
Gurotesuku
Bei Hostel müsste es der Sextourismus gewesen sein, Saw hat so ziemlich jeden menschlichen Makel in den Mittelpunkt gerückt, den man sich vorstellen kann – bleibt da überhaupt noch etwas übrig?
Der japanische Regisseur Kôji Shiraishi war sich anscheinend sicher, noch eine Lücke gefunden zu haben: die liebe Liebe, garniert mit einem Hauch von Aufopferung.
Selbstverständlich ist es mehr als kurzsichtig anhand dieses Sujets eine Art Handlung festzumachen, denn auch Gurotesuku hat eigentlich nur diesen einen Existenzzweck, der irgendwo zwischen Folter, Folter, Folter und Folterdarstellung hin und her pendelt.
Verschwenden wir unsere wertvolle Zeit nicht mit sinnlosen Diskussionen, ob eine Verbannung in England in Ordnung gewesen ist, führen wir heute mal nicht die Grundsatzdiskussion zum Genre Torture-Porn, oder welchen Namen man auch immer verwenden möchte.
Das Rad wird nicht neu erfunden, mittlerweile dürften die Grenzen des Machbaren auch erreicht sein (diese Vermutung werde ich mit Sicherheit noch bereuen.), es bleibt nur noch offen, wie stark Gurotesuku das Publikum zum Empfinden für Schmerzen animieren kann, quasi als mittendrin statt nur dabei. Zimperlich zeigen die Japaner sich hier nicht, wenn der namenlose Mann ein Pärchen entführt und sie vor die Entscheidung stellt: würdest du für deine Liebe sterben?
Diese Frage kann man schnell beantworten. Mit ja. Oder mit nein. Ganz so schnell geht es dann doch nicht, der namenlose Bösewicht von Doktor hört nicht auf vom Überlebenswillen zu faseln und wie sehr ihn das sexuell doch erregt – immerhin, hier wird mit offenen Karten gespielt und die Situation mehrmals beim Namen genannt, keine scheinheilige Fuchtelei mit dem moralischen Zeigefinger in Richtung Versicherungskaufleute, Bänker oder Polizisten.
Das alles täuscht nicht darüber hinweg, dass man einiges an hartem Tobak vorgesetzt bekommt. Es geht ins Auge, an die Eier, an die Brustwarzen und von Eingeweiden möchte ich hier aus nobler Rücksicht gar nicht erst anfangen.
Es wird wirklich einiges gezeigt, aber auch Grotesque hat einige Schnitte zu viel intus, um wirklich nachwirkend im Magenbereich des Publikums seine Wirkung entfalten zu können; obendrein sind die beiden Opfer so dermaßen blass und emotionslos verschauspielert wie die Plastikbeutel, die ab und an ihre Wunden bedecken. Atmosphäre? Ein Gefühl der beklemmenden Aussichtslosigkeit? Nicht dass ich wüsste, nein. Dafür ist es zu sehr auf tragisches Kammerspiel und Romanze im Härtetest gebürstet, als dass da Flucht, Rache und andere Elemente eine Rolle spielen könnten.
Immerhin, und hier werden morbide Pluspunkte gesammelt, zum Ende hin wird noch einmal großzügig daran erinnert: das war ein Film, einen schönen Tag noch. Zu Pomp and Circumstances gibt es ein einfach nur abgehobenes und überzogenes Finale mit einer sehr verschmitzten Schlusspointe, die man dankend entgegen nehmen sollte – der Rest ist Saw auf Japanisch mit Minimalplot. In meinen Augen aber lieber ein Minimalplot statt einem selbstgefälligem Plot, der sich gar intellektuell mit Problemen der Weltgeschichte auseinandersetzen möchte – insofern gehört Gurotesuku mit Sicherheit nicht zu den Meilensteinen des Kinos, aber irgendwie ist es doch einer der besseren Vertreter seiner Sparte.. ein Kompliment, das mit Vorsicht zu genießen ist, ehe man sich versieht steht man mitten in der Guinea Pig Reihe – Gurotesuku ist mehr Flowers of Flesh and Blood, als es selbst wahrhaben möchte.
Aber sie wirkt ja immer noch, diese Exploitation. Hatte auch kurz darüber nachgedacht den Film zu sehen. Aber ich bin standhaft geblieben, macht mich ein wenig stolz.;)
Uhhh! Da halte ich gegen!
Nach Saw Teil.. 2! standhaft ferngeblieben!