Ein ganz spontaner, elektronischer Brief
Ich bin der Meinung, dass die Welt besser wäre, wenn es das Internet nicht gäbe.
Diese Meinung dürfen Sie natürlich vertreten, aber als einzelner Satz stehend ist er doch ein wenig arg überzogen. Die Welt wäre auch eine bessere ohne Feuer, ohne Waffen, ohne Religion, ohne subjektiv bewertet wertvolle Rohstoffe, wenn man denn möchte kann man jederzeit eine Sache finden, für die man seine Welt in eine schlechtere Welt verwandelt.
Früher hat man Briefe geschrieben, sich persönlich unterhalten und sich für ein Gespräch Zeit genommen.
Briefe schreibt man auch heute noch, meine Großeltern schreiben handschriftlich mehrere Seiten und korrespondieren so mit Verwandten in Kanada. Sie telefonieren ohne eine Flatrate und ohne Frei-SMS und ja, sie kommen damit gut zurecht. Aber was ist mit heute? Auch heute schreibt man noch Briefe, man unterhält sich noch immer persönlich, nur heutzutage werden die alt eingesessenen Kommunikationswege eben mit einer Vielzahl an technischen Möglichkeiten ergänzt. Wenn ich mit Kanada korrespondieren will tippe ich eine E-Mail, der Vorgang ist von der Tastatur und durchgehend sauberen Schrift nahezu identisch, die E-Mail erreicht den Empfänger Tag und Nacht, in Bruchteilen von Sekunden und das Porto und die Verpackung habe ich auch noch gespart. Für eine E-Mail oder einen Eintrag in eine eigene Publikation kann ich mir ebenso lange Zeit nehmen wie für einen Brief, vielleicht auch bedeutend länger. Persönliche Gespräche sind nicht ausgestorben, wobei ich ihnen zugestehe dass es immer zu „Missbrauch“ und Gebrauch über „das gesunde Maß hinaus“ kommen kann, doch wer sind wir, darüber zu urteilen?
Ich komme zu dem Schluss dass sich der klassische Brief und das persönliche Gespräch weiterhin einer großen Beliebtheit erfreuen, ja, selbst diese PC-Hocker die ständig twittern verabreden sich nach Zeit und Gusto im Café nebenan, zum Grillen oder gemeinsamen Event. Der Vorteil liegt da doch auf der Hand. bis der Brief überhaupt in der Postzentrale angekommen ist hat man sich schon längst 3 Antworten hin und her geschickt, in diesem Fall muss man sich auch keine Zeit nehmen, man möchte schnell, einfach und effizient kommunizieren – das ist doch eine wunderbare Sache!
Früher hat man auch Bücher gelesen und sich gebildet.
Doch auch Wissen kann man sich wunderbar am Bildschirm aneignen, Wikipedia, persönlich betriebene Seiten von Wissenschaftlern und Experten, der allgemeine Diskurs wie er im Internet in Foren u.a möglich ist, all das ist zumeist günstiges oder gar kostenloses Wissen an dem jeder sehr schnell, sehr einfach teilhaben kann – nichts geht über die Haptik eines Buches, über den typischen Buchgeruch.. aber mal ehrlich, bis man im veralteten Brockhaus nachgeschlagen und doch nichts gefunden hat gibt es schon gefühlte 50 Neuigkeiten zum Thema XY, zum gerade wichtigen Namen ABC – auch am Bildschirm kann man viel lesen, kann viel lernen und begreifen – Technik und Bildung schließen sich nicht aus, obendrein stehen sich Buch und Bildschirm nicht im Weg, nein, ganz im Gegenteil: sie ergänzen sich hervorragend wenn man den Mittelweg findet und mit Quellen umzugehen weiß!
Heute hängen die Menschen stundenlang vor dem PC und verblöden. Die Welt ist anonymer und oberflächlicher geworden.
Für meinen Geschmack ist das zu polemisch und einseitig. Ein Mensch kann auch stundenlang Bücher lesen und dabei nicht dazu lernen, er kann auch stundenlang am Fließband stehen und sein Geist im Ruhemodus verweilen lassen, „die Menschen“ ist eine nicht angebrachte Verallgemeinerung, es gibt durchaus genügend Menschen die am PC arbeiten, von den kreativen Tätigkeiten hinüber zu den redaktionellen hinüber zu den programmierenden und ja, auch Unterhaltung ist möglich, aber wo es dröges Popcornkino gibt, gibt es auch immer die Kehrseite des anspruchsvolleren Autorenfilms. Von Anonymität wage ich in Deutschland nur bedingt zu sprechen, mit so vielen juristischen Auflagen haben wahrscheinlich nur wir deutschen Internetbenutzer zu leben, allein das Impressum für private Seiten und allerlei urige Beschlüsse die von EU und andern beschlossen werden – anonym ist man vielleicht teilweise und auch nur mit erheblichem Aufwand.
Oberflächlichkeit, nun gut, es gibt die Möglichkeit der Nicknames, der Fakes – aber gibt es die Oberflächlichkeit erst seit dem Internet? Ich bezweifle das stark.
Ich habe keine eigene Mailadresse, weil ich das nicht brauche. Meine Sekretärin legt mir die wichtigen Mails vor – das reicht.
Wenigstens denn einmal ausprobiert, wie schnell und einfach das geht, wenn man sich nur darauf einlässt? Es wäre zu schade, hier vom bloßen Vorurteil und einer „brauch ich nicht, mag ich nicht, will ich nicht haben“-Haltung heraus zu handeln, zumal.. was machen Sie denn, wenn die Sekretärin verhindert ist?
[...]die Online-Shops machen die Geschäfte kaputt. Die Kunden vergleichen im Internet die Preise und kaufen das billigste Angebot. Inzwischen werden Milliarden Umsätze über das Web gemacht, aber die kleinen Einzelhändler bleiben auf der Strecke. Die guten Geschäfte müssen schließen und unsere Innenstädte bluten aus und verkommen. Viele Einzelhändler und auch Karstadt sind durch das Internet pleite gegangen.
Ich lese kein einziges Wort von den Discountern? Ich lese keinen einzigen Satz über Fotoausdrücke für wenige Cent in der Drogerie nebenan – und dass im Internet auf Schnäppchen Wert gelegt wird mag – wie immer – für einen Teil zutreffen.. aber nicht jeder kauft das billigste Angebot, denn siehe da, im Internet zählt die authentische Meinung anderer Menschen. Kundenbewertungen können vor mancher Fehlentscheidung, Inkompatibilität schützen und super Alternativen aufzeigen – aber gut, wer sich vehement gegen einen neuen Zug stellt, der wird früher oder später eben Kopfschmerzen bekommen. Das Thema Karstadt ist wohl auch viel zu komplex um diese Behauptung einfach so in den Raum zu stellen.. oder?
Ich beschäftige mich damit nicht. Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten. Haben die Menschen eigentlich nichts Besseres zu tun, als über belanglosen Kram zu schreiben? Wen interessiert das?
Wie soll man dann ein Vorurteil und eine plumpe Pauschalisierung bewerten? Als intellektuell gehaltvoll, sinnvoll und durchdacht? Was ist an dem persönlichen Gespräch über das Wetter und Nachbars Durchfall habende Katze belangvoller, interessanter? Ich hätte mir ein bisschen weniger Eindimensionalität und Holzhammerargumentation gewünscht, denn so kann man mit dieser Meinung nicht viel anfangen, außer sie für vorschnell und einseitig zu halten.
Mit freundlichen Grüßen.
PS: und das tollste am Internet mit Kommentarfunktion – von sogenannten Trollen und „Idioten“ abgesehen, auf Rechtschreibfehler und Unstimmigkeiten wird in rasender Geschwindigkeit hingewiesen, verbessern Sie mal einen verqueren Gedanken, wenn ihn keiner offenlegt!
Geht alles ganz schnell, so schnell dass man sogar mal eben seine Meinung dazu veröffentlichen kann, bis die diktierte Stellungsnahme eintrifft..
Hallo Fans, Herr Grupp wird morgen persönlich dazu Stellung nehmen. Kann ja wohl nicht so gemeint gewesen sein! Bis morgen, euer Mr. Chimp
Quelle: http://twitter.com/TRIGEMA/status/13436803550
Mehr zum Thema:
http://wuertz-wein.de/wordpress/2010/05/05/ich-bin-ein-verblodeter-idiot/
http://www.konterfai.com/?p=3244
http://blog.larswichert.de/2010/05/06/trigema-nennt-mich-einen-dummen-idioten-dich-ubrigens-auch/
http://medialdigital.de/2010/05/05/ach-herr-grupp/
http://www.michaeljaeger.tv/gib-dem-affen-von-trigema-zucker/
http://rz.koepke.net/?p=5159
http://www.cyber-junk.de/kommentiert/vielleicht-ist-die-welt-nicht-besser-trigema/
http://www.her-life.com/weblog/2010/05/nicht-lustig-sondern-peinlich/
[und es werden ganz bestimmt noch viele viele mehr..einfach mal die gängigen Dienste im Auge behalten.]
Ich hab extra das von ihm nicht zitiert, weil ich auch davon ausgehe, dass er zurück rudert oder klagt gegen die Veröffentlichung und man dann sowieso seine Zitate entfernen muss. Aber warten wirs mal ab wie er reagiert und was als nächstes kommt.
Und wieso das keine Idioten sind.
Wenn ich mal Zeit und Lust habe blogge ich vllt doch noch Einzelteile meiner Ba-Arbeit und warum das Web 2.0 so wichtig is für die Jugendlcihen.
Sollte der eine PR-Abteilung haben.. wird sie jetzt schon viel Arbeit haben für das Zurückziehen, eine Klage wäre in meinen Augen… hm, noch unangemessener und wir wissen ja wie das mit dem Streisand-Effekt hier so funktionieren kann.
Ohja, mach mal, könnte interessant werden. Ich bin ja immer noch der Ansicht dass man viele Dinge vorteilhaft nutzen kann, nur wo Vorteile und Mittelwege.. da eben auch Zeitverschwendung, Trampelpfade.. dunkle Umwege..
danke fürs Sezieren, passt genau.
Bäh, Blut. Gerne, spontan aus der Tastatur darf ja auch ruhig mal sein.
Dürfen Personen des öffentlichen Lebens verhindern, dass man öffentlich von ihnen getätigte Zitate veröffentlicht (so oft “öffentlich”). Ich glaube nicht, aber das weiß der Uwe sicherlich besser.
Oh man, aber wie kann man nur so dumm sein? (Wollte ein “sorry für meine Ausdrucksweise” hinzufügen, aber wenn der mich als Idiot beschimpft…) Wodurch ist das Internet denn entstanden? Weil Wissenschaftler sich zwischen weit entfernten Universitäten schneller austauschen wollten und mussten. Es gibt global stattfindende Experimente, die anders nicht abgeglichen werden können. Und News gibt es nirgendwo schneller als im Internet. Meine Eltern haben einen 10 Jahre alten Brockhaus, ist das besser als WIkipedia zu benutzen? Weil alleine zu Hause im Buch lesen geselliger ist als alleine zu Hause im Internet zu surfen (und nebenbei mit Dutzenden Menschen zu chatten und zu twittern)?
Und zu sagen, das Vergleichen von Preisen würde Geschäfte zerstören impliziert doch, dass die Geschäfte zu teuer sind? Wenn ich beim Einkaufen nicht einfach zum nächsten Supermarkt gehe, sondern mich mit den wöchentlichen Prospekten informiere, macht mich das dann auch zu einem schlechten Menschen? Geschäfte haben dank des Internets weniger Möglichkeiten, Kunden über den Tisch zu ziehen. Ich denke, das ist etwas Positives.
Und ach ja: wer etwas als dumm bezeichnet, womit er sich gar nicht beschäftigt hat, ist ja wohl der Anführer aller Dummen. “Ich weiß nicht was das ist und hab es mir auch nicht angeguckt aber ich find’s dumm und alle die es benutzen sind dumm.” Das ist doch mal echt peinlich.
Er liest das Internet ja eh nicht, wenn seine PR-Abteilung klug ist wird sie den Teufel tun und ihm Worte wie “verbieten” “mahnen” in den Kopf setzen, mal sehen, ne?
David, hä hä, emotional zusammengefasst wo ich um Tonfall und Wortwahl bemüht war, auch nicht schlecht und ja, die bösen Leute die zum Discounter rennen und da nur die Schnäppchen abgrasen statt Tante Emma ihren Laden wo da geht pleite zu unterstützen.. und so weiter und so fort.
Jep, der alte Brockhaus prangt auch in voller Pracht im heimischen Regal.. aber bis ich da das Regal geöffnet hab, die Apfelschale zur Seite geschoben und den richtigen Buchstabe – Buchstabe Band rausgefischt und dann noch die jeweilige Seite aufgeschlagen habe.. da hat mir Wikipedia doch schon ein .pdf zum Runterladen und Ausdrucken zusammengestellt mit aktuellen Daten aus diesem Monat, diesem Jahr.. aber gut, man kann niemanden zu seinem vermeintlichen Glück zwingen.
Schöner Beitrag, habe heute auch mal meinen Senf dazu verfasst, aber ich muss gestehen, deinen Beitrag finde ich nun besser als meinen …
Ach du!
Die Stellungnahme ist – hört hört – online und beim Gesichtsbuch nachzulesen
http://www.facebook.com/notes/.....5511497820
Wollte es dir gerade posten, aber du warst schneller.
Hm, alles nur weil “out of context”? Die Sätze hat er trotzdem gesagt, Kontext hin oder her.
Als kluger Geschäftsmann mit PR-Abteilung (ich liebe dieses Wort) weiß er eben ganz genau dass man Sätze mit “Idioten” nicht einfach so stehen lassen kann, elegant Stellung beziehen, dabei zurück rudern und Haltung bewahren ist ein kunstvoller, sehr wackeliger Vorgang (habe ich Lust die Stellungnahme zu sezieren? Ich glaube gerade nicht so.)
Ach komm, du willst es doch.
Nein, isch möschte das nischt.
Also ich finde ja die PR-Abteilung von Trigema wirklich clever.
Mir gefällt die Stellungnahme und so wie sie geschrieben ist, werden die bestimmt niemanden wegen der Zitate abmahnen.
Ist doch toll, wie man mit ein bisschen Internet-Bashing Marketing betreiben kann.
(“Hauptsache, man spricht über die Firma”)
Vielleicht hatten die das ja auch schon ein bisschen vorgeplant…?
P.S.: dasselbe hat die FAZ ja auch perfektioniert. Alle paar Wochen ein “Das Internet ist scheiße und Blogger sind blöd”-Artikel und der Laden läuft
Bei diesem ganzen “schlechte Neuigkeiten sind auch Neuigkeiten” frage ich mich dennoch: wie soll das zu mehr Erfolg/Umsatz/Absatz, was auch immer führen? Nur weil eine Marke jetzt 3-4 Tage heftig im Strohfeuer leuchtet sehe ich da als Unwissender einfach keinen nachhaltigen Gewinn für Firma & Marke.. aber gut, PR kann ja auch “pointiert raffiniert” heißen, vielleicht sind wir alle nur Marionetten in einem großen Spiel?
Die FAZ, die mit den Klowänden und anderen gehaltvollen Kommentaren? Ja, aber irgendwie.. nutzen sich diese Meldungen doch erheblich ab in puncto Wirksamkeit, die müssten immer einen draufsetzen um überhaupt wahrgenommen zu werden geschweige eine emotionale Kettenreaktion auszulösen.
war es nicht die Arbeitsgruppe 3, Unterabteilung 5 Internet, Referat “pointiert raffiniert”, die neulich bei Trigema gebildet wurde?
Mir fehlt da Mr. Chimp, der Affe, aber ansonsten klingt das nach goldigen Insiderinformationen.