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The Nine Lives of Tomas Katz (Die neun Leben des Tomas Katz)

The Nine Lives Of Tomas Katz - Happy Eater Albtraum

The Nine Lives Of Tomas Katz - Happy Eater Albtraum

Tuning Fork of Annihilation: Broadcast a melodious hum of this durable stainless steel tuning fork across the airwaves and cause the destruction of all domestic televisions and the death of all children who hear it. Wow, what will they think of, next?

Ein Allerweltsthema, betrifft es doch schließlich die Welt an sich. Prosieben wird nicht müde, in mal mehr, mal weniger regelmäßigen Abständen schrottige Produktionen à la Feuersturm über Stadt X, wenn Stadt XY versinkt, wenn die Flut dich holen kommt, Tornados über Berlin und was noch alles auf die Zuschauer los zu lassen, Roland Emmerichs 2012, das Weltuntergangsspektakel in Anlehnung an den Maya-Kalender, steht auch schon in den Startlöchern um eine höchstwahrscheinlich sehr unfreiwillig komische Materialschlacht zu sein. Gott sei Dank gibt es dann noch Galileo Mystery, heißer Anwärter auf das beste Wissensformat von Welt, wo den Leuten erklärt wird, dass das ja nicht so, auch nicht so, sondern irgendwie dazwischen so ist und der noch halbwegs wache Zuschauer dürfte bemerkt haben: diese Sendung hat auch nicht wirklich weitergebracht, geschweige denn neuartiges Wissen offenbart, wie es doch schon so oft versprochen wurde.

Man kann sich auch gänzlich anders mit der Apokalypse beschäftigen, es muss nicht mal der Science Fiction Film sein, der einen Trupp zur Rettung der Welt losschickt, es muss kein Spektakel im Weltraum sein, wo die Menschheit sich eine neue Bleibe sucht, nein, es kann auch einfach eine höchst satirische Auseinandersetzung mit dem Sujet „end of the world“ sein.
Ben Hopkins (37 Uses for a Dead Sheep) lässt mit The Nine Lives of Tomas Katz einen Mann auftauchen. Wie unschwer zu vermuten war, handelt es sich bei dem Herrn um jenen Tomas Katz. Woher er kommt, das weiß man nicht so genau, wer er ist, tja.. das weiß man sowieso nicht, da er gewisse Fertigkeiten besitzt und öfters die Gestalt anderer Personen annehmen kann, gerne auch hypnotisierend wirkt. Dieser Tomas Katz ist die Zerstörung in Person und beginnt, nachdem er auf der Motorway M25 aus einem Gulliloch gekrochen ist, Chaos über die Stadt London zu bringen.

Mehr muss man nicht wissen, ehrlich gesagt bin ich mir sogar sicher, dass man mehr nicht wissen sollte. Vielleicht noch ein Wort zu der großartigen Darstellung Ian McNeices, der den blinden Polizeichef der Stadt darstellt und sich einmal mehr in seinem spirituell geprägtem Vorgehen bestätigt fühlt.

Ansonsten hat man mit The Nine Lives of Tomas Katz die Möglichkeit, eine durch und durch abgedrehte, anfangs urbane, Apokalypse zu bestaunen, von schnellen Schnittfolgen hinüber zu flüsternden Fenstern und fiesesten Diskussionsrunden, wo an Heizkörper gekettete Kinder als „Problem der Nation“ betitelt werden, hat man so ziemlich alles, was der Endzeitstimmung in die Hände spielt. Konventionelle Ideen wie der Zusammenbruch des Bankensystems oder eine spontane Kriegserklärung an die Insel Gwupigrubynudny durch den „Minister of fish“, manchmal wird man am Boden liegen und lachen, manchmal wird man die Augen aufreißen und nicht glauben wollen, was für Einfälle da über den Bildschirm flimmern.

Die Neun Leben des Tomas Katz - Kinder

Die Neun Leben des Tomas Katz - Kinder

Für einen Film, der derartig auf alt, low budget und schwarzen Humor getrimmt zu sein scheint, bieten die neun Leben des Tomas Katz aber auch noch bezaubernde Musik für alle Lebenslagen. Ob Heine, russischer Chor oder doch fetzige Stücke à la Terra Ferma – Lunar Sunrise, das Gehörte verzahnt sich so wunderbar mit dem Gesehenen, dass man sich eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich bewusst sein kann, dass da gleich die Welt im Chaos untergehen könnte. Wer hätte es gedacht, bis auf den blinden Mann scheint das auch niemand sonst wirklich sehen zu wollen.

They’re stuffing the world with stuff!

Eine bitterböse Huldigung an eine utopische, vermeintlich bessere Welt, die einfach nur von dem zu viel an „allem“ befreit werden muss. Bitterböse, stellenweise zum Totlachen und in der so simpel gehaltenen Visualität einfach ein wahnsinnig fesselnder Rundgang durch London. Im Zeichen der Zerstörung und inhaltlichen Neuausrichtung, versteht sich. Dabei müssen nicht nur einige Einrichtungen der öffentlichen Ordnung in ihrer ursprünglichen Form dran glauben, auch der eigene Anspruch, alles in einen Gesamtzusammenhang packen zu wollen, geschweige verstehen zu können, dürfte an der vorzüglichen Herangehensweise der Improvisation scheitern. Und das ist gut so!

No substance. No light. No Dave.

Die Grundstimmung hat schon Recht, dass Hopkins hier eine Zusammenführung von Lynch, Monty Python und anderen abgedrehten Geistern vollbracht hat. Es ist nämlich so, dass man nach Tomas Katz z.B. die Dialogzeile „Just what do you think you’re doing, Dave?“ aus Kubricks 2001 mit völlig anderen Ohren hören wird.

Tomas Katz erklaert den Krieg

Tomas Katz erklaert den Krieg

Eine beachtliche Leistung, das Ende der Welt so darzustellen, dass alle Nebensächlichkeiten von maßgeblicher Relevanz zu sein scheinen, nur eben das Ende selbst so profan und banal wie das Aussteigen aus einer U-Bahn abgehandelt wird. Was Casablanca für die Darstellung von Krieg im Film bedeutet, das ist Tomas Katz und seine neun Leben für die Apokalypse auf britischem Wege.

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