfreulich für einen Genrebeitrag dieser Art.
In einem Satz und irgendwo vortrefflich im Geiste des Films beschreibend: like giving poisoned candy to a baby – only the baby wants more! (Craig McPherson from Montreal, Canada)
Es lebe der Sammelband, es lebe das neu entdeckte Genre Halloween und es lebe das hype-gestörte Publikum damit, dass jeder Hype jeden Film zerschellen lassen kann. Natürlich darf man eben KEINE durchgehende Anspannung und Horror erwarten, bis die Knochen knacken.. und ob Comics eine auf Nachhaltig- und Nachdenklichkeit ausgerichtete Form der Unterhaltung sind.. äh..naja, „kommt drauf an“.
Randbemerkung: fast hätte es mich überkommen und der Titel wäre zu Trick ‘r Treat: Shockwork Orange geworden. Aber eben auch nur fast.
Ich glaub für mich wäre der echt zu Hart!
Hammer Film, endlich mal wieder einer der wirklich gut anzuschauen ist warte schon ewig wieder auf nen film diesen standarts… nich nur horror sondern auch dieses gewisse etwas alla Geschichten aus der Gruft etc. Wahahahahaha