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Cashback

The bad news is that time flies. The good news is that you’re the pilot.

Ob es sich lohnt, einen mit dem Goldjungen prämierten Kurzfilm zwei Jahre später auf Spielfilmlänge auszubreiten und die Schauspieler quasi beizubehalten? Klare Antwort: das kommt auf den Einzelfall an. Klare Antwort auf den Einzelfall Cashback: aber hallo!

There is an art to dealing with the boredom of an 8-hour shift. An art to putting your mind somewhere else while the seconds slowly tick away. I found that all the people working here had perfected their own individual art. Take Sharon Pintey. Sharon knows rule #1, the clock is the enemy. The basic rule is this: the more you look at the clock, the slower the time goes. It will uncover the hiding place of your mind, and torture it with every second. This is the basic art in dealing with the trade of your time.

Aus der simplen aber authentischen Grundidee heraus, den Studenten einer Kunstakademie durch das Thema Zeit und Liebe zu schicken, entstand so eine fabelhafte und nahezu makellose Romanze der ganz besonderen Art. So besonders, weil es in meinen Augen nur wenige Filme vermochten, einen so aufdringlichen Humor à la American Pie mit einigen nackten Tatsachen und dem gewissen Etwas zu verknüpfen. Ja, aus dem Wesen des studierenden Malers heraus ergibt sich ein Film, der gerne mal verweilt wie in einem Museum, der die Zeit durch seinen schlaflosen Protagonisten anhält und beobachten lässt. Ob es die runter gefallene Tüte Süßigkeiten im Supermarkt ist, ob es die nackte Schwedin aus seinen Kindheitserinnerungen ist, für jeden Moment scheint Ben Willis (Sean Biggerstaff) ein adäquates Stilmittel in petto zu haben. Von vorne.

Cashback - Sean Biggerstaff als Ben

Cashback - Sean Biggerstaff als Ben

Ben und Suzy (Michelle Ryan) beenden ihre Beziehung. Er hat nicht das Gefühl, sie glücklich machen zu können, sie strebt immer nach mehr mehr mehr aus der Angst heraus, eine guten Typen zu verpassen. Er zieht den Schlussstrich, sie hockt wenig später bei einem anderen Kerl, ihr Gesicht sehen wir in Zeitlupe bösartig gestikulierend und artikulierend, während sie ihm nicht nur Wörter an den Kopf wirft. Es kommen die Schlafstörungen, wobei Schlafstörungen rein objektiv betrachtet schon sehr verniedlichend beschreiben, was nun mit Ben passiert. Das Ziel vor Augen, Suzy so schnell wie möglich zu vergessen und sich effektiv abzulenken, tauscht er seine durchschnittlichen 8 Stunden Schlaf gegen das aktive Leben ein. 24 Stunden pro Tag pures Leben, zielloses Busfahren oder Abarbeiten von Büchern stehen auf dem Plan, aber so wirklich mag das nicht funktionieren. Jeder kennt dieses Gefühl. Nichts vergeht schneller als das gewollt gemütliche Frühstück unter der Woche. Nichts vergeht langsamer als ein langweiliger Sonntagabend. Diese Erfahrung, multipliziert mit den Scherben einer zerbrochenen Liebe, einer nicht weiter interessanten Hochschule, ist keine schöne Erfahrung, bringt Ben dann jedoch dazu, die „gewonnenen“ 8 Stunden seines Lebens gegen Bares einzutauschen; er nimmt den Nachtdienst in einem Supermarkt an.

Der Supermarkt selbst ist eine kleine Welt für sich, mit einem abstrusen Boss, der selbstredend Kaffee aus einer „The Boss“ Tasse schlürft und gerne mal an eine etwas kleinlichere Version eines Strombergs erinnert. Dann wären da noch 2, später 3 Kollegen, die allesamt ihre eigenen Methoden haben, die Schicht durchzustehen. Schließlich wäre da auch noch die Kassiererin Sharon Pintey (Augen zum Versinken: Emilia Fox).

She caught the wrong second of a two-second story.

Cashbacks Spielfilmversion könnte man auch in viele kleine Kurzfilme unterteilen, da werden zahlreiche, prinzipiell eigenständige Kapitel präsentiert, fängt in der Schulzeit an, schwenkt zum ersten Kuss hier, Pornohefte unterm Bett da und ja, selbst für die Eigentümlichkeiten, die im Supermarkt ablaufen, hat man mehr als genügend Zeit. Alles ist durchsetzt von einer Fixierung auf Sex und Nacktheit. Shampoo in anzüglich geformten Flaschen, der ach so kluge beste Freund von Ben ist eine peinliche Nummer für sich und dann wäre da ja auch noch Bens Fähigkeit, die Zeit zu stoppen, damit er faszinierende Frauen zeichnen kann.
Der Vorwurf könnte in Richtung Verschleierung der wahren Natur gehen, man kann Cashback als völlig überzogenes, unnötig in die Länge gezogenes Komödchen sehen und sich wundern, warum es nicht zu seinen Obszönität steht. Andere machen das schließlich auch und werden auch gekauft, gesehen und für lustig befunden.

You can speed it up. You can slow it down. You can even freeze a moment, but you can’t rewind time. You can’t undo what is done. I thought about what she had seen. I thought about what she hadn’t seen. I thought about how I could explain, but the more I thought about it, the more I knew nothing I could say would make her anger go away. How long could I just wait here, delaying the inevitable?

Es ist ganz einfach. So einfach, dass es wiederum zu trivial sein könnte. Cashback verschleiert nicht(s). Weder soll die künstlerische Ader eine plumpe Entschuldigung/Rechtfertigung sein, den Großteil der weiblichen Darsteller mit entblößten Brüsten zu zeigen, noch sollen Bens Gedanken darüber hinwegtäuschen, dass Cashback ganz viel Klamauk beinhaltet.
Vielmehr vermag Regisseur Sean Ellis es zu vollbringen, einen gebrochenen Charakter im Strom der Zeit zu zeichnen, der wiederum seine eingefrorene Welt zeichnet, die Welt sich aber doch irgendwann weiter drehen muss. Allein aus dieser Verknüpfung ergibt sich ein sehr wechselseitiges Empfinden über Cashback; auf der einen Seite hat man einen innerlich gebrochenen Künstler der vergessen, verdrängen und schließlich überwinden will, auf der anderen Seite scheinen alle lustig drauf zu sein, wenn man selbst am Boden ist. Das ist Komödie, Drama, Romanze und eine Scheibe Zeitmanagement für Einsteiger und für meine Begriffe eine der makellosesten Romanzen, die man um 2006 erwischen konnte.

Cashback - Emilia Fox als Sharon

Cashback - Emilia Fox als Sharon

Nicht weiter verwunderlich, dass der Soundtrack immer wieder ins Schwarze trifft. Was mit The Power of Love und What Else Is There? sein Ende einläutet, kann einfach nur verstanden haben, was es braucht, um sich dieser Thematik erfrischend leichtfüßig und dennoch sehr einfühlend zu nähern. Großartig bis in die Schneeflocken hinein.

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12 Reaktionen

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  1. spidy sagte

    Du sollst dir nocht Cashback ansehen, sondern viel mehr DAS WEISSE BAND!!!! ;-) :-)

  2. Uwe sagte

    Das weiße Band kann aber keine so schöne Musik haben, weil Herr H. etwas gegen Musik im Film hat, wenn sie sich nicht selbst begründet.
    Das weiße Band wird mich auch nicht so berühren, mich nicht auf eine gute Art und Weise zum Flennen bringen und überhaupt, hör auf mir ständig die bösen Filme unterzujubeln, mein Geschmack ist sensibel. :)

  3. spidy sagte

    Würde ich dir “böse” Film unterjublen wollen, dann würden mir andere Filme einfallen als das weiße Band.
    Du musst auch mal über dein Schatten springen! :-)
    WEnn dein Geschmack so sensibel ist, dann sollte dieser mal schleunigst abgehärtet werden, denn sonst gehst du noch irgendwann zu Grunde an dieser Sensibilität. ;-)

  4. Uwe sagte

    Es ist ja wohl nicht so, dass ich hier noch nie über meinen Schatten gesprungen wäre der Herr!
    Jaja, irgendwann sicher mal, aber momentan schiebe ich einfach das „wenig Zeit und die will nicht mit Haneke verbrannt werden“-Argument davor und damit muss es gut sein.
    Auf einer Skala von 1 bis 10, wie begeistert warst du noch gleich davon? ;)

  5. spidy sagte

    Das weiße Band gehört zu den absoluten Highlights 2009.

  6. Uwe sagte

    2009 ist verloren und nicht mehr zu retten. :lol:

  7. spidy sagte

    Vielleicht für dich! :-)

  8. Uwe sagte

    Soll ich dich mal erfreuen? ;)
    (Da soll mir noch mal jemand nachsagen, ich wäre unverbesserlich.)

  9. spidy sagte

    Womit möchtest du mich erfreuen? :-)

  10. Uwe sagte

    Mit der partiellen Zustimmung, dass das weiße Band so verkehrt nicht ist. War zwar für meinen Geschmack sehr langatmig aber mal unter dem Gesichtspunkt, wer da Regie geführt hat, war das doch erstaunlich erträglich für mich. ;)

  11. spidy sagte

    Damit meinst du mich zu erfreuen? :-) Ich mag das Weiße Band, aber es ist aber auch kein Film den ich unbedingt verteidigen muss oder mich dafür stark mache, aber meine Abneigung ist ja auch nicht so stark wie deine gegenüber dem Regisseur.

  12. Uwe sagte

    Tsss, bin ja schon ruhig.. ;)



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