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Angel-A

Angel-A

Angel-A

Und was machen wir jetzt?

André (Jamel Debbouze) steckt ganz schön in der Tinte. Erfolglos als Verbrecher, hoch verschuldet bei sogenannten Freunden und Geschäftspartnern, die so langsam die Geduld verlieren und das alles muss er auch noch alleine durchstehen. Unter diesen Voraussetzungen macht nicht mal Paris wirklich Freude und so denkt sich André, dass er seinem Leben auch gleich ein Ende bereiten könnte, bevor andere es durch unschöne Methoden erledigen. Doch nicht mal ungestört von einer Brücke kann sich der arme André stürzen, denn er bemerkt die große, blonde Angela (Rie Rasmussen), die selbiges vorhat. Ein kurzes Streitgespräch später rettet André die spontan handelnde Angela und fischt sie aus der Seine.

Von nun an hat André eine ständige Begleitung an seiner Seite, die gelinde gesagt mehr als nur eine große Nervensäge ist; denn Angela ist nicht auf den Mund gefallen, erweist sich als überaus klug und patente Schuldentilgerin. Klar, dass es da auch zu Meinungsverschiedenheiten kommen muss, der kleine Macho, der sich selbst nichts zutraut und noch weniger eingesteht hat auf einmal eine hübsche Frau an seiner Seite, die vieles – wenn nicht alles – besser weiß, besser macht und besser sieht als er. Einen Plan hat sie auch: sein Leben entrümpeln, Schulden zurückzahlen, den Kopf freimachen und seine schönen inneren Werte den Weg zur Außenwelt aufzeigen.

Der geneigte Leser der frühen Stunde wird es schon mitbekommen haben; Angel-A wurde hier schon mehrmals erwähnt.. aber irgendwie war mir sehr danach, dem Film eine neue Chance zu geben. (Außerdem kennt man das ja, alte Texte sind immer lausig formuliert, schlecht durchdacht und beleuchten nie die Aspekte, die man eigentlich beleuchten wollte.)
Und siehe da, die wunderbare Grundidee gepaart mit dieser zauberhaften Darstellerin hat nichts von ihrem Charme verloren, wenngleich es da doch Defizite aufzuzählen gilt. Aber der Reihe nach.

Es dürfte mehr als offensichtlich sein, was Angela ist, ansonsten starre man gemütlich ein paar Minuten auf den Titel Angel-A und gucke vielleicht mal im englischen Wörterbuch nach. Regisseur Luc Besson (Nikita, Léon, Le Cinquième Élément) hatte einiges im Sinn, aber ganz bestimmt keine Verschleierung des Leitmotivs Engel. Titel, plumpe Bemerkungen ihrerseits und günstige Positionen hinter Statuen mit Flügeln, alles gibt mehr oder weniger dezente Hinweise darauf, dass André mit Angela einen wirklich himmlischen Beistand erhalten hat. Doch auch Gottes verwaltenden Helferlein sind kein Allheilmittel, schon gar nicht gegen skeptische, unbelehrbare Typen wie André es eben ist. Dieser möchte Beweise, möchte sein Ding alleine durchziehen, will bloß nicht bloßgestellt werden aber irgendwann sollte es ihm doch dämmern, dass sein Handeln nach einem Korrektiv in Form eines 1,80 großen Engels mit dem „Aussehen“ Flittchen verlangt.

Angela und Andre

Angela und Andre

Bis zu einem gewissen Grad ist Angel-A als charmante Komödie verfasst, eine gute Portion Binsenweisheiten in den flapsigen Dialogen, hier und da eine Andeutung und ein Bad im Selbstmitleid und das obligatorische Antreiben nach Veränderung, die bei einem selbst ansetzen muss, um auf die Außenwelt überspringen zu können. So abgedroschen, wie es sich anhört, wird es stellenweise auch leider transportiert. Interessanter wird es, wenn die oberflächlich triebhafte Zuneigung Andrés in wahre Gefühle umspringt und Zuneigung zu seiner Schutzpatronin entwickelt und diese sichtlich überfordert mit ihrer Mission zu sein scheint. Ja, auch Engel scheinen es schwer zu haben, immer diese gleichen Abläufe, immer diese „was ich nicht sehen kann das glaube ich nicht“-Menschen die auch immerzu von ewiger Liebe faseln und dabei keinerlei Vorstellung von Ewigkeit besitzen können.

Rie Rasmussen verkörpert ganz schön viele Facetten, das vorlaute Flittchen, die eiskalte Geschäftsfrau und die Philosophin in spe sind nur einige ihrer Rollen; auch die gebrochene Frau, wenn man überhaupt von Frau sprechen kann, ohne Vergangenheit, zwischen scheiternder und beendeter Mission hin und her gerissen; wenn sie weint, weint man mit, wenn sie die Fassung verliert, dann findet man das durchaus nachvollziehbar. Ihr gegenüber, ein paar Köpfe tiefer, gibt Jamel Debbouze nicht auf, den doch recht einseitig gehaltenen Charakter mit Leben zu erfüllen. Nun, das gelingt nicht vollständig, aber zumindest entwickelt sich keine Antipathie und kein Gedanke an die vorhin verworfene Idee mit der Brücke.

Angel-A verzichtet auf Farbgebung, aber nicht auf bewegte Arbeit mit der Kamera und auch nicht auf bildhafte Tonelemente. Das alles hat Charme, das alles hat eine schöne Idee als Grundlage und eine wirklich himmlische Hauptdarstellerin, die man nicht oft genug lobend erwähnen kann. Was der ganzen Sache zur Vollendung nur gebraucht hätte, wäre ein gewisser Grad an Timing, an Gefühl für Übergänge und verknüpfende Elemente. Manche Begebenheit kommt einfach zu abrupt, manch gelüftetes Geheimnis scheint zu wenig ausgearbeitet, auch erscheint die Vorgehensweise eines Engels, der erstmal nicht zur Selbstständigkeit erzieht ein wenig paradox, aber eigentlich sind das Defizite, über die man großzügig hinwegsehen kann. Angel-A ist ein nicht völlig geschliffener Diamant, ein kleines Paradebeispiel, wie man eine romantische Komödie auch aufziehen kann und wenn man es denn gerne direkt und „von Herzen“ aber nicht allzu wissenschaftlich mag, dann auch ein kleiner Ratgeber für die Schmiedekunst des eigenen Glücks.

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4 Reaktionen

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  1. Sabine sagte

    AAh … danke lieber Uwe

    ich erinner mich, dass es so einen Film gibt, dass ich ihn mal sehen wollte und … vergaß …

    Ich denk, da gibts was zum Nachholen

    Liebe Grüße
    von
    Sabine

  2. Uwe sagte

    Gerne!
    Du wirst nicht enttäuscht werden, versprochen.

  3. mcgrath sagte

    mein absoluter lieblingsfilm der letzten monate… soooo wunderschön und herzerwärmend, ohne kitischig zu sein und langweilig schon gar nicht… einfach der wahnsinn, luc besson ist ein genie!!! und die akteure erst:)

  4. Uwe sagte

    mcgrath, Zustimmung, Zustimmung und ich glaube noch einige Male mehr Zustimmung. :)



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