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Les revenants (They Came Back)

Les revenants (They Came Back)

Les revenants (They Came Back)

Wäre das hier das Internet, müsste es so ablaufen: ein Zombiefilm. Und alle so: “Yeaahh” - Dann könnte man kurz sagen, dass man dieses Yeaahh nicht leiden kann und sich in Sicherheit wiegen, denn hier ist nicht das Internet sondern nur ein Vorort. Genauso sonderbar und auf Umwege fixiert verhält es sich mit dem französischen Film Les revenants von Regisseur Robin Campillo, der wiederum Schreiberling für das Lehrerdrama Entre les murs & Vers le sud mit Charlotte Rampling war. (Und die gute Frau Rampling könnte man z.B. aus Désaccord parfait – Wir verstehen uns wunderbar kennen.) Zumindest ein bisschen Entwarnung kann vorab gegönnt werden, Campillo stellt sich als Regisseur besser an, als er es als Schreiberling tat. Auch ist die ganze Idee, die er da mit Les revenants hatte, eine wirklich gute Idee und ein – vorausgesetzt stimmig umgesetzt – völlig anderer Ansatzpunkt im Zombie-Genre.

Schon allein das Wort Zombie und alle folgenden Streitgespräche über richtiges Aussehen, Lauftempo und „Braaaains“-Gestöhne bleiben aus. Komplett. Man könnte meinen, hier geht es gar nicht um Zombies. Denn was passiert in Wirklichkeit?

In Wirklichkeit kehren sie zurück. Mit sie sind hier die kürzlich Verstorbenen gemeint. Eigentlich weltweit viele Millionen an der Zahl, aber so um die 17.000 in irgendeiner namenlosen, französischen Stadt, die sich jetzt mit diesem Umstand beschäftigen muss, um die soll es jetzt gehen. Am Anfang marschieren sie gemütlich vom Friedhof weg. Völlig unversehrt, in ihren guten Kleidungsstücken, keine Spur von Hirnhunger und anderen typischen Verhaltensauffälligkeiten.
Stellvertretend für die ganze Welt machen sich jetzt einige schlaue Köpfe der Stadt aus allen möglichen Institutionen Gedanken darüber, wie man diese Situation anpacken soll, es muss Arbeit und Unterkunft her, ihre Absichten erscheinen nicht ganz klar, der Grund der Rückkehr wäre gut zu wissen und Untersuchungen in puncto „Gemächlichkeit, langsamen Reflexen und niedrigerer Körpertemperatur“ wollen auch gemacht werden.

They Came Back

They Came Back

Fernab von dieser Ebene verändert diese Rückkehr natürlich auch das Leben der einzelnen Menschen. Die verstorbene Ehefrau kehrt zurück, ein verunglückter Freund, ein verstorbenes Kind; alles geliebte Menschen, die auf einmal vor einem stehen, als ob nie etwas gewesen wäre. Es beginnt sehr interessant zu werden, jahrelange Bewältigung und Akzeptanz des Verlierens werden über den Haufen geworfen und man wird quasi dazu gezwungen, sein altes Leben wieder zu ordnen und so weiterzumachen wie bisher. Aber ist das wirklich so problemlos möglich, überwiegt die Freude, die Dankbarkeit soviel Glück gehabt zu haben, dass man geliebte Menschen wieder in die Arme schließen kann? Nein, so einfach ist es nicht, zumindest nicht bei denen, die Les revenants ins Auge fasst. Der eine stürzt sich in die Arbeit, die andere geht auf etwas Abstand, Eltern werden über ihr zurückgekehrtes Kind damit konfrontiert, dass sie völlig unterschiedlich an die Sache gehen und ja, dann wäre da auch noch dieses Problem, das niemand so wirklich übersehen kann: sie sind zwar körperlich wieder zurückgekehrt aber wie steht es mit der Persönlichkeit?

Dramatisch, wenn auch enttäuschend oberflächlich abgehandelt wird da von „mémoire“ (Gedächtnis) & „écho“ (´ weg und Großschreibung dazu denken) gesprochen. Die
Zombies, die eigentlich nie Zombies genannt werden, bestreiten ihre alltäglichen Gespräche mit bloßen Erinnerungen aus ihrem vorherigen Leben, mit Wortphrasen und Floskeln, die sie zu Lebzeiten schon gebraucht haben, hinzu kommt eine einfache Form von Erwiderungen auf Basis des Gesprächsinhalts.

So kommt es, dass die Zurückgekehrten mühselig eingearbeitet werden, rund um die Uhr „betreut“ – kleinere und größere Fingerzeige in Richtung Big Brother inklusive – werden. Es kommt raus, dass nicht jeder bereit ist, sich seine(n) Zurückgekehrten wieder ins Leben zu holen, dem einen leuchtete das schon vorher ein, anderen dämmert es erst nach und nach, wenn sie das gänzlich leere Lächeln der Frau nicht mehr in ihrer Nähe ertragen können.

Es ist wie gesagt eine ganz große Idee, die da verfilmt worden ist, es ist eine völlig untypische Zombie-Parabel, die ähnlich wie Fido – Gute Tote sind schwer zu finden einen oder zwei Blicke auf das „Miteinander“ wirft, jedoch die Zombies nicht als typische Zombies darstellt und sie schon gar nicht in den Mittelpunkt der „Handlung“ stellt. Im Mittelpunkt steht dieses Städtchen und ihre Bewohner und ihr Bemühen, mit dem erneuten Leben zu leben, sich daran zu erinnern, warum man diese Frau geheiratet und geliebt hat und warum es einem jetzt so schwer fällt, ihr ins Gesicht zu schauen.
Große Fragen des Lebens. Was tun, nach einem Einschnitt wie dem Tod? Wie damit über die Jahre fertig werden, als einzelne Person und ungeachtet der Tatsache, dass immer gestorben werden wird? Und was, als utopische Filmfrage, tun, wenn diese Überwindung jetzt obsolet ist und man sich stattdessen erneut überwinden muss, zueinander zu finden?

Große Fragen, sehr abstrakte und entfernte Thematisierung durch alles, was der Film einem vorsetzt. Keine einzige der Einzelgeschichten vermag es, wirklich ein Gefühl für diesen Konflikt zu vermitteln, alles ist ungewiss und mehr als großzügig interpretierbar umrissen, dazu kommt ein gefühltes Erzähltempo, das man noch unter „Grave“, „Adagietto“ und wie sie alle heißen einordnen müsste; 8 von 10 Zombiefreunden würden abschalten und wirklich verübeln könnte man es ihnen wahrlich nicht. Doch dann bleiben da 2 übrig und die werden nicht minder ratlos bleiben, werden sich über alle Konsequenzen, Hintergründe und Einzelschicksale die Köpfe zerbrechen und immer wieder darüber stolpern, dass Les revenants zwar A sagt.. aber bis Z erstmal alles für möglich oder unmöglich oder ganz offen hält. Das ist mehr als zweischneidig; es kann zu zahllosen Denkanstößen und Hinterfragungen führen, aber auch in die eigene Belanglosigkeit durch überzogene Abstraktion. Mit sehr viel gutem Willen würde ich noch eher zum 2. tendieren, doch das ändert nichts an der respektablen Ausgangsidee und deren anfänglich überaus attraktiven Inszenierung.
Eine Mutter im Film beklagt sich über den zurückgekehrten Sohn in etwa folgendermaßen und sagt, dass er zwar irgendwie wieder zurück sei, aber irgendwie auch wieder nicht.

Auf das gesamte Werk transferiert: man hat da so einen untypischen „Zombiefilm“ gesehen, aber irgendwie auch wieder nicht. Eine langatmige Entscheidung, die der geneigte Zuschauer da treffen sollte und eigentlich auch muss, denn an die führende Hand einer erklärenden Handlung kann man sich hier nicht sonderlich gut klammern und sollte hier und da ein Fingerzeig erscheinen, so zeigt er auch nur wieder völlig ungerührt auf die nächste Weggabelung.

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13 Reaktionen

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  1. Yuki_Keylin sagte

    Du schreibst immer so viel, da weiß man gar nicht, was man kommentieren soll. *lach*

    Habe dich übrigens gerade mit dem “Kreativ Blogger Award” ausgezeichnet. ;-)

  2. Uwe sagte

    Dafür habe ich ja wohl die Frequenz mehr als großzügig runter gesetzt, würde ich mal behaupten wollen

    Uiiiii, das sieht zwar nach sowas wie einem Stöckchen aus, aber natürlich bedanke ich mich dafür. Zumal..wenn das von DU nach M geworfen wird. :)

  3. Yuki_Keylin sagte

    Hehehe… Tja, so nett bin ich halt. Es gibt nur gewisse Leute, die das wohl nicht so recht sehen wollen. ;-)

  4. Uwe sagte

    Leute gibts, die gibts gar nicht! :)

  5. Yuki_Keylin sagte

    Willst du meine Existenz etwa anzweifeln?

  6. Uwe sagte

    Niemals! Die Existenz der anderen Leute.

  7. Yuki_Keylin sagte

    Hehehe…
    Das hätte ich jetzt auch gesagt. ;)

  8. Uwe sagte

    Lässt ja tief blicken! ;)

  9. Yuki_Keylin sagte

    Bei mir oder bei dir? :mrgreen:
    *pfeif*

  10. Uwe sagte

    Mein Schwein pfeift. Hörst du es auch? ;)
    Wer weiß, wer weiß.

  11. Yuki_Keylin sagte

    Jetzt hör ich’s. Jetzt hör ich’s nicht…
    Bei euch Moersern weiß man ja nie. :D

  12. Uwe sagte

    Ich glaube den Satz muss ich dir löschen. Könnte nämlich eine arge Verwechslung mit einem Stromanbieter sein! (Du weißt schon, jetzt zahlen, jetzt nicht zahlen) :-O

    Weiß man ja nie, wie es gemeint ist, weil die blumige Sprache nicht die deinige ist? Verstehe. :P

    (Wann setzen wir einen Schlusspunkt? Jetzt? Jetzt nicht?)

  13. Yuki_Keylin sagte

    *lach* :mrgreen:

    Jetzt nicht.
    Doch! Jetzt!



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