Springe zum Inhalt


Carriers

Carriers

Carriers

Ein mehr als fauler Nachgeschmack verbleibt im Mund, in Zeiten der Schweinegrippe entwirft Carriers ein tristes Bild der Hoffnungslosigkeit. Keiner weiß genau, woher das Virus kam – die Protagonisten sind auf Reisen, handeln nach Regeln und kämpfen um ihr Überleben und wissen erstmal mehr als der Zuschauer. Aber dieser Wissensvorsprung ist schnell aufgeholt und so immens wichtig ist die Hintergrundgeschichte dann auch wieder nicht. Viel interessanter ist das soziale Geflecht der Überlebenden, als da wären Danny (Lou Taylor Pucci), sein Bruder Brian (Chris Pine), dessen Freundin Bobby (Piper Perabo) und Dannys Schulkameradin aus alten Zeiten Kate (Emily VanCamp).

Mundschutz, Desinfektion und die bittere Einsicht, dass einmal Infizierte dem Tod geweiht sind – 3 scheinbar einfache Regeln, ein wie ausgestorbenes Umfeld weit und breit. Ein Ziel ist nicht bekannt, vom Ziel, über die Runden zu kommen, mal abgesehen. Der Weg ist das Ziel und dieser Weg führt zu anderen Überlebenden, alle auf ihre Art und Weise durch das Virus beeinflusst.
Carriers bedient sich meines Erachtens einem Verlauf, den man aus Computerspielen her kennt. Es hat ein wenig was von Half Life, ein bisschen was von Gordon Freeman, der sich gegen Zombies, Aliens und dubiose Organisationen wehren muss.

Carriers

Carriers

Nicht minder stark sind die Assoziationen in Richtung „Die Wolke“ – abzüglich der Tränendrüsendrückerei, auch Right at Your Door – abzüglich tempogeladener Spannung, passt in die Reihe der Vorlagen. Carriers ist ein Spagat, wenn auch kein goldener Mittelweg; so wird eine der schmerzlichsten Szenen im ganzen Film sehr schnell und nüchtern in den Hintergrund gedrängt, denn die Gruppe muss weiter ziehen, streng den Regeln folgen, wohin auch immer das führen mag. Spannung vermag aufkommen, aber sowohl Spannung als auch Action sind bedächtig dosiert. Als Ausgleich wird eine große Portion Paranoia ausgeschenkt, John Carpenter’s The Thing lässt grüßen.

Keine Zombies. Keine Mutanten. Keine übermenschlichen Fähigkeiten. Carriers will davon nichts wissen und bleibt standhaft auf dem „realistischen“ Weg, Wasserknappheit, Infekte durch Unachtsamkeit, das Leben des Einzelnen gegen das Wohl der Gruppe aufwiegen, Benzinknappheit, feindlich gesonnene Zeitgenossen, wilde Tiere, die eigene Psyche, der eigene Bruder, das kleine, infizierte Mädchen und ihr Vater, die Zerreißprobe zwischen Güte und dem eigenen Überlebenstrieb – ein geräumiges Repertoire an Elementen, die Carriers mehr zu einem horrenden Endzeitdrama der eher ruhigeren Art machen.

Handwerklich gibt es im Prinzip nichts auszusetzen, die Möglichkeiten werden ausgenutzt, nach und nach wird klar, worauf Carriers hinauslaufen wird – wäre jetzt nur noch das Quartett in puncto Schauspiel authentischer, man könnte bedenkenlos ein „gut“ äußeren. So ist es eher Mittelmaß. Gehobenes Mittelmaß für das ansprechend konstruierte Umherirren, Mittelmaß für leicht blasse Figuren, die nur schwer mit Farbe und Schauspiel erfüllt werden. Dass ich das mal sagen würde.. aber hier fände ich ein Remake spannend. Schon allein wegen der Neugier, wie eine andere Besetzung das Wirken der Truppe beeinflusst. Kommt Zeit, kommt Rat, nur eben kein Wundermittel. Denn da ist Carriers staubtrocken und niederschmetternd. Nichts als Erinnerungen bleiben. Erinnerungen, die allesamt verloren gehen, wenn sie an einen wichtigen Menschen wie den großen Bruder geknüpft sind. Hinzu die offenen Fragen. Was wäre wenn, was macht eigentlich.. ob es ihnen.. werden wir jemals..? – und aus. Treffer, versenkt, Nachwirkungen erfolgreich zur Geltung gebracht. Damit hat Carriers überrascht, ohne jemals wirklich eine Überraschung präsentiert zu haben. Das ist kein Mittelmaß sondern eine Kunst für sich und überraschend – hähä – gut, weil ganz so einfach ist es ja nicht als Genrefilm, Stolperfallen in Form von triefenden Klischees und Weisheiten à la „Jeder ist sich selbst der Nächste“ lauern hinter jeder Ecke.

Verwandte Artikel

Abgelegt in Achtung Unterhaltung.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , .


4 Reaktionen

Es gilt die Netiquette.

  1. Franko sagte

    Wow, das alles hier klingt ja interessant! Der Film scheint sehr gut zu sein. Danke für den Tipp, werde mal bestimmt anschauen.

  2. spidy sagte

    @Uwe: Ich will es mal so ausdrücken: Carriers ansehen tut keinen weh.

  3. Uwe sagte

    So ist es.

  4. Michael Thiem sagte

    Habe bis jetzt nur gutes über den Film gehört. Werde ihn mir bei Gelegenheit mal anschaun.



Ein bisschen HMTL ist erlaubt