
Sa majesté Minor
Jean-Jacques Annaud ist ein sonderbarer Regisseur. Eben dieser hat es geschafft, Ecos Name der Rose auf die Leinwand zu bringen. Mit Sean Connery und Erfolg, würde ich meinen. Eben dieser hat auch Einreiseverbot nach China, wegen 7 Jahren in Tibet mit Brad Pitt. Sonderbar wegen seiner niveauflexiblen Art, kein Film ähnelt dem Vorgänger.
Sa majesté Minor, also eigentlich Seine Majestät Minor ist zaghaft gesprochen originell. Der Film erzählt die Geschichte eines Volkes auf einer Insel im ägäischen Meer, unter ihnen lebt Minor (José Garcia), der bei Schweinen aufwuchs und sich auch alles andere als menschenähnlich verständigt und verhält.
Das mehr oder weniger friedliche Zusammenleben wird unterbrochen, als Minor die Frau des „Häuptlings“ beißt. Das Schwein muss sterben, so heißt es.. doch irgendwie kommt es zu einer Reinkarnation und noch besser für Minor: er wird zum König ernannt. Von nun an.. wird sich einiges verändern. Die freizügige Clytia (Mélanie Bernier), die ihn noch vorhin in einer Verteidigungssprache mit entblößten Brüsten die Haut gerettet hat, aber eigentlich nie etwas von dem mehr Schwein als Mensch wissen wollte rückt in greifbare Nähe und sowieso, so ein Monarch auf einer Insel kann ja mal im wahrsten Sinne des Wortes die Sau raus lassen.
Das Wörtchen originell muss noch ein wenig erläutert werden. Eigentlich könnte Sa majesté Minor problemlos unter phantasievolle Komödie verbucht werden, aber problemlos geht das nicht. Sehr viel Witz unter der Gürtellinie, Erotik und Sex-Anspielungen aus und in alle Löcher, Vincent Cassel (La Haine, Irréversible) spielt die mythische Rolle Satyre1 und der wiederum gibt nicht nur Ratschläge, wie sich ein hedonistischer Herrscher amüsieren könnte, nein er führt es auch anschaulich mit einem Baum vor.
American Pie auf einer Insel und auf mythisch gebürstet also? Naja, irgendwie schon. Viele der Gags nutzen sich schnellstmöglich ab, überstrahltes Bild, zu intensive Farbkontraste und penetrante Helligkeit tun ihr übriges, um diesen Film zu einer gewollt schweren Kost zu machen. Der dramatischen Thematik der Selbstfindung, des Verrats und der Eifersucht, der ungewollten Schwangerschaft, dem Gerücht um Sex mit Tieren wird immer wieder der bloße Ulk entgegengesetzt. Funktioniert manchmal. Aber dann kommt Sa majesté Minor zu einem ernüchternden Endpunkt, wird höchst ernst und damit recht unglaubwürdig bis die Schlusspointe nachgeschossen wird. Mythen leben länger, Schwein bleibt Sau, Mensch bleibt Mensch – anfangs noch originell, dann nur noch ordinär bis vulgär und kein Tag ist seit der Sichtung vergangen und schon könnte ich sagen: alles vergessen. Nicht wirklich weltbewegend, aber immerhin für einen kurzen Augenblick wurde das Gefühl vermittelt, etwas ganz Besonderes gesehen zu haben.
„Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“ – Verrat, Betrug, Hintergehen, Lüge inklusive. Nicht sehr moralisch aber Moral sucht man auf dieser Lustschlossinsel eh vergebens.
- Satyrn, in der griechischen Mythologie Waldgeister im Gefolge des Dionysos, nach einigen Söhne des Hermes und der Iphthime oder des Silenos, sind wollüstige Wesen von kräftiger, ungeschlachter Gestalt, mit struppigem Haar, stumpfer, aufgeworfener Nase, zugespitzten Ohren und einem Ziegenschwänzchen oder kleinen Pferdeschweif. Auf antiken griechischen Vasen sind sie oft mit Phallus dargestellt. Manchmal wurden aber auch Lustgreise als Satyrn bezeichnet. [↩]
Wie konnte sich Vincent Cassel nur für solch’ einen Bockmist hergeben.
Geld konnte hier keine Rolle gespielt haben.. vermutlich.
Das glaube ich auch nicht.
Es wird so gelaufen sein wie es fast immer läuft, der Film wurde gedreht zwischen zwei Projekten von Cassel, ist ja leicht verdientes Geld, also ging es doch ums Geld
Immer dieser Mammon.
Hoffe er wird das in Black Swan kompensieren.
Mit dieser Masche bekommt doch auch Uwe Boll seine Schauspieler
Cassel hat doch schon mit Public EnemY No. 1 schon wieder alles kompensiert.
Eigentlich mach’ ich mr bei Black Swan nicht so die großen Gedanken:-)
Hallo!
Ehrlich gesagt glaube ich nicht, das Geld ausschlaggebend für die Mitwirkung von Vincent Cassel war. So schräg wie Monsieur drauf ist, dürfte er schlicht einen Heidenspaß an dieser Rolle gehabt haben. Ähnlich schräg wird sicherlich “Les Seigeurs” von Romain Gavras sein, wo er die Hauptrolle spielt, und man denke nur an “Sheitan”!
Den Spaß konnte man ihm und der restlichen Truppe auch eine Zeit lang abkaufen, ich zumindest.
Sheitan habe ich leider noch nicht gesehen